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Beziehung 6 Liebesmythen, die deine Partnerschaft gefährden

Beziehung: Ein Pärchen im Sonnenuntergang
© qunamax / Shutterstock
Nichts gegen Mythen, aber ihnen blind zu vertrauen, ist nicht immer ganz ungefährlich. Bei welchen Liebesmythen Vorsicht angebracht ist, erfährst du hier.

Zu Liebe und Partnerschaft haben fast alle Menschen etwas zu sagen. Deshalb gibt es dazu auch jede Menge vermeintlicher Weisheiten, die bei näherem Hinsehen oder aus Expertensicht nur bedingt richtig sind. Der Psychologe und Beziehungsexperte Gary W. Lewandowski hat für "Psychologytoday" gängige Liebesmythen zusammengetragen und auf den Prüfstand gestellt. Und wie sich zeigt, kann daran zu glauben, unserer Beziehung in manchen Fällen sogar schaden.

6 Liebesmythen, die deine Partnerschaft gefährden können

1. Gegensätze ziehen sich an

Das Sprichwort kennen die meisten und es klingt ziemlich gut. Aber wie einiges, das gut klingt, ist es mit Vorsicht zu genießen. Zwar mag das Fremde und Andersartige einen besonderen Reiz und eine anziehende Wirkung auf uns ausüben. Und sich zu ergänzen, kann in einigen Punkten durchaus bereichernd und förderlich für eine Beziehung sein. Doch wie zahlreiche Studien nahelegen, bieten Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten grundsätzlich bessere Voraussetzungen für eine harmonische, stabile und langfristige Partnerschaft. Vom Humor, über die Art zu kommunizieren bis hin zu Hobbys und Werten – Paare, die bei solchen Dingen ähnlich ticken, bleiben in der Regel konfliktfreier und länger zusammen als solche, die hier gar nichts teilen. 

2. Distanz ist grundsätzlich schlecht für die Beziehung

Fernbeziehung, in unterschiedlichen Städten arbeiten und sich nur drei Tage die Woche sehen – die meisten Modelle, die von dem klassischen "zusammen wohnen und jeden Morgen nebeneinander aufwachen" abweichen, sehen viele Menschen eher kritisch. Laut Lewandowski kann eine gewisse räumliche Distanz allerdings sogar positive Auswirkungen auf eine Partnerschaft haben. So kommunizierten Paare, die öfter voneinander getrennt sind, typischerweise besser und hätten in der Zeit, die sie zusammen verbringen, schönere gemeinsame Erlebnisse. Einer US-amerikanischen Umfrage zufolge erlebten Menschen, die in einer Fernbeziehung stecken, ihre Partnerschaft oft sogar als liebevoller, harmonischer, intensiver und stabiler als Paare, die ständig zusammen sind. Natürlich ist nicht jede:r ein Typ für eine Fernbeziehung. Doch dass Distanz grundsätzlich schlecht für die Liebe ist, stimmt offensichtlich nicht.

3. Ungute Gefühle in der Beziehung sind grundsätzlich Warnsignale

Wenn eine Partnerschaft negative Emotionen in uns hervorruft, löst das in der Regel sehr schnell Zweifel bei uns aus. Verständlich. Doch laut Gary Lewandowski sind Untersuchungen zufolge nicht alle negativen Gefühle ein schlechtes Zeichen. So seien sogenannte "weiche" Emotionen wie Traurigkeit oder Verletztsein generell mit vergleichsweise zufriedenen und konfliktarmen Beziehungen assoziiert und könnten sich sogar positiv auf die Bindung auswirken. "Harte" Emotionen wie Wut und "angstbasierte" wie Angst und Bedrohtsein dagegen seien laut Lewandowski tatsächlich Warnsignale und ein Grund, die Partnerschaft zu reflektieren.

4. In einer Beziehung muss man verzeihen können

Sicherlich ist es oftmals notwendig und sinnvoll, einem Menschen, den wir lieben, zu verzeihen, wenn er uns verletzt hat. Empfindet dieser Mensch allerdings keine aufrichtige Reue und zeigt nicht, dass ihm unsere Vergebung ehrlich am Herzen liegt, kann es laut Gary Lewandowski unserem Selbstwert und -respekt schaden, nachsichtig mit ihm zu sein. Zudem habe eine Studie unter frisch Verheirateten gezeigt, dass, wenn ein:e Partner:in besonders leicht verziehen hat, der:die andere öfter Streit anfing, überkritisch wurde und sich in der Beziehung launisch benahm. Zu vergeben führt demnach nicht unbedingt dazu, dass alles wieder gut oder besser wird. Sondern macht das Zusammenleben unter Umständen sogar schwieriger. 

5. Positives Denken ist immer der richtige Weg

Das Positive in den Blick rücken, die schönen Dinge wahrnehmen und wertschätzen, optimistisch sein – das sind Ratschläge, die wir immer wieder hören und die tatsächlich in vielen Situationen helfen können. Aber eben nicht in allen. Bei Paaren, die tiefliegende Probleme haben, führe allzu positives Denken laut Lewandowski häufig dazu, dass sie ihre Probleme kleinreden und ignorieren, anstatt daran zu arbeiten. Das löse sie auf Dauer natürlich nicht, sondern sei ein ziemlich sicherer Weg ins Unglück. Bei kleineren, gelegentlichen Konflikten sei Wohlwollen und der bewusste Blick auf die schönen Seiten laut dem Psychologen durchaus eine sinnvolle Strategie, aber ernsthafte Schäden einer Partnerschaft könne es im Zweifel sogar verschlimmern.

6. In einer Beziehung sollte man sich immer gegenseitig bestärken

Sich zu Hause und gut aufgehoben fühlen – das wünschen sich viele von ihrer Partnerschaft und stellen es über einiges andere. Lewandowski gibt allerdings zu bedenken, dass es manchmal im Sinne des:der Liebsten sein kann, ehrlich zu sein, auch wenn wir ihn:sie damit vor den Kopf stoßen und kein Zuhausegefühl vermitteln. Ein Beispiel. Unsere Partnerin ist völlig fertig, weil sie Ärger im Büro hatte. Sie erzählt uns davon und wir hören heraus: Okay, sie hat Mist gebaut. Zuhause würde sie sich fühlen, wenn wir ihr sagten, alle anderen sind doof, die Welt ist gemein, du hast nichts falsch gemacht. Besser für sie, unsere Beziehung und unser Vertrauensverhältnis wäre laut Lewandowski allerdings, ihr schonend beizubringen, dass sie einen gewissen Anteil an ihrer Misere hat. "Dein:e Partner:in hat eine einzigartige Perspektive auf deine Schwächen", so der Experte. "Wenn sie sie mit dir teilt, gibt dir das die Chance zu wachsen." Bis wir uns den Kopf an Wolke acht stoßen.

Verwendete Quelle: Psychologytoday.com

sus Brigitte

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