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Beziehung So viele Ex-Sexpartner:innen sind laut Umfrage optimal

Beziehung: Ein Paar im Winter
© Studio Lucky / Shutterstock
Spielt die sexuelle Vergangenheit eines Menschen eine Rolle, wenn wir entscheiden, ob wir mit diesem Menschen eine Beziehung eingehen möchten? Laut einer Umfrage: ja.

Unsere Vergangenheit prägt uns, ob wir wollen oder nicht. Die Erfahrungen, die wir sammeln, die Fehler, die wir begehen, die Menschen, die uns enttäuschen oder begeistern – alles, was wir erleben, formt unseren Charakter, unsere Gewohnheiten und Verhaltensweisen. Dennoch sind sicherlich die meisten Leute der Meinung: Jemanden aufgrund seiner Vergangenheit zu beurteilen, ist unfair, oberflächlich und geht ja mal gar nicht.

Und das stimmt, es geht auch nicht, denn wir können kaum vorhersagen, wie genau eine konkrete Lebensgeschichte einen bestimmten Menschen prägt. Was die eine Person vielleicht stark, selbstbewusst und treu macht, kann eine andere misstrauisch, selbstsüchtig und korrupt werden lassen. Doch so sehr wir uns um Unvoreingenommenheit bemühen mögen und versuchen, die Vergangenheit eines Menschen zu ignorieren und uns allein aufgrund seines Handelns im Hier und Jetzt einen Eindruck zu bilden, oft tun wir uns damit schwer. Nicht nur, wenn es darum geht, jemandem eine Wohnung oder einen Job anzuvertrauen, sondern auch, wenn der Platz an unserer Seite zu vergeben ist. So scheint zumindest die Zahl der vergangenen Sexpartner:innen laut einer Umfrage bei der Partnerwahl für viele Menschen eine Rolle zu spielen.

Umfrage zeigt: Zwei bis drei Ex-Partner:innen sind optimal

Der britische Psychologieprofessor Andrew Thomas hat mit einem kleinen Forschungsteam eine überschaubare Testgruppe von 188 Proband:innen gebeten einzuordnen, wie wahrscheinlich sie mit einem Menschen eine Partnerschaft eingehen würden, der ...

  • noch Jungfrau ist,
  • bislang nur eine:n Sexpartner:in hatte,
  • zwei bis drei
  • 19 bis 22,
  • mehr als 60
  • und einige Optionen dazwischen.

Insgesamt stellten die Wissenschaftler den Befragten 16 Alternativen zur Wahl, die sie auf einer Skala von 1 (Beziehungspotenzial sehr unwahrscheinlich) bis 9 (Beziehungspotenzial sehr wahrscheinlich) bewerten durften. Dabei interessierten die Forschenden zwei Fragen besonders: Wie viele Sexpartner:innen werden als zu viele empfunden? Stufen Männer und Frauen die sexuelle Vergangenheit potenzieller Partner:innen unterschiedlich ein?

Bezüglich der ersten Frage legt das Ergebnis nahe, dass es in der Vergangenheit einer:s möglichen Lebenspartner:in offenbar nicht nur zu viele, sondern auch zu wenige Sexpartner:innen gegeben haben kann: Die Antworten der Testpersonen lieferten eine Kurve, die bei einem Zustimmungswert von 6 für jungfräuliche Personen begann, dann auf ihren Höchstwert von knapp 8 für Menschen kletterte, die bereits zwei bis drei Sexpartner:innen hatten, und von dort an kontinuierlich absank: von einer immer noch starken 7 für Personen mit vier Ex-Partnerinnen bis zu einer 2 für besonders aufgeschlossene Menschen, die bereits 60 oder mehr sexuelle Beziehungen führten. 

Was die zweite Frage angeht, also die, ob Männer und Frauen unterschiedliche Ansprüche an die sexuelle Vergangenheit ihrer:s potenziellen Partner:in stellen, zeigte sich in dieser Studie lediglich ein zu vernachlässigender Unterschied. Die männlichen Befragten wiesen eine geringfügig höhere Toleranz gegenüber einer lebendigeren Vergangenheit auf, doch die Kurven beider Geschlechter waren sehr ähnlich.

Was sagt uns das nun?

Mit 188 befragten Personen ist die Testgruppe zwar klein, doch aus dem Ergebnis lässt sich eine Tendenz ablesen, die nur bedingt überrascht: Je mehr Sexpartner:innen ein Mensch und mögliche:r Lebenspartner:in vor uns hatte, umso schwerer fällt es uns wahrscheinlich, ihn als treu und vertrauenswürdig einzustufen. Wenn er:sie mit keinem:r der vergangenen 74 Personen zusammen alt geworden ist, warum sollte er:sie es dann mit uns wollen?

Andererseits stellt sich dann die Frage, warum Jungfrauen nicht am besten abschneiden? Stört vielleicht der Mangel an Erfahrung? Andrew Thomas vermutet, dass unser Steinzeitgehirn hierbei eine Rolle spielen könnte: Wenn ein Mensch bislang noch keinen Erfolg bei anderen Sexualpartner:innen hatte, wird er offenbar nicht als besonders attraktiv empfunden beziehungsweise stimmt womöglich etwas nicht mit ihm. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist der:die ideale Partner:in für uns eben nicht nur vertrauenswürdig und treu, sondern vor allem auch körperlich fit und fortpflanzungsfähig. 

Wie gut, dass uns die Evolution neben einem Interesse an der sexuellen Vergangenheit unserer Partner:innen auch noch mit der rosaroten Brille ausgestattet hat. Schließlich lässt die uns im Zweifel die eine oder andere Kleinigkeit ausblenden, wenn wir verliebt sind, sodass wir Menschen in den meisten Fällen doch erst einmal kennenlernen können, ehe wir sie von vornherein wegen zu vieler oder weniger Exbeziehungen in den Wind schießen. Und wenn sich bei diesem Kennenlernen herausstellt, dass das meiste zwischen uns passt, wird uns trotz Steinzeitgehirnen die Zahl der vergangenen Sexpartner:innen bestimmt nicht mehr auseinanderbringen können.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

sus Brigitte

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