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Gute Beziehung Muss man manche Dinge einfach tun?

Gute Beziehung: Verliebtes Paar
© UfaBizPhoto / Shutterstock
Liebe ist die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle.

Wieso fragen so viele Menschen danach, was sie in Beziehungen "müssen"? Das ist mal eine Frage, die ich mir selbst stelle – weil sie durch viele Fragen durchscheint.

Wir müssen überhaupt nichts!

Irgendwann muss ich es – nein, ich muss eben nicht, ich WILL es loswerden: Mich erstaunt immer wieder, wie die Fragen gestellt sind, die mich erreichen. Denn unglaublich oft wird gefragt, was "man" in einer Beziehung tun "muss" oder "soll". "Muss mein Partner alles aus meiner Vergangenheit wissen?" "Sollte man sich zum Sex aufraffen?" "Muss man alles versuchen, um eine Beziehung zu retten?"

Neu in den Partner verlieben: Oskar Holzberg
Oskar Holzberg, 67, berät seit über 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und ist seit über 30 Jahren verheiratet. Sein aktuelles Buch heißt "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (240 S., 11 Euro, DuMont).
© Ilona Habben

Die unmittelbare Antwort darauf ist ergreifend schlicht: Wir müssen in Beziehungen überhaupt nichts. Wir sind frei. Wir können unser gemeinsames Leben so gestalten, wie es uns passt, solange nicht Gewalt und Demütigung im Spiel sind. Wir können als Paar nicht auch nur einmal ernsthaft miteinander sprechen und trotzdem großartig miteinander auskommen, selbst wenn wir so nie erfahren, ob wir uns tatsächlich verstehen. Wir können jeden Morgen Sex miteinander haben oder uns nicht mal beim Abschiednehmen berühren. Alles geht. Liebesbeziehungen sind heute ausschließlich Verhandlungssache zwischen den Partnern. Niemand sonst bestimmt und niemand weiß, wo es langgeht – nicht die Familie, nicht die Kirche, nicht der Staat. Nicht mal das Internet oder die Paartherapeutin. Und schon gar nicht der eifrige Schreiber der Paarkolumne, die Sie gerade lesen.

Die Frage nach dem Müssen und Sollen in Beziehungen zeigt aber, wie verunsichert wir in unserem Beziehungsleben sind. Und wie wir uns danach sehnen, alles richtig zu machen, um ein möglichst perfektes (Liebes-)Leben zu haben. Denn die Kehrseite unserer Freiheit ist ja, dass wir ganz allein dafür verantwortlich sind, ob uns die Liebe gelingt, oder wir, möglicherweise immer wieder, daran scheitern. Niemand kann uns sagen, wie wir garantiert richtig lieben. Aber was beziehungsschädigend und unpartnerschaftlich ist, wie wir eine Liebesbeziehung ziemlich unweigerlich an die Wand fahren, das verstehen wir schon. So wie jede und jeder von uns sofort begreift, warum wir auf keinen Fall betrunken Auto fahren sollen, aber mit diesem Wissen allein noch lange kein Auto sicher steuern können.

Anleitung für perfekte Liebesbeziehungen?

Die Gebrauchsanweisung für Liebesbeziehungen existiert nicht. Nur eine Sammlung von Pflegetipps. Wir suchen Liebe und sind zur Liebe fähig. Es gibt viele Ideen dazu und Erfahrungen darüber. Aber keine exakte Anleitung, die wir auf dem Smartphone abrufen können. Wir müssen von innen heraus leben und entscheiden, was uns guttut, was wir uns wünschen, wie es sich für uns stimmig anfühlt. Auch wenn die Ungewissheit schwer zu ertragen ist, endlos Fragen, aber keine verlässlichen Antworten darauf zu haben.

Mir ist schon klar, wie widersprüchlich ich gerade bin. Ich beantworte eine Frage der Liebe nach der anderen und verkünde dann, dass es gar keine richtigen Antworten gibt? Doch dass es keine richtige Antwort gibt, heißt ja nicht, dass es gar keine Antwort gibt. Wir müssen auf die Fragen, die uns das Leben und die Liebe stellen, immer wieder Antworten finden. Denn wir können uns ja nicht nicht verhalten. Aber das ist das einzige Muss und die einzige Gewissheit, die wir in der Liebe haben.

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BRIGITTE 13/2021 Brigitte

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