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Beziehung Laut Studie: So viele Probleme sind für eine Partnerschaft zu viel

Studie: Zwei Frauen halten Händchen
© loreanto / Adobe Stock
Keine Beziehung ist perfekt, aber wie viele Probleme hält eine Partnerschaft maximal aus? Diese Frage untersuchten kanadische Psychologinnen in einer experimentellen Studie – und fanden möglicherweise eine Antwort. 

Sobald wir uns auf eine Beziehung mit einem anderen Menschen einlassen, können wir uns darauf einstellen, früher oder später Kompromisse schließen zu müssen. Ob es darum geht, was wir essen, wann wir ausgehen, wohin wir verreisen oder worüber wir reden, wenn zwei Personen involviert sind, kann nun einmal im Normalfall nicht immer alles hundertprozentig nach einer Nase laufen – das gilt für Freundschaften, Partnerschaften, familiäre Verbindungen und sonstige soziale Konstellationen.

Da wir von Beziehungen, insbesondere von intimen und vertrauten, in hohem Maße profitieren, einsam und isoliert hingegen unglücklich und krank werden oder sterben, lohnt sich die Kompromissbereitschaft meistens und fällt uns nicht sonderlich schwer – solange wir nicht allzu viele Abstriche machen müssen. Wenn nicht jeder unserer Ansprüche erfüllt sind, ist das okay, auch auf fast allen Ansprüchen müssen wir nicht bestehen, aber irgendwo zwischen viele und keine gibt es offenbar eine Grenze, die über Beziehung und Nicht-Beziehung entscheidet. Doch wo verläuft diese Grenze? Eine experimentelle Untersuchung der beiden Psychologinnen Samantha Joel und Nicolyn Charlot von der Western University in Ontario, Kanada, liefert möglicherweise die Antwort auf diese Frage – in Bezug auf Partnerschaften.

Fantasiebeziehung mit Hindernissen

Für ihre Untersuchung wählten die Forscherinnen den, wie sie ihn nennen, "Wähle dein eigenes Abenteuer"-Ansatz: Die knapp 1.600 Versuchsteilnehmenden bekamen die Anweisung, sich in eine vorgegebene Beziehungsgeschichte hineinzuversetzen, in der sie eine Person zunächst kennenlernen und ihr im weiteren Verlauf näher und näher kommen, bis sie sich schließlich in einer ernsten Partnerschaft mit diesem Menschen befinden.

In diese Geschichte hatten die Psychologinnen 17 Entscheidungspunkte integriert, an denen die Versuchspersonen auswählen durften, ob sie die vorgestellte Beziehung weiterverfolgen möchten oder nicht. Wieso sollten sie sie nicht weiterverfolgen? Aus folgendem Grund: Im Verlauf der Geschichte erfuhren die Proband:innen nach und nach unangenehme Einzelheiten über die andere Person – wie beim Kennenlernen im echten Leben –, zum Beispiel dass sie ungepflegt erscheint, faul ist, einen schlechten Sinn für Humor hat und Ähnliches.

Dabei bekamen nicht alle Versuchsteilnehmenden exakt dieselbe Geschichte vorgelegt: Während einige Proband:innen bis zum ersten Entscheidungsmoment beispielsweise erfahren hatten, dass die andere Person "weniger attraktiv als erwartet ist", "etwas ungepflegt" zur Verabredung auftaucht, aber "nett wirkt", durchlebten andere eine Variante der Geschichte, in der sie einen "attraktiven, gut gekleideten, nett wirkenden" Menschen trafen. Früher oder später stießen jedoch alle Teilnehmenden bei ihrer:m imaginierten Partner:in auf problematische Eigenschaften.

Und nach wie vielen unangenehmen Enthüllungen stiegen die meisten Proband:innen aus und brachen die Fantasiebeziehung ab?

Versuchsauswertung: Drei bis vier Probleme sind okay

Tatsächlich lag die Toleranzgrenze der Versuchsteilnehmenden im Durchschnitt bei drei bis vier. Drei bis vier Probleme war ein Großteil der Testpersonen bereit hinzunehmen, doch das fünfte empfanden viele als zu viel. Es sei denn, eines der Probleme eins bis vier berührte einen Punkt, der einer:m Proband:in persönlich besonders wichtig war – in dem Fall gab sie:er die Beziehung schon früher auf. Dealbreaker ist also nicht gleich Dealbreaker, sie haben unterschiedlich viel Gewicht.

So interessant diese Untersuchung und ihr Ergebnis sicherlich sind, so gibt es eine offensichtliche Schwachstelle: Wie sich Menschen unter Laborbedingungen beziehungsweise in ihrer Vorstellung verhalten, kann allenfalls Hinweise darauf liefern, wie sie es im echten Leben tun. Wenn wir einen Menschen kennenlernen, spielt nicht nur eine Rolle, wie gut wir mit ihm auskommen und wie viele unserer Ansprüche er erfüllt oder nicht erfüllt. Unsere eigene Lebenssituation und Verfassung, die anderen Beziehungen, die wir währenddessen führen, die Gefühle, die eine Person in uns auslöst, ob sie uns nun verständlich sind oder nicht – in der Realität wirken zahlreiche Faktoren auf uns ein, die auf die Versuchspersonen an ihren Entscheidungspunkten kaum einen Einfluss hatten. Letztendlich müssen wir unsere (Toleranz-)Grenzen sowieso immer selbst ausloten. Und für manche Menschen werden wir sie, ohne zu zögern und aus unerfindlichen Gründen, verschieben.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

sus Brigitte

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