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Trennungsexpertin verrät So kannst du eine Beziehung möglichst smooth und anständig beenden

Beziehung beenden: Weinende Frau wird von Freundin getröstet
© Estrada Anton / Shutterstock
Eine Beziehung zu beenden, gehört zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Trennungsexpertin Elena Sohn weiß, wie es dennoch gelingt.

BRIGITTE: Ab wann ist eine Beziehung nicht mehr zu retten und die Zeit gekommen auseinanderzugehen?

Elena Sohn: Wenn man sich in einer Abwärtsspirale ohne Aussicht auf Besserung befindet. Es gibt Paare, die haben viele Konflikte, wachsen aber im Grunde daran – weil sie eine gute, respektvolle Streitkultur haben. Und es gibt Paare, bei denen jeder Konflikt die Fronten noch mehr verhärtet. Bildlich gesprochen: Wenn das Gefühl "Wir zwei sitzen im selben Boot" nicht mehr da ist, wenn man nicht mehr gemeinsam um die Beziehung, sondern sich aneinander abkämpft.

Und wenn der oder die eine das schneller erkennt als der/die andere?

Eine schwierige Beziehung kann man nur zusammen retten. Wenn einer wirklich aus dem Boot aussteigt, wird es früher oder später sinken. Insofern kann man dann leider wenig tun. Wer merkt, dass er nicht mehr bereit ist zu kämpfen, sollte das ehrlich äußern. So hat die oder der andere die Chance, sich neu zu orientieren, anstatt noch lange zu hoffen.

Wenn er oder sie stattdessen aber klammert und die Trennung verweigert?

Dann ist vor allem Klarheit gefragt. Manche Menschen fangen an "rumzueiern", aus Sorge, Partner oder Partnerin Schmerz zuzufügen, und halten immer noch ein Fünkchen Hoffnung aufrecht. Für den Augenblick mag das den Schmerz etwas reduzieren – langfristig gesehen bewirkt es aber das Gegenteil. Wenn ich sicher bin, dass ich mich trennen möchte, sollte ich das ganz straight kommunizieren und auch in meinem Verhalten konsequent sein. Was nicht heißt, dass ich nicht mehr für Gespräche zur Verfügung stehe – aber eben doch, dass ich zu meiner Entscheidung stehe.

Die norwegische Psychologin Sissel Gran sagt, wir würden die Perspektive der Gehenden zu wenig berücksichtigen und sie oft einseitig als die "Bösen" sehen.

Tatsächlich können beide Seiten sehr schmerzhaft sein. Der Schmerz der/des Verlassenen ist jedoch in seiner Beschaffenheit anders: Er geht oft mit Ohnmacht einher, mit Perspektivlosigkeit und Verzweiflung. Das sind nicht selten existenziell bedrohliche Emotionen. Wer geht, leidet auch, aber eben nicht auf diese existenzielle Art.

Wie wird das Gehen(-lassen) leichter?

Indem man das Gespräch und den Kontakt mit vertrauten Menschen sucht. Das mindert das Gefühl des Alleinseins. Und es hilft dabei, schneller ein neues Selbstkonzept, also eine neue Idee und einen neuen Plan für sich zu entwickeln. Wenn das gelingt, hat man das schlimmste hinter sich.

Elena Sohn ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Autorin (z. B. "Goodbye Beziehungsstress"). Sie betreibt die Agentur "Die Liebeskümmerer" in Berlin.

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BRIGITTE 22/2020

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