Beziehung ohne Sex: 47-Jährige schläft nicht mehr mit Ehemann – weil ER nicht will!

Benita, 47, schläft schon lange nicht mehr mit ihrem Partner – weil er nicht will. Kann man sich damit arrangieren?

Ganz am Anfang, kurz nachdem wir zusammengekommen sind, haben wir noch ein, zwei Mal pro Woche miteinander geschlafen. Um ehrlich zu sein, war es auch da schon nicht besonders leidenschaftlich. Ich dachte, dass es mit mir zu tun hätte. Ich dachte, er fände meinen Körper nicht attraktiv genug. Aber Jörn sagte, ich gefalle ihm so und ich solle aufhören mit dem "Frauengerede". Doch bald schliefen wir kaum noch miteinander. Um es ganz klar zu sagen: Sex war nicht das, was uns verbunden hat.

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Er wollte das Thema Sex einfach beenden

Jörn hatte oft Probleme, eine Erektion zu bekommen. Ich kann mir das nur mit seinem früheren Drogenkonsum erklären, und seinen heute noch ausufernden Alkoholkonsum. Wenn Männer Probleme haben, ihre Erektion zu halten, probieren sie es oft gar nicht mehr. Weil sie zu viel Angst haben, dass es wieder passiert. Ich war verständnisvoll und habe ihm immer wieder gesagt: Macht doch nichts, mein Schatz, kaufen wir uns eben Viagra. Oder wir probieren etwas anderes. Oder wir gehen zum Therapeuten. Aber er wollte das alles nicht.

In Wahrheit wollte er überhaupt nicht mehr darüber reden und wurde aggressiv, wenn ich auf das Thema kam. Er war nicht bereit, daran zu arbeiten – weder mit Therapien noch mit Potenzmitteln. Er wollte das Thema Sex einfach beerdigen. Ad acta legen. Das war es, was mich so enttäuscht hat. Als ich drohte, mich zu trennen, schlug er vor, ich könne mir ja woanders Sex suchen. Aber er würde mich trotzdem immer lieben, das solle ich nicht vergessen.

Unsere Beziehung wurde zu einer guten Freundschaft

Ich habe mich dann tatsächlich getrennt, denn es war zu frustrierend. Dann lernte ich auf einem Online-Erotik-Portal das Gegenteil von Jörn kennen: einen Mann zum Vögeln, mit dem ich allerdings sonst gar nichts anfangen konnte. Er schlief im Kino ein oder lachte an der falschen Stelle. Wir konnten nie über Filme reden. Ich vermisste Jörn. Aber ich wollte auch keine sexlose Beziehung. Doch an einsamen Winterabenden auf dem Sofa wurde mir klar, dass ich am liebsten Jörn neben mir haben würde.

Das habe ich ihm dann schließlich auch geschrieben. Er antwortete, dass es ihm genauso gehe. Es war alles sehr einfach, wir wurden wieder ein Paar. Ich habe kurz darauf meine Wohnung gekündigt und bin zu ihm gezogen. Mir war klar, dass ich über das Sexthema nicht mehr mit ihm zu reden brauche. Da war alles gesagt. Unsere Beziehung wurde also eher die sehr enger Freunde: Wir kuscheln abends auf dem Sofa, wir kochen gemeinsam, gehen ins Theater, reden über alles.

Viele sind nur aus Bequemlichkeit zusammen

Manchmal bin ich schon traurig, weil ich denke, dass wir zu jung sind für eine platonische Partnerschaft. Ich hatte zwei Affären, von denen ich Jörn nicht erzählt habe, aus Rücksicht. Verliebt war ich in keinen. Andererseits bin ich bin in meinem Job ohnehin sehr viel unterwegs und habe für mich festgestellt, dass ich zu Hause Ruhe brauche. Was sexuelle Bedürfnisse betrifft, reicht mir mein kleiner vibrierender Freund, und manchmal finde ich es sogar angenehm, dass an ihm kein Mann dranhängt, der mir Stress macht. Jörn ist der beste Mann, den es für mich geben kann. Das Ausklammern von Sexualität in einer Beziehung betrifft ja viel mehr Paare, als man denkt.

Ich kenne viele Frauen, die sagen: Auf unseren Sex würde ich gerne verzichten. Ab und zu machen sie es dann ihrem Mann zuliebe, aber eigentlich sind sie nur aus Bequemlichkeit zusammen. Da finde ich unser ehrliches Arrangement deutlich angenehmer. Auch wenn mich das Thema begleiten wird und ich immer wieder einen Weg finden muss.

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BRIGITTE 11/2019

Wer hier schreibt:

Andrea Müller
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