Die 10 wichtigsten Tipps der Paartherapeutin

Beziehungen sind ihr Arbeitsalltag. Paartherapeutin und Autorin Sandra Konrad verrät ihre Tipps, wie sie gelingen können.

1. Bleib auf dem Teppich

Natürlich darfst du träumen. Aber je unrealistischer deine Wünsche und Erwartungen an die Liebe sind, desto schwieriger wird es, einen Partner zu finden oder eine glückliche Beziehung zu führen. Ein Partner ist kein Bedürfniserfüller, kein Wünsche-von-den-Augen-Ableser, auch wenn Hollywood-Filme uns das nur zu gern suggerieren. Ein Partner ist im besten Fall ein souveränes Gegenüber mit eigenen Wünschen und Erwartungen. Partnerschaft bedeutet verhandeln, Prioritäten setzen und Kompromisse schließen. Von beiden.

2. Sprich über deine Gefühle und deine Bedürfnisse

Kein Mensch kann Gedanken lesen. Öffnet euch füreinander: Teil deine Gefühle, deine Ängste, deine Wünsche mit. Warte nicht, bis sich Enttäuschungen und Frust aufgestaut haben und du nur noch Problemgespräche führen oder gar über eine Trennung nachdenkst. Wichtig: Manchmal ändern sich Bedürfnisse im Laufe der Zeit. Versäume nicht, deinem Partner diese Veränderungen mitzuteilen. Veränderungen sind Zeichen für Lebendigkeit und Wachstum. Und nichts ist erfüllender als eine Verbindung zweier Menschen, die sich einander immer wieder zuwenden und versuchen, den anderen zu verstehen.

3. Respektiere die Unterschiede

Sich zu verstehen heißt nicht, einander immer zuzustimmen. So ähnlich sich zwei Partner auch sein mögen – sie bleiben immer zwei unterschiedliche, voneinander getrennte Individuen. Eine Beziehung zu führen heißt nicht, sich für den anderen aufzugeben oder dies vom Partner zu verlangen. Freu dich über Gemeinsamkeiten und Nähe, aber respektiere und wertschätze auch die Unterschiedlichkeiten. Vielleicht könnt ihr gerade dadurch etwas voneinander lernen und euch weiterentwickeln.

4. Hab keine Angst vor Konflikten

Sie sind in einer echten Beziehung unvermeidlich. Wenn zwei Persönlichkeiten ihre Leben zusammenlegen, entsteht Reibung. In vielen Bereichen werden Lösungen gefunden, bestimmte Themen werden spannungsgeladen bleiben. Das heißt nicht, dass deine Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Jedes Paar hat sowohl mit lösbaren als auch mit unlösbaren Problemen zu kämpfen. Paare, die nie unterschiedlicher Meinung sind, leben oft in symbiotischen Beziehungen, in denen Disharmonien von einem oder beiden "heruntergeschluckt" werden, was im Laufe der Zeit zu tiefem Groll oder Entfremdung führen kann. Glückliche Paare behalten ihr Vertrauen und ihren Humor während sie über lösbare Probleme verhandeln und im Laufe der Zeit mit den unlösbaren Problemen zu leben lernen.

5. Setz dich mit deinem Partner auseinander, aber bleib fair

Es spielt keine Rolle, ob ein Paar sich laut oder leise zugrunde richtet. Die schlimmsten Kommunikationsfouls sind: Vernichtende Kritik an der Person des Partners, anstatt konkrete Kritik an seinem Verhalten zu üben; sich zu rechtfertigen, statt auf die Gefühle des Partners einzugehen; Verachtung und Rückzug. Wenn du im Streit den emotionalen Kontakt zu deinem Partner verlierst und in eine destruktive Streitspirale gerätst, brich die Diskussion ab. Vereinbare gleichzeitig einen neuen, zeitnahen Termin, um "abgekühlter" weiterzusprechen. Wenn du einen Konflikt nicht alleine lösen kannst, suche therapeutische Hilfe, je früher, desto besser. Sich Unterstützung zu holen ist keine Bankrotterklärung, sondern ein Zeichen, wie wichtig dir deine Beziehung ist.

6. Vertrag dich mit deinem Partner

ist Diplom-Psychologin und arbeitet seit 2001 als systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin in Hamburg. Außerdem schreibt sie Bücher, ihr neuester Ratgeber: Liebe machen- Wie Beziehungen wirklich gelingen, Piper Verlag, 352 Seiten, 19,99 Euro. Sandra Konrad gibt es auch auf Facebook.

Viele unglückliche Paare gehen nach einem Streit ohne sich zu vertragen in den Alltag über. So folgt eine Verletzung auf die nächste, keine Wunde heilt jemals aus. Zu den lebenswichtigen Maßnahmen in einer Beziehung gehört es, kleine versöhnliche Schritte aufeinander zuzugehen, Entschuldigungen auszusprechen, aber auch anzunehmen. Wenn du einen Fehler gemacht hast, entschuldige dich und versuche, dein Verhalten dementsprechend zu ändern. Wenn dein Partner einen Fehler gemacht hat, überlege, was du brauchst, um deinem Partner zu verzeihen. Manche Wunden brauchen Zeit, um zu heilen, aber ein Paar braucht auch in den schwierigsten Phasen Momente des Friedens und Ausruhens miteinander.

Es ist wichtig, Streitgesprächen einen Rahmen zu geben und sie bewusst zu beenden. Würdige die kleinen Fortschritte oder Verständigungen, die zwischen dir und deinem Partner stattgefunden haben. Finde Rituale, die euch beiden signalisieren, dass ihr bereit seid, euch wieder anzunähern. Lass aus vielen kleinen Konflikten keine große Krise werden.

7. Erkenne deinen eigenen Anteil an Beziehungsproblemen

Jeder Mensch trägt ein Päckchen mit sich. Viele Partnerschaftskonflikte entzünden sich an unseren Altlasten, während wir glauben, der andere trage die alleinige Schuld. Finde heraus, welche in der Kindheit erfahrenen Verletzungen zu aktuellen Schwierigkeiten führen: In welchen Situationen verwechselst du deinen Partner mit einem Elternteil? Wann wirst du von kindlichen Ohnmachtsgefühlen überschwemmt und kannst nicht mehr erwachsen reagieren? Welche Konflikte wiederholen sich in deinen Leben immer wieder? Solange du deine alten Themen unbewusst mit deinem Partner durchmachst, seid ihr beide Gefangene der Vergangenheit. Je besser du aber deine eigenen Muster erkennst, desto eher kannst du ihnen entgegensteuern und sie schließlich sogar auflösen.

8. Übernimm die Verantwortung

Überleg nicht, was dein Partner tun könnte, damit es besser läuft, sondern fang selbst an, ein besserer Partner zu sein. Finde heraus, wie du deinem Partner eine Freude machen kannst und wie er (oder sie) sich geliebt und gesehen fühlt. Vermittle deine Liebe. Wir neigen dazu, die wichtigsten Menschen in unserem Leben für selbstverständlich zu halten. Oft verlieren wir im Laufe einer Beziehung unsere rosarote Brille und kritisieren unseren Partner eher, als ihn zu loben. Dabei braucht es fünfmal mehr Lob als Kritik, um ein angenehmes Beziehungsklima zu schaffen.

9. Vergleich dich nicht mit anderen

Die besten Freunde haben mehr Spaß miteinander, die Nachbarn mehr Sex, die Kollegen weniger Geldsorgen? Hör auf, dich, deinen Partner und deine Beziehung mit anderen zu vergleichen. Von außen sehen die Dinge oft anders aus, als sie sich von innen anfühlen. Und genau darauf kommt es an: Wie du dich in deiner Beziehung fühlst. Wie dein Partner sich fühlt. Jede Beziehung ist ein kreativer Akt zwischen zwei Menschen. Jedes Paar tanzt einen ganz speziellen Tanz miteinander und tariert Nähe- und Distanzbedürfnisse aus, findet sein Gleichgewicht und seinen Rhythmus. Egal, was andere dazu sagen oder denken.

10. Deine Beziehung ist das, was du daraus machst

Jeden Tag. Nicht die Höhe- und die Tiefpunkte machen eine Liebesbeziehung aus, sondern vor allem die Zeit dazwischen. Es gibt Phasen, wie beispielsweise die Familiengründung oder während beruflicher Umbrüche, in denen du nicht die Erfüllung aus deiner Beziehung ziehen kannst, die du gern hättest. Bleib gelassen und achtsam zugleich. Schaffe Oasen, in denen du dich mit deinem Partner begegnen kannst. Überrasch deinen Partner von Zeit zu Zeit. Pfleg deine Beziehung wie einen Garten – jeden Tag ein bisschen. Säe, ernte, beobachte, vertraue, genieße, mach Liebe.

Text: Sandra Konrad
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

teaser_3