VG-Wort Pixel

Paartherapeutin erklärt 3 Gründe, deine Beziehungsziele sofort aufzugeben

Beziehungsziele: Ein Paar im Urlaub
© k.siangwong / Shutterstock
Na, welche Ziele hast du dir für deine Partnerschaft gesteckt? Wenn es nach der Paartherapeutin Kira Asatryan geht, kannst du sie jedenfalls gleich wieder fallenlassen – und ihre Argumente sind durchaus überzeugend ...

Ob im Job, in Bezug auf unsere Fitness und Gesundheit oder in der Partnerschaft, bei nahezu allem, was wir tun, stecken wir uns irgendwelche Ziele. Schließlich geben sie uns eine Richtung vor und die nötige Motivation, uns auch mal etwas anzustrengen.

In Beziehungen haben wir jeeeede Menge "Couple Goals" zur Auswahl: Besser und mehr miteinander kommunizieren, öfter gemeinsam lachen, bloß daran arbeiten, dass die Partnerschaft so leidenschaftlich bleibt wie am Anfang, ein Team bilden und an einem Strang ziehen, beste Freunde füreinander sein, "instagramable" leben und fehlt noch etwas? Garantiert! Die Liste von Beziehungszielen, die uns das ultimative Liebesglück schenken – wenn wir sie denn erreichen – ist eine never ending story.

Laut der Paartherapeutin und Autorin Kira Asatryan ("The Art of Closeness") sollten wir sie jedoch allesamt über Bord werfen. Denn Beziehungsziele, so schreibt sie in "Psychologytoday", führen uns in Wahrheit nirgendwo hin. Und die Gründe, die sie für ihren Rat nennt, erscheinen mindestens nachdenkenswert.

3 Gründe, deine Beziehungsziele sofort aufzugeben

1. Das Analyse-Paralyse-Problem

Wie bereits festgestellt: Beziehungsziele gibt es wahnsinnig viele. Und fast jedes Paar hat auch tatsächlich mehrere Baustellen oder zumindest Optimierungsbedarf in unterschiedlichen Bereichen. Das verleite der Expertin zufolge die meisten dazu, alles gleichzeitig beackern zu wollen, sich vor lauter Zielen und guten Vorsätzen zu verlieren und sich dann irgendwann so überfordert zu fühlen, dass sie letztendlich gelähmt sind und gar nicht mehr vorankommen. "Dieses Phänomen wird oft 'Analyse-Paralyse' genannt, ich nenne es 'Zielmüdigkeit' und es ist definitiv keine positive Erfahrung, die du gerne mit deiner Beziehung verbinden möchtest", so die Therapeutin.

Heißt also: Wenn wir in unserer Beziehung etwas ändern wollen, nehmen wir uns am besten nur eine Sache zur Zeit vor. 

2. Beziehungsziele oft viel zu vage

Die meisten Vorsätze, die wir uns fassen, um unsere Partnerschaft zu verbessern, sind laut Kira zu vage und abstrakt. So etwas wie Bindung stärken oder Vertrauen lernen oder auch besser kommunizieren. Nichts davon ist messbar oder klar definiert, nie gibt es einen festen Ankunftspunkt, an dem wir unser Ziel für erreicht erklären und es abhaken könnten. Zum Teil führt diese Unklarheit auch zu Widersprüchen und Verwirrung: Heißt besser kommunizieren zum Beispiel ehrlich sein oder freundlich bleiben? In einem Streit kann sich beides gegenseitig ausschließen und so ließe uns dieses Ziel eher orientierungslos, als dass es eine Richtung vorgäbe. 

Heißt also: Wenn wir uns in unserer Beziehung etwas vornehmen, sollte es konkret und messbar sein. Zum Beispiel "einmal am Tag reden mein Partner und ich darüber, wie wir uns fühlen".

3. Wann sind wir endlich daaaa?

Das letzte und wohl größte Problem an Beziehungszielen ist laut der Therapeutin, dass wir sie nie wirklich bzw. objektiv erreichen können. Im Gegensatz zu beruflichen Zielen, die am Ende des Monats im Falle des Erfolgs mit einer Gutschrift auf unserem Konto honoriert werden, gibt uns in einer Partnerschaft niemand eine Belohnung, wenn wir, statt unserem Schatz beleidigt die kalte Schulter zu zeigen, ihm erklären, warum wir gerade sauer sind. "Beziehungsziele sind unerreichbar, denn die Art der Belohnung, die damit einhergeht, ist nicht quantifizierbar, nicht terminierbar und nicht messbar", so Kira, "um etwas ein Ziel zu nennen, muss es einen Endpunkt geben, an dem das Ziel erreicht ist. Beziehungen sind allerdings dynamische Prozesse, die niemals enden (außer bei einer Trennung)."

Heißt also: Wenn wir uns ein Beziehungsziel setzen, sollten wir selbst einen Endpunkt definieren, an dem wir uns selbst belohnen, sobald wir ihn erreicht haben. Zum Beispiel, nachdem wir einen Monat lang jeden Tag mit unserem Schatz über unsere Gefühle gesprochen haben, fahren wir zusammen ein Wochenende nach Florenz.

Ooooder wir werfen unsere Beziehungsziele, statt sie zu konkretisieren und anzupassen, wirklich einfach komplett über den Haufen und probieren's mal mit dem Rat, den die Paartherapeutin uns zum Abschluss mit auf den Weg gibt: Das konfliktreiche, oft anstrengende Hin und Her einer Beziehung wertschätzen und lieben lernen – als Balanceakt, der hoffentlich niemals zu Ende geht.

sus

Mehr zum Thema