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Blame-shifting So erkennst du es

Blame-shifting: Paar umarmt sich
© lissa93 / Shutterstock
In deiner Beziehung wird dir immer für alles die Schuld gegeben? Dann ist dein Gegenüber vermutlich ein talentierter Blame-Shifter. Wie du das erkennst, erfährst du hier.

Missgeschicke passieren jeder Person einmal, das ist Teil des menschlichen Handelns. Natürlich gibt es Angenehmeres, als sich einen Fehler einzugestehen. Doch Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und sich für diese Taten zu entschuldigen, ist äußerst wichtig: Es stärkt unsere Persönlichkeit – aus Fehlern können wir lernen. Blame-Shifter verfolgen jedoch einen gegenteiligen Ansatz. Sie suchen das Problem stets bei anderen Menschen. Vor allem für eine Beziehung ist ein solches Verhalten besonders toxisch. 

Das steckt hinter Blame-shifting

Blame-shifting bedeutet auf Deutsch Schuldverschiebung. Einem Blame-Shifter fehlt es häufig an emotionaler Reife, weshalb er keine Verantwortung für seine Worte oder Taten übernehmen kann und stattdessen defensiv reagiert. Diese Person macht sich grundsätzlich selbst zum Opfer und projiziert ihre Schuld auf andere.

Blame-Shifter sind oft Menschen mit narzisstischen Zügen. Sie können ihre Fehler nicht zugeben, weil sie sich ihre eigene Unvollkommenheit nicht eingestehen wollen. Daher fungiert die Schuldverschiebung als Abwehrmechanismus. Das Resultat ist ein höchst manipulatives Verhalten, was dem*der Partner*in des Blame-Shifters enorm zusetzt. Sie reden dir ein, dass dieses oder jenes nicht passiert wäre, wenn du es nicht provoziert hättest. So lenkt der narzisstische Mensch von seinen eigenen Unzulänglichkeiten ab. Und wenn du ihm glaubst, ist es für ihn außerdem eine schöne Bestätigung, immer Recht zu haben und seine Überlegenheit zu zeigen.

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Blame-shifting: Drei häufige Szenarien

Besonders in einer Beziehung gibt es typische Verhaltensweisen beziehungsweise Taktiken, die ein Blame-Shifter an den Tag legt. Wenn eine Meinungsverschiedenheit oder ein Streit einen dieser Verläufe nimmt, dann weißt du, dass du es mit einem Blame-Shifter zu tun hast:

  1. Du sagst deinem Gegenüber, dass du wütend auf ihn bist. Das verletzt dessen Gefühle (anscheinend) derart, dass du ihn schließlich tröstest, anstatt dass ihr euch um das eigentliche Problem kümmert.
  2. Du teilst deinem*r Partner*in mit, dass du verärgert bist, doch er*sie lenkt den Fokus auf die Art und Weise, wie du ihn*sie konfrontiert hast, damit das eigentliche Problem in den Hintergrund rückt. 
  3. Wenn du dich über dein Gegenüber aufregst, geht er auf etwas ein, das du getan hast, und sagt, dass du ihm eine Entschuldigung schuldest. Dabei muss das, was du angeblich oder tatsächlich falsch gemacht hast, nichts mit der aktuellen Auseinandersetzung zu tun haben.

Dies sind alles effektive Wege, um jedes konstruktive oder heilende Gespräch zu entgleisen. Dadurch ist eine vernünftige Kommunikation nicht möglich, die jedoch Teil einer gesunden Beziehung sein sollte. Menschen, die mit den verletzten Gefühlen ihres Gegenübers nicht umgehen oder sie gar nicht tolerieren können, sind keine liebevollen Partner*innen. Blame-shifting ist ein zerstörerisches Verhalten und kein Weg, der in einer Beziehung Lösungen bietet.

Unglückliches Paar

Blame-shifting – was tun?

Wenn du erkennst, dass du in deiner Beziehung Blame-shifting ausgesetzt bist, solltest du es dir nicht gefallen lassen. Denn es kann deinem Selbstwertgefühl und deiner Psyche schaden, wenn du die Schuldverschiebung verinnerlichst: Du machst du dir ständig Vorwürfe, bist dir sicher, dass alles, was in deinem Leben schief läuft, deine eigene Schuld ist. Du fühlst dich machtlos und könntest sogar Angst davor entwickeln, Entscheidungen zu treffen. Schließlich könnte auch diese aus Sicht deines Gegenübers wieder einmal ein "Fehler" sein.

Doch wie gehe ich mit Blame-shifting um? Damit sich die Schuldverschiebung in deiner Beziehung nicht festsetzt und im schlimmsten Fall für Misstrauen und Groll sorgt, kannst du dein Gegenüber auf das Verhalten ansprechen. Ist er*sie sich dessen überhaupt bewusst? Wenn dies nicht der Fall ist, besteht die Chance, dass er*sie die Verhaltensweise ändern möchte.

Schuldverschiebung: Nicht einfach nachgeben

Versuche außerdem während eines Streits das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema zurückzubringen. Zum Beispiel: "Ich bin gerne bereit, über die Art und Weise zu diskutieren, wie ich das Thema angesprochen habe, aber zuerst müssen wir über dein Verhalten sprechen." Hilf deinem Gegenüber dabei, seine Rolle in der Situation zu erkennen, indem du klare, nicht bedrohliche Beobachtungen über das Geschehene machst. Sobald ein Blame-Shifter merkt, dass du den Köder nicht schluckst und mit Emotionen noch mehr Öl ins Feuer gießt, wird er aufhören, seine eigenen schlechten Gefühle auf dich zu projizieren.

Wenn dein*e Partner*in deine Versuche immer wieder blockiert und darauf beharrt, dass du schuldig bist, ist es womöglich an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – oder die Beziehung zu überdenken. Denn so ein Verhalten sorgt dafür, dass Probleme niemals gelöst werden. 

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, psychcentral.com, athomestead.net, bonobology.com


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