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Clubhouse-Prinzip Ist DAS der beste Weg, die wahre Liebe zu finden?

Clubhouse-Prinzip: Ein verliebtes Paar
© Pressmaster / Shutterstock
Die Social-App Clubhouse bietet jede Menge Diskussionsstoff und scheidet teilweise ziemlich die Geister. Was uns daran an dieser Stelle interessiert: Könnte das Clubhouse-Prinzip womöglich der Königsweg auf der Suche nach der wahren Liebe sein?

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Clubhouse ist eine Social-App, über die man sich austauschen und vernetzen kann – und zwar nur indem man sich hört. Keine Profilbilder, keine Foto- oder Video-Uploads, es wird zur Abwechslung miteinander gesprochen und zugehört. Spannend genug! Diskutiert wurde über Clubhouse anfangs vor allem deshalb, weil es zunächst nur eine Version fürs iPhone gibt und nicht für Android und weil man von jemandem eingeladen werden muss, um die App zu benutzen. Diskussionswürdig, gar keine Frage!

Was uns an dieser Stelle jedoch interessiert, ist das Potenzial, das im Clubhouse-Konzept steckt, und zwar das Potenzial, neue Bekanntschaften zu machen – und sich womöglich sogar in einen Menschen zu verlieben, ohne ihn je gesehen zu haben. Bietet das Clubhouse-Prinzip vielleicht die Chance, eine Person für ihren Charakter und ihre inneren Werte kennen, schätzen und lieben zu lernen, ohne sich von Äußerlichkeiten ablenken und manipulieren zu lassen? Oder fehlt etwas Entscheidendes, wenn wir einen Menschen beim Kennenlernen nicht sehen? Spielen wir es doch einfach mal durch ...

Der erste Eindruck im Clubhouse-Prinzip: Weniger Informationen, mehr emotionale Offenheit

Schon unser erster Eindruck von einer Person wird ein völlig anderer sein, wenn wir lediglich ihre Stimme hören und wahrnehmen, was sie sagt. All die Informationen, die unseren ersten Eindruck beim Face-to-Face-Kennenlernen in hohem Maße prägen – Mimik, Stil, Geruch, optische Attraktivität – fehlen bei einer Annäherung nach dem Clubhouse-Prinzip. Dadurch würden wir wahrscheinlich einerseits weniger schnell bzw. endgültig ein emotionales Urteil über die Person fällen, andererseits sicherlich mehr Gewicht auf die wenigen Informationen legen, die uns zur Verfügung stehen: Stimme, Sprechweise, Inhalt der Worte.

Daraus wiederum würde folgen, dass wir Menschen eine fairere Chance gäben, deren Erscheinungsbild und Auftreten uns auf den ersten Eindruck unter Umständen Unbehagen vermitteln oder schlicht und ergreifend abschrecken würde. Im Gegenzug hätte es eventuell jemand bei uns sehr viel schwerer, der uns in einer Face-to-Face-Situation vielleicht mit seinem Lächeln verzaubern würde oder den wir einfach verdammt heiß fänden. In jedem Fall könnten wir uns sehr viel unvoreingenommener und unbefangener aufs Kennenlernen einlassen, als wenn wir all die Informationen für unseren ersten Eindruck hätten, die eine Begegnung unweigerlich mit sich bringt. In diesem Punkt hat das Clubhouse-Prinzip durchaus seinen Charme ...

Kennenlernen nach dem Clubhouse-Prinzip: Weniger Ablenkung, mehr Klarheit

Beim weiteren Verlauf eines Kennenlernens nach dem Clubhouse-Prinzip ist zu vermuten, dass wir weitaus aufmerksamer sein dürften für das, was wir miteinander teilen und uns erzählen, als in anderen Dating-Situationen. Schließlich wären wir weder vom Aussehen unseres Gegenübers abgelenkt, noch müssten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir optisch auf den anderen wirken und ob wir vielleicht Spinat zwischen den Zähnen haben. Wir könnten uns voll und ganz auf Inhaltliches konzentrieren und würden sicherlich sehr schnell herausfinden, ob wir auf einer Wellenlänge liegen, uns gut miteinander unterhalten können, zusammen lachen, Gemeinsamkeiten haben – oder uns schon nach fünf Minuten nichts mehr zu sagen haben oder alle paar Sätze missverstehen.

Kann man sich auf diese Weise in einen Menschen verlieben? Wahrscheinlich schon. Kann man Gefühle entwickeln? Ganz bestimmt. Doch damit aus einer Clubhouse-Bekanntschaft eine Beziehung entstehen kann, müssten wir uns früher oder später treffen – und auch das würde sicherlich anders ablaufen als unter normalen Umständen.

Vom Clubhouse in die Realität: Das kann passieren

Ins erste Treffen mit unserer Clubhouse-Bekanntschaft gingen wir vermutlich nicht voreingenommen, sondern mit einem halbwegs klaren Bild im Kopf. Wir werden eine grobe Vorstellung von der Person haben, die nun womöglich enttäuscht wird – oder übertroffen. Auf einmal bekommen wir all die Informationen, die uns die ganze Zeit fehlten: Finden wir den Menschen attraktiv? Können wir ihn "gut riechen"? Passt er optisch zu uns oder in unser Beuteschema? Diese neuen Informationen können unsere bisher aufgebauten Gefühle entweder ins Wanken bringen oder bestätigen – doch wahrscheinlich kaum mit einem Schlag auslöschen. Insofern wird es nach dem Clubhouse-Prinzip sicherlich schwerer, jemanden loszulassen, mit dem körperlich definitiv nichts laufen kann – eine emotionale Belastung, vor die uns der erste Eindruck beim Kennenlernen auf dem herkömmlichen Weg grundsätzlich schützt.

Daten nach dem Clubhouse-Prinzip: Machen oder lassen?

Beim Clubhouse-Dating, also dem Kennenlernen, ohne einander zu sehen, besteht definitiv das Potenzial, die ganz große Liebe finden und sich in einen Menschen zu verlieben, mit dem uns weitaus mehr verbindet als unser Beuteschema oder körperliche und sexuelle Anziehungskraft! Allerdings birgt diese Dating-Variante auch das Risiko, sich emotional auf etwas einzulassen, das am Ende doch nicht funktionieren kann – und das bedeutet nicht nur eine Enttäuschung, sondern echten Schmerz. Trotzdem scheint unterm Strich Dating nach dem Clubhouse-Prinzip ein spannendes Format und lohnendes Experiment zu sein, insbesondere für alle, die von der gewohnten Partnersuche genervt sind und sie als oberflächlich empfinden. Schließlich gehen wir, wenn wir uns verlieben, immer das Risiko ein, verletzt und enttäuscht zu werden, ganz egal auf welchem Weg wir es tun. Und dass es das auf jeden Fall wert ist, darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren.

sus Brigitte

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