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Co-Abhängigkeit in der Beziehung An diesen 10 Anzeichen erkennst du die Sucht nach Liebe

Co-Abhängigkeit in der Beziehung: Mann umarmt Frau von hinten
© Maksym Fesenko / Shutterstock
Die Co-Abhängigkeit in der Beziehung ist weit verbreitet. Was sie genau ist, was sie auslöst und wie sich daraus gelöst werden kann, erfährst du hier.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Co-Abhängigkeit?

Der Begriff Co-Abhängigkeit beschreibt eine Abhängigkeit von einer Person, meist eines geliebten Menschen. Im Laufe der Zeit haben sich zwei Arten von Co-Abhängigkeiten entwickelt: Die Co-Abhängigkeit in der Beziehung und die Co-Abhängigkeit bei Suchterkrankungen. Wir möchten dir beide Formen einmal erklären:

Co-Abhängigkeit in der Beziehung

Besteht eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung, ist eine Person süchtig nach Liebe und Bestätigung. Die Person kann ohne seine:n Partner:in nicht leben und möchte ihn oder sie unter keinen Umständen verlieren. Co-Abhängige-Menschen in einer Beziehung befassen sich fast ausschließlich mit den Gedanken und Taten der anderen Person und versuchen, diese zum eigenen Vorteil zu kontrollieren und zu manipulieren. Der Bezug zu den eigenen Gefühlen geht dabei vollkommen verloren. Alles dreht sich darum, der Person zu gefallen und sich für sie aufzuopfern. Dieses Ungleichgewicht sorgt dafür, dass sie ihr eigenes Leben hinten anstellen. Dieses Verhalten wird überwiegend durch ein fehlendes Selbstwertgefühl hervorgerufen.

Co-Abhängigkeit bei Suchterkrankungen

Entgegen allen Erwartungen begibt sich nicht die süchtige Person in eine Co-Abhängigkeit, sondern ein anderer, nahestehender Mensch. Diese Co-Abhängigen supporten die Sucht eines Menschen, händigen beispielsweise Geld für Alkohol aus, kaufen ihn für Betroffene oder melden die Person bei der Arbeit krank. Sie rutschen meist unbewusst in die Rolle der Co-Abhängigen und meinen es anfangs nur gut. Gleichzeitig spielen sie das Problem herunter und beschützen die Person. Doch mit diesem Verhalten fördern sie die Abhängigkeit. Nach einiger Zeit dreht sich alles nur noch um die erkrankte Person, die eigenen Bedürfnisse werden vernachlässigt und im Lebensmittelpunkt steht die Sucht. In den meisten Fällen können solche Co-Abhängigkeiten erst gelöst werden, wenn sich die Person eingesteht, dem oder der Erkrankten nicht helfen zu können.

Weitere Beispiele einer Co-Abhängigkeit bei Suchterkrankungen:

  • Eltern nehmen Kredite auf, um die Schulden ihrer spielsüchtigen Kinder zu bezahlen
  • Partner:innen denken sich Lügen aus, um das Fehlen einer alkoholabhängigen Person auf der Arbeit zu entschuldigen
  • Kinder von tablettensüchtigen Eltern übernehmen den Haushalt und die Fürsorge von Geschwistern
  • BRIGITTE-Leserin Julia berichtete hier über die Co-Abhängigkeit zu ihrem drogensüchtigen Partner: Co-Abhängigkeit: Wie ich es geschafft habe, meinen suchtkranken Partner zu verlassen

Wie entsteht eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung?

Eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung kann viele Ursachen haben. Möglicherweise haben Co-Abhängige nicht gelernt, sich selbst zu lieben. Vielleicht haben sie in jungen Jahren die Erfahrung gemacht, nur dann geliebt zu werden, wenn sie alles von sich geben. Oder haben Ablehnung erfahren, wenn sie ihren eigenen Bedürfnissen gefolgt sind. Situationen aus der Kindheit oder den ersten Beziehungen im Jugend- und Jungen-Erwachsenen-Alter können unsere Gefühlsmuster prägen.

Wann wird Co-Abhängigkeit in der Beziehung gefährlich?

Gefahr besteht, wenn Partner:innen von Co-Abhängigen diese Hörigkeit ausnutzen. Dies kann bei narzisstischen und gewalttätigen Persönlichkeiten oder Menschen mit der Borderline-Erkrankung der Fall sein. Missbrauchsbeziehungen, bei denen die abhängige Person nicht die Kraft findet, sich aus dieser Liebessucht zu lösen, erleiden nicht selten psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Herzrasen und Panikattacken – bis hin zu Depressionen.

Bin ich co-abhängig?

Ein geringes Maß an Co-Abhängigkeit in der Beziehung ist normal, denn niemand möchte von einem geliebten Menschen verlassen werden. Besonders nicht, wenn eine innige Verbundenheit besteht.

Mit den folgenden Fragen kannst du herausfinden, ob du unter einer ungesunden Co-Abhängigkeit leidest:

  1. Bist du in Gedanken fast ausschließlich bei deinem oder deiner Partner:in?
  2. Übernimmst du Aufgaben, die eigentlich der andere erledigen sollte?
  3. Trifft dich Kritik an deiner Person zutiefst?
  4. Hast du außerhalb deiner Partnerschaft keine sozialen Kontakte?
  5. Hast du sehr große Angst vor einer Trennung?
  6. Kannst du dir ein Leben ohne die andere Person nicht vorstellen?
  7. Wirst du von anderen für deine große Liebe und Hingabe gelobt?
  8. Misstraust du ihm oder ihr?
  9. Wünschst du dir manchmal, er oder sie möge einfach verschwinden?
  10. Fühlst du dich in der Partnerschaft gefangen?

Diese Fragen folgen keinem wissenschaftlichen Test. Wenn du jedoch mehr als vier bis fünf Fragen mit „ja“ beantwortet hast, solltest du deine Beziehung achtsam durchleuchten. Sie ist womöglich unausgewogen und könnte sich in die Richtung einer Co-Abhängigkeit entwickeln. Wenn dieses Ergebnis überraschend für dich kommt oder du dir unsicher über deine Lage bist, frage Freund:innen, die euch beide kennen, ob sie Probleme erkennen. Sie können objektiver auf Schwingungen in deiner Beziehung blicken als du.

So kannst du dich aus einer Co-Abhängigkeit in der Beziehung befreien

Du bist nicht nur dann liebenswert, wenn du dich vollkommen zurücknimmst. Du bist ein liebenswerter Mensch, der kompromisslos geliebt werden sollte. Auch du darfst das große Glück der Liebe erfahren, die an keine einschränkende Bedingung geknüpft ist. Du solltest in einer Partnerschaft du selbst sein können, mit all deinen vermeidlichen Fehlern, Talenten und Charakterzügen. Verstelle dich nicht. Du musst auch niemanden retten, um dich gebraucht zu fühlen. Lasse dich nicht ausnutzen, toleriere keine Übergriffe und verstelle dich nicht für eine Beziehung.

Wir haben einen 4-Schritte-Plan, mit dem du dich aus einer Co-Abhängigkeit lösen kannst:

  1. Erkenntnis: Erkennst du, dass du in einer Co-Abhängigkeit lebst? Damit ist der erste und größte Schritt bereits getan. Sei stolz auf dich. Die Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt, ist der Weg zur Heilung. Es erfordert zudem eine ganze Menge Mut, sich einzugestehen, süchtig zu sein. Süchtig nach einer Beziehung.
  2. Austausch: Suche dir Unterstützung bei Freund:innen, deiner Familie oder Ärzt:innen. Auch eine Selbsthilfegruppe kann hilfreich für dich sein. Finde jemanden, mit dem du reden kannst. So befreist du dich aus der Opferrolle und machst dich für dich stark.
  3. Verhaltensmuster überdenken: Beobachte dich im Alltag. Was tust du für deine bessere Hälfte, was tust du für dich? Werde dir selbst nach und nach deine oberste Priorität. Erobere dein Selbstbewusstsein, dein Selbstwertgefühl und deine Lebensfreude zurück. In dieser Phase kannst du auch über eine mögliche Trennung nachdenken. Besonders, wenn deine Opferbereitschaft ausgenutzt wurde.
  4. Aufarbeitung: Konntest du die Abhängigkeitsbeziehung beenden oder dich von ihr lösen, folgt der letzte und wichtigste Schritt: die Aufarbeitung. Warum bist du in eine Co-Abhängigkeit verfallen? Was liegt ihr zugrunde? Eine Beziehungssucht kann in einer Therapie durchleuchtet werden. Dieser Weg wird nicht einfach, doch du lernst unterwegs viel über dich, deine Verhaltensweisen und woher sie rühren.

Hilfe bei Co-Abhängigkeit mit Gewalt

Nutzt der Partner oder deine Partnerin deine Co-Abhängigkeit aus und wird die Beziehung körperlich, emotional und psychisch gewalttätig, solltest du unbedingt zu deinem eigenen Schutz Hilfe in Anspruch nehmen und Gewalttaten niemals vertuschen. Verletzung ist keine Form der Liebe und in einer Co-Abhängigkeit besonders gefährlich. Vertraue dich deinem Umfeld oder Angehörigen, am besten einem Freund oder einer Freundin an, und bitte sie oder ihn um Hilfe. Wenn du ihnen deine Situation schilderst, werden sie den Ernst der Sucht verstehen und dich unterstützen, diese toxische Liebe zu überwinden.  Habe keine Angst vor Schuldgefühlen oder deine:n Partner:in zu verraten. Die Verantwortung für ein gewalttätiges Handeln liegt nicht bei dir. Wenn du dich in einer solchen Situation befindest, wünschen wir dir viel Kraft. Du schaffst es, dich zu lösen.

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Verwendete Quellen: bzga.de, beziehungszentrum.de

Brigitte

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