Corinnas Ehewahrheit: "Ich müsste ihn hassen"

Er belügt sie, betrügt sie, schlägt sie. Er redet ihr ein, es sei ihre Schuld. Corinna glaubt es, 13 Jahre lang. Vor sechs Jahren ist sie gegangen - und kann ihn doch nicht hassen.

Ich war 13 Jahre mit einem Mann verheiratet, den ich wohl nie geliebt habe, habe aber nie wirklich darüber nachgedacht: Es war eben so. Heute denke ich mir, ich hätte ihn niemals heiraten dürfen, weil er seine Ausraster auch schon vor der Ehe zeigte. Aber irgendwie hab' ich wohl gedacht: "Das wird schon alles!"

Nix wurde - er war extrem eifersüchtig, was dazu führte, dass ich irgendwann keine Freunde mehr hatte. Auch hatte ich keine Lust mehr, mit ihm auf irgendwelche Feste zu gehen, aus Angst, ich könnte mich für seinen Geschmack zu lange mit jemandem unterhalten und hätte dann zu Hause wieder die Hölle auf Erden. Denn gerade wenn er Alkohol getrunken hatte, rastete er gern aus. Das führte einmal soweit, dass er meinen Kopf in eine Scheibe schlug und ich noch heute eine unschöne Narbe an der Schläfe habe. Statt ihn anzuzeigen, deckte ich aus eigener Scham diese Tat und sagte, ich sei ausgerutscht!

Er redete mir nach solchen Attacken immer ein, ich sei doch selber schuld. Hätte ich dieses und jenes nicht getan oder gesagt, wäre es ja gar nicht soweit gekommen. Das Schlimme: Wenn man keine Freunde mehr hat und niemanden, mit dem man darüber reden kann - man glaubt es!

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Er redete mir ein, ich sei fett und hässlich

Genauso redete er mir immer ein, ich sei fett und hässlich und mich würde sowieso nie wieder ein anderer Mann nehmen. Wenn man solche Dinge zehn Jahre lang hört, glaubt man auch dies. Heute nicht mehr nachzuvollziehen für mich, denn heute weiß ich, dass ich eine hübsche und erotische Frau bin. Er wollte mir nur Angst machen und mich halten.

Er hat mich all die Jahre belogen, betrogen und sogar geschlagen - und nicht einmal halt gemacht, wenn die Kinder zuguckten. Ich wollte weg, wusste aber nicht wie.

Mein Entschluss: Ich gehe

Irgendwann fing ich wieder an zu arbeiten und merkte, dass es bei anderen Leuten ganz anders lief als bei uns. Er hatte dann mal wieder eine Freundin und ich merkte, dass es mir überhaupt nichts ausmachte. Ich dachte mir: "Du bist erst 33. Willst du dein Leben an der Seite eines Mannes verbringen, der dir nichts mehr bedeutet? Nein! Alles ist besser als das hier. Auch nicht wegen Haus, Kindern, Auto! Und schon gar nicht wegen der Leute!" Ab da stand mein Entschluss fest: Ich gehe.

Ich habe es dann so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt, denn das musste ich auch - wer weiß, was sonst noch passiert wäre. Er hat mir oft gedroht, er bringt sich oder mich um. Ich habe schon viele Dinge bereut in meinem Leben, aber noch nie, dass ich meine Ehe beendet habe, denn glücklich war ich nie.

Ich müsste ihn hassen, aber ich verachte ihn nur

Auch wenn es ein sehr steiniger Weg war und immer noch ist, auch wenn es schon sechs Jahre her ist - diese Jahre haben mich geprägt. Ich habe noch heute Probleme mit Komplimenten oder Nähe zuzulassen. Aber eines werde ich mein ganzes Leben nie wieder tun: mich von einem Mann abhängig machen. Wenn ich mit jemandem zusammen bin, dann weil ich es will, nicht weil ich es muss! Und ohne Achtung und Respekt läuft gar nichts.

Mittlerweile verstehe ich mich (wohl wegen der Kinder, die sollten so wenig wie möglich darunter leiden) wieder einigermaßen gut mit meinem Ex-Mann. Schließlich gehören zu allem zwei, und ich habe mir viel zu lange zu viel gefallen lassen. Ich müsste ihn hassen für das, was er mir angetan hat, aber ich verachte ihn nur. Eigentlich ist er ein armer Wurm.

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