Der Liebesschwindler: Das sagt die Anwältin

Fünfzehn Frauen sind es im Moment, sie wissen voneinander. Frauen, die Jens H.* im Internet angeflirtet und finanziell ausgenommen hat. Inzwischen haben sie Anzeige erstattet. Aber wie geht es jetzt weiter? Wir sprachen mit der Anwältin Cristina Koenig, die eine der betroffenen Frauen juristisch vertritt.

Anwältin Christina Koenig

BRIGITTE: Wie kann das sein, dass sich Jens H. immer noch auf freiem Fuß befindet?

Cristina Koenig: Möglicherweise sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Es gibt Strafverfahren, da wird durchaus jahrelang ermittelt, bis es zur Anklageerhebung kommt.

BRIGITTE: Warum dauert das in diesem Fall so lang?

Koenig: Der Grund könnte ein erheblicher Ermittlungsaufwand aufgrund der Vielzahl von Taten sein, die Jens H. vorgeworfen werden. Mir ist bekannt, dass mehrere Staatsanwaltschaften in Deutschland Ermittlungsverfahren führen. In einem solchen Fall muss die Arbeit möglicherweise koordiniert werden. Häufig ist es auch so, dass zahlreiche Zeugen, gegebenenfalls auch mehrfach, vernommen werden müssen. Dies bedeutet auch einen hohen ermittlungstechnischen Aufwand. Problematisch ist natürlich auch, dass Jens H. regelmäßig und in kurzen Abständen seinen Aufenthaltsort wechselt. Aber Fakt ist: Das Netz wird immer enger. Der nächste Schritt wird sein, dass er daher zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben wird, möglicherweise beantragt die Staatsanwaltschaft bei Vorliegen eines Haftgrundes auch den Erlass eines Haftbefehls. Das heißt, er geht in den Fahndungscomputer. Und bei jeder normalen Verkehrskontrolle könnte ihm die Festnahme bevorstehen.

BRIGITTE: Aber die Chance ist ja nicht wirklich groß, ihn auf diesem Weg zu erwischen. Und das bei einem Mann, der Frauen massiv schädigt, finanziell und seelisch. Der sich neue Frauen sucht, weil er immer mehr unter Druck gerät und Geld und Unterschlupf benötigt. Ist der Staat da nicht in der Pflicht, schneller zu handeln?

Koenig: Ein Haftbefehl wird erlassen, wenn ein Haftgrund vorliegt, etwa Flucht- oder Wiederholungsgefahr. Jens H. wäre gut beraten, wenn er sich jetzt den Ermittlungsbehörden stellen würde. Denn eines steht fest: Über kurz oder lang würde er bei Vorliegen eines Haftbefehls festgenommen werden. Zivilrechtlich hat meine Mandantin einen Titel gegen ihn, es gibt derzeit allerdings ein Problem mit der Zwangsvollstreckung.

BRIGITTE: Ist es möglich, dass Jens H. sich aus der Affäre zieht, indem er sich eine psychische Störung attestieren lässt?

Koenig: Wenn bei ihm tatsächlich eine schwere psychische Störung vorliegt, kann es durchaus sein, dass ein Sachverständiger eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit feststellt. Und im Falle einer Verurteilung könnte dies im Strafmaß berücksichtigt werden.

Aber: Man muss klar trennen zwischen einer strafrechtlichen Verurteilung und einem zivilrechtlichen Verfahren. Strafrechtlich heißt: er wird bestraft für seine Taten. Zivilrechtlich geht es um die Kompensation - er muss das Geld zurückzahlen, das er den Frauen schuldet. Ich kann nur allen Frauen dringend raten, ihn anzuzeigen und auch die Forderung zivilrechtlich geltend zu machen. Dann haben sie einen Titel vorliegen, und selbst wenn die Vollstreckung im Fall von Jens H. im Moment erfolglos ist, weil er möglicherweise über kein Einkommen verfügt, bleibt der Anspruch bestehen. Die Zinsuhr tickt weiter und man kann regelmäßig überprüfen, ob es etwas zu pfänden gibt.

Hier lesen Sie die Geschichte des Liebesschwindlers

Interview: Verena Lugert
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