Die Gesetze der Liebe: Unterschiedliche Wünsche akzeptieren

Den Partner verändern zu wollen ist ein müßiges Unterfangen: Vielversprechender ist es zu lernen, unterschiedliche Wünsche zu akzeptieren. Und einzusehen, dass nicht jeder Konflikt aus dem Weg geräumt werden kann.

"Solange wir uns nur lieben, können wir alle Probleme lösen." So lautet ein Mythos, an den viele Partner unbewusst glauben. Unterschiedliche Bedürfnisse erscheinen anfangs unproblematisch, wie 'peanuts', die durch die Macht der Liebe leicht zu knacken sind.

Erst allmählich merken wir, dass der andere sich nicht - im Gegensatz zu uns selbst - nach vier Kindern sehnt, Sex vor Sonnenaufgang hasst und Ordnung nicht als menschliches Grundbedürfnis erlebt. Also machen wir uns daran, ihm beizubringen, wie es richtig geht, das Leben. Nämlich genau so, wie wir es uns vorstellen und sogar vorleben. Den Partner in unserem Sinne zu verändern ist das Lieblingsprojekt vieler Menschen. Und eines, das nie gelingt.

Wir beginnen zu kämpfen, uns zu streiten, nach einer Lösung zu ringen. Bis wir uns irgendwann so wund aneinander gescheuert haben, dass nur noch der blanke Hass regiert. Und wir anfangen, an unserer Liebe und uns selbst zu zweifeln. Und glauben, wir lieben einander nicht stark genug, sonst würden wir doch eine Lösung finden. Aber nicht unsere Liebe ist das Problem, sondern die Annahme, Liebe könne alle Konflikte lösen und helfen, Streit zu vermeiden. Das ist der große Irrtum. Auch in der Liebe ist nicht jeder Konflikt lösbar. Anstatt zu kämpfen, sollte man besser erst einmal feststellen, ob für den einen oder anderen Streitpunkt überhaupt eine Lösung möglich ist. Oder ob wir nicht zwei unvereinbare Standpunkte vertreten, die allenfalls einen Kompromiss, eine vorsichtige Annäherung erlauben.

Der amerikanische Partnerschaftsexperte John Gottman hat in seinen Untersuchungen nämlich festgestellt, dass rund 70 Prozent aller Probleme - also die meisten - in einer Partnerschaft unlösbare Probleme sind. Sie sind durch keinen noch so heftigen Streit und keine noch so ausdauernde Diskussion aus der Welt zu schaffen. Diese Probleme liegen in den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Partner begründet, den Charaktereigenschaften und dem einzigartigen Aufbau unserer Psyche, was wir alles nicht verändern können. Wir können uns selbst besser verstehen lernen und angemessener mit unseren 'Macken' umgehen. Aber wir können keinen anderen Menschen aus uns machen. Und schon gar nicht aus unserem Partner. Denn sobald wir versuchen, einen Partner zu ändern, fühlt er sich angegriffen und nicht akzeptiert.

Wenn wir aber anerkennen, dass es lösbare und unlösbare Probleme in einer Partnerschaft gibt, sind wir schon einen riesigen Schritt weiter. Denn jetzt akzeptieren wir, dass unser Partner anders ist. Und paradoxerweise werden die unlösbaren Konflikte dann manchmal sogar lösbar. Lösbar in dem Sinne, dass wir als Paar lernen können, mit ihnen zu leben. Und zu lebenswerten Kompromissen zu gelangen.

Eines müssen wir aber dazu lernen: zwischen lösbaren Problemen und unlösbaren Problemen, die beständig sind, zu unterscheiden.

Tipps: Wie lassen sich lösbare von unlösbaren Problemen unterscheiden? - Lösbare Probleme fühlen sich leichter an, man hat nicht gleich einen Kloß im Hals oder das Gefühl, einen Stein im Bauch zu haben. - Lösbare Probleme enthalten keine grundsätzlicheren oder tiefer gehenden, verdeckten Probleme. - Lösbare Probleme sind eher konkret und an bestimmte, überschaubare Situationen gebunden. - Im Streit geht es um reale Dinge und nicht um Persönlichkeitszüge. Also mehr um 'Ich komme immer unter Druck, weil du morgens einfach zu lange duschst und das Bad blockierst' und nicht um 'Du bist einfach zu egoistisch!'.

Übungen

- Legen Sie getrennt voneinander eine Liste mit jeweils zehn Problemen an, die in Ihrer Partnerschaft bestehen. Kleine und große Probleme, die Sie gern in Ihrer Beziehung gelöst hätten. - Bestimmen Sie dann gemeinsam, ob diese Probleme lösbar oder unlösbar sind. - Finden Sie in einem dritten Schritt Möglichkeiten, wie Sie befriedigender mit den unlösbaren Konflikten umgehen können.

Noch ein Tipp: Versuchen sie nicht, alle Konflikte auf einmal zu lösen!

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