Kann man nachträglich einen Ehevertrag aufsetzen? Das sagt die Expertin

Einen Ehevertrag aufsetzen, Jahre nach der Heirat – geht das? Familienrechtlerin und Scheidungsanwältin Ines Daun weiß Rat.

BRIGITTE.de-Userin Susanne (Name geändert) möchte wissen: 

"Es geht um die Frage, wie wir (seit 7 Jahren verheiratet) vorsorgen für den Fall einer (hoffentlich nie anstehenden) Scheidung. Wir haben ohne Ehevertrag geheiratet. Vor der Ehe habe ich ein Zweifamilienhaus geschenkt bekommen. Es wird noch aus den Mieteinnahmen abgezahlt, aber wir wohnen in der einen Haushälfte, ohne Miete zu zahlen. Das Erbe, das mein Mann (hoffentlich in ferner Zukunft) erwarten kann, würde uns jedoch (denke ich, im Rahmen der normalen Zugewinngemeinschaft) beiden zukommen. (...) 
Wohin gehen wir, wenn wir im Nachhinein einen Ehevertrag aufsetzen wollen bzw. um uns beraten zu lassen, wie wir unsere Eigentumsverhältnisse regeln wollen? Zu einem Notar, einem Anwalt für Familienrecht? (...)
Eigentlich würde ich ihm gerne als Geste die zweite Haushälfte als Sicherheit zukommen lassen, sollten wir uns scheiden lassen. (...)
Bin ich naiv, dass ich da überhaupt etwas dran drehen möchte und nicht einfach das gesamte, mir geschenkte Eigentum behalte? Oder sollte man das ganz teilen, jeder kriegt die Hälfte und muss den Anderen auszahlen?
Viele Grüße, Susanne (die ihren Mann sehr liebt und hofft, dass die Ehe lebenslang hält)"

Das rät die Scheidungsanwältin

Ines Daun, Jahrgang 1966, ist Fachanwältin für Familienrecht. 1995 gründete sie ihre eigene Kanzlei; seitdem hat sie allerlei Trennungen von Mandanten erlebt. Im Gespräch mit BRIGITTE.de erzählt sie von ihren Erfahrungen als Scheidungsanwältin – und gibt Frauen Rat in Sachen Partnerwahl.

Noch mehr Tipps und humorige Anekdoten verrät Ines Daun in ihrem Buch: "Lieber lange lieben", Eden Books, 16,95 Euro, ISBN: 978-3-95910-155-4. Sie ist übrigens zum zweiten Mal verheiratet.

Ines Daun, Fachanwältin für Familienrecht aus Nürnberg: 

"Einen Ehevertrag kann man vor der Trauung aufsetzen lassen – oder auch während der bestehenden Ehe. Grundsätzlich ist ein Ehevertrag notariell beurkundungspflichtig, so wie zum Beispiel auch ein Grundstückskaufvertrag. Als Anwältin sind Eheverträge tatsächlich eine meiner Haupttätigkeiten. Ich lege meinen Mandanten dafür die juristische Situation mit und ohne Ehevertrag dar – dann trifft die meistens der Schlag. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten sind den meisten nämlich nicht bewusst.
Dabei kommt es immer, wie auch hier, auf den konkreten Einzelfall an. Die Detailfragen müssten Sie mit einem Anwalt besprechen: Haben Sie ihr gespartes Geld in das Haus investiert? Haben Sie ein gemeinsames Darlehen bei der Bank? Wer bliebe nach der Scheidung im Haus, wer zieht aus? 
Der Worst Case wäre außerdem, wenn Sie arbeiten und somit in die Rentenkasse einzahlen, Ihr Mann aber selbstständig ist und deshalb nichts einzahlt. Im Zuge des Versorgungsausgleichs müssen Sie dann von Ihren beispielsweise 600 Euro monatlicher Rente noch 300 an Ihren Mann abtreten. All diese Dinge besprechen Sie mit Ihrem Anwalt, der dann einen Entwurf des Vertrags für Ihren Partner macht. Der muss einverstanden sein – das kann also etwas hin und her gehen. Dann muss der Entwurf zum Notar und erst, wenn alle Parteien sagen 'Das passt für uns', wird er vom Notar beglaubigt. Grundsätzlich kann man alles regeln – man sollte sich nur beraten lassen."

Weitere Infos  zum Thema haben wir hier für euch zusammengetragen: Die wichtigsten Fakten zum Ehevertrag.

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