Ehewahrheit: "Das Beste, was ich für uns tun konnte"

Petras Mann ist ein Egoist, untreu, lieblos, gleichgültig. Nach jahrelanger einsamer Ehe verlässt sie ihn - und heiratet ihren Trauzeugen.

Er war ein Egoist - und ich wusste es. Er wollte mich und ein Kind, die elterliche Firma brauchte einen Stammhalter. Er liebte schnelle Autos, fuhr zu Autorennen, war auf teuren Rennfahrerlehrgängen. Das Geld dafür sparte er am Haushaltsgeld ein. Zu Hause war er trotz des Sohnes meist nicht.

Auch Frauen waren interessant, nicht nur zum Anschauen. Er quartierte sie bei uns ein und verließ sich darauf, dass ich nichts bemerken würde. Ich wurde zur Alleinerziehenden mit einem untreuen Mann, der nur nach außen lebte, den Angeber spielte. Ich war allein, einsam. Wenig Geld, das Wissen um die anderen Frauen, und wenn ich mal was sagte, hieß es: "Da vorne ist die Tür, du kannst ja gehen."

Pünktlich um 12 wollte er sein Essen

Mit einem Kleinkind auf dem Arm denkt man ja immer, man kann den Mann, der einen angeblich liebt, nicht verlassen. Dem Kind nicht den Vater nehmen. Auch wenn er im Porsche am Spielplatz vorbeifährt und herauswinkt, aber nicht stehen bleibt, um eine Sandburg zu bauen. Sein Kind nie ins Bett bringt oder eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest.

Geld, ihn zu verlassen, hatte ich nicht. In meinem Ehevertrag stand, dass ich sogar auf den Versorgungsanspruch verzichten müsse. Mein Vormittagsjob brachte wenig ein. Ganztags konnte ich nicht arbeiten, denn mein Mann wollte pünktlich um zwölf sein Essen und dann aufs Polster, ausruhen. Kein Teller kam von ihm in die Küche.

Ich dachte, ich würde sterben

Wenn ich krank war, gab es nicht einmal ein Glas Wasser ans Bett. Als ich nach meiner Sterilisation nach dem zweiten Kind zuhause starke Blutungen bekam, ging er lieber mit seiner Mutter zum Martinsgans-Essen. Meine Schwester brachte mich gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus. Ich hatte Glück - ich dachte, ich würde sterben. Nach einer Woche durfte ich nach Hause.

Er sorgte für Freunde, die mich am Wochenende beschäftigen sollten, damit er seinen Hobbys nachgehen konnte. Zu unserem Trauzeugen, der ihn auf die unzumutbaren Umstände ansprach, sagte er: "Was will sie? Sie hat ein Haus, einen Garten mit Schwimmbad, zwei Kinder. Außerdem ist sie am Knie operiert, sie kann eh nicht laufen."

Zwei Jahre später bin ich gelaufen. An einem kalten Morgen brachte mich mein Mann an den Bahnhof: eine Woche Urlaub in Irland, den er für mich eingefädelt hatte - er brauchte freie Bahn. Morgens um 6 Uhr ließ er mich ganz allein stehen, wartete nicht, bis der Zug kam. In diesem Moment wusste ich: Ich lasse mich nie wieder irgendwo abstellen. Wenn ich aus Irland zurückkomme, verändere ich mein Leben.

Heute bin ich stolz

Heute bin ich seit elf Jahren glücklich verheiratet, mit unserem Trauzeugen. Ich bekomme Aufmerksamkeit und Liebe, er ist ein toller Vater zu den Kindern, die ihn innig lieben. Auch finanziell - ich kann durch meinen Halbtagsjob nicht so viel einbringen - hat er uns ohne zu Murren aufgefangen.

Heute bin ich stolz, ein partnerschaftliches und liebevolles Leben auch mit meinen Kinder führen zu können. Sie haben Kontakt zum Vater, aber nur wenn er sie vorzeigen will und wenn er Zeit hat. Mir tut es weh zu sehen, dass sein Egoismus auch vor den Kindern nicht halt macht. Er war entsetzt, dass ich ihn verlassen konnte, und erzählte allen, ich würde wieder kommen. Es war eine harte Zeit, aber es war das Beste, was ich für uns tun konnte.

Foto: dreamstime.com
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