Ehewahrheit: "Ich bin froh, dass ich fremdgegangen bin"

Als Iris 40 wird, gratuliert ihr Mann nicht einmal zum Geburtstag. Da wird ihr klar, wie sehr sie sich entfremdet haben. Dann trifft sie einen alten Bekannten wieder.

Ich bin seit 22 Jahren verheiratet. Die ersten Jahre waren einigermaßen okay. Ich habe mit 19 Jahren meinen Sohn geboren. Mein Mann hat 1987 angefangen, im Schichtdienst zu arbeiten. Als mein Sohn drei Jahre alt war, habe ich meine Tochter geboren. Ich habe mich die ganzen Jahre allein um meine Kinder gekümmert. Mein Mann hat nur gearbeitet, auch am Wochenende, oder hat geschlafen. Ich habe mich von ihm zurückgezogen. Habe nachts bei den Kindern geschlafen. Er hat nie was dazu gesagt. Nie Fragen gestellt, immer nur Vorwürfe.

Wir haben wegen jeder Kleinigkeit gestritten. Wir konnten und können nicht über unsere Probleme reden. Ich hab's schon so oft versucht, doch er meint, es wäre alles in Ordnung. Damals wie heute weiß ich, dass er es sich lieber selbst besorgt, als mit einer Frau zu schlafen.

Zum 40. Geburtstag hat er nicht einmal gratuliert

Bis zu meinem 40. Geburtstag war mir das irgendwie egal. Doch auf meinem Geburtstag merkte ich: Irgendetwas fehlt dir. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Kein liebes Wort, kein Happy Birthday, keine Blumen, nichts. Als wäre es ein ganz normaler Tag. Wieder versuchte ich, mit ihm zu reden. Fragte ihn, ob er glücklich mit seinen Wichsvorlagen sei. Er sagte: "Ja!" Ich sagte ihm: "Und was ist mit mir, ich habe auch Wünsche und Bedürfnisse!"

Er sah mich an, als wäre ich der letzte Dreck, als wäre ich verrückt geworden. Er meinte, ich hätte doch meine Tochter, die mich in den Arm nehmen kann. Ich habe solche Sehnsucht nach Zärtlichkeiten.

Seitdem gehe ich ihm aus dem Weg. Oft frage ich mich: "Bin ich seine Mutter, Schwester oder Putzfrau?" Obwohl die noch besser behandelt werden und mehr Respekt bekommen. Ich glaube, er kann keine Nähe ertragen.

Wenigstens kann ich meine Kinder in den Arm nehmen

Lange hatte ich das Gefühl, es wäre alles meine Schuld. Ich wäre genau wie er - gefühlskalt! Aber wenigstens kann ich meine Kinder in den Arm nehmen und mit ihnen schmusen. Und ich habe Kontakt zu jemandem, den ich vor 17 Jahren kennen gelernt habe. Erst wollte ich nicht. Ich hatte Angst. Doch dann konnte ich nicht mehr, meine Gefühle waren stärker.

Es war zu schön, endlich mal wieder in den Arm genommen zu werden, nackte Haut zu spüren. Erst jetzt wusste ich, auf was ich 19 Jahre verzichtet habe. Ich dachte immer, Küssen würde man verlernen. Nein, es war besser und schöner. Alle Angst, die ich all die Jahre verspürt hatte, war auf einmal wie weggeblasen. Ich dachte immer, ich könnte mich nie mehr nackt einem Mann zeigen. Mich gehen lassen.

Mein Mann tut mir nur noch leid

Mein Mann sagte einmal zu mir, ich sei im Bett steif wie ein Brett. Aber das stimmt nicht. Vielleicht bei ihm, aber bei meinem Lover war es richtig schön. Ich hätte nie gedacht, dass es so etwas gibt. Dass ein Mann so zärtlich sein kann. Nicht wie in meiner Ehe: rein, raus, fertig.

Mein Mann tut mir nur noch leid, er weiß nicht, wie schön es ist, geliebt zu werden. Es tat weh zu wissen: Er schaut Pornos und fummelt an sich selbst rum, ohne Liebe. Heute weiß ich, wie armselig das ist. Ich bin froh, dass ich endlich nach so langer Zeit fremdgegangen bin. Die Erinnerung kann mir niemand mehr nehmen. Und ich fühle mich nach so vielen Jahren endlich als Frau. Als Frau, die geliebt wird und die Liebe geben kann.

Foto: dreamstime.com
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Als Iris 40 wird, gratuliert ihr Mann nicht einmal zum Geburtstag. Da wird ihr klar, wie sehr sie sich entfremdet haben. Dann trifft sie einen alten Bekannten wieder.

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