Ehewahrheit: "Wir funktionieren nur noch"

Xenias Mann hat eine Affäre, nach 14 Jahren Ehe. Er will Xenia verlassen, bleibt schließlich doch. Aber seitdem kann sie ihm nicht mehr vertrauen.

Wir waren 14 Jahre verheiratet, als unsere Ehe in Schieflage geriet. Mein Mann ist Fernfahrer, zehn Jahre älter als ich und der Gegenpol zu meinem quirligen Wesen. Für viele sind wir die ideale Kombination aus rothaarig/umtriebig und distinguierter grauer Eminenz. Er war der Mann, zu dem ich aufschaute, vor dem ich Achtung und Respekt hatte, ich hatte ihn geliebt. All die Jahre hatte ich die Kinder, den Haushalt, meinen Job und die persönlichen Belange meines Gatten gemanagt, habe R. den Rücken freigehalten, damit er seinen Job gut machen kann.

Von einem großen lokalen Volksfest kam R. zur Frühstückszeit mit dem falschen Gesicht nach Hause. Seitdem häuften sich kleine unmerkliche Anzeichen. Nie im Leben hätte ich daran gedacht, dass mein Mann mich betrügt. Zehn Wochen dauerte es, bis die Anzeichen selbst für mich nicht mehr zu übersehen waren und ich ihn am Telefon mit meinem Verdacht konfrontierte. Da gab er es zu: Er habe sich verliebt und er werde mich verlassen.

Sie brauche ihn, es sei ihm eine Herzensangelegenheit und er wird für sie und ihre drei Kinder (teilweise noch im Kindergartenalter) da sein und sich für diese Zeit nehmen, sie aufwachsen zu sehen. Er wolle auch noch ein Kind mit ihr (zu diesem Zeitpunkt war mein Mann 50!), er werde dafür sorgen, dass ihr prügelnder Ehemann auszieht, und sie auch finanziell unterstützen, wo es nur geht.

Er beschließt zu bleiben - und der Psychoterror beginnt

Ich hatte bis zum Wochenende meine persönliche Bilanz zu ziehen, diese enthielt einen Sieben-Punkte-Plan, wie wir unsere Ehe friedlich und einvernehmlich auflösen; ich wollte keine dreckige Wäsche und kein Geschrei und wenn er gehen will, kann ich ihn nicht aufhalten.

Er war von meiner Reaktion angenehm überrascht - hatte es sich aber anscheinend in den zurückliegenden Tagen anders überlegt: Er wollte nicht mehr gehen. Ich solle ihm bitte helfen, aus dieser Affäre wieder raus zu kommen. Also unterstützte ich ihn, denn nun fing sie an, uns zu terrorisieren. Ständig kamen SMS von ihr (auch auf mein Handy) am Telefon waren ihre Kinder, die nach R. fragten, Selbstmorddrohungen und eine Schwangerschaft wurden uns angekündigt, SIE patrouillierte vor unserem Haus und steckte uns Zettel unter die Scheibenwischer.

So ging es wochenlang, wir wechselten unsere Handynummern, beantragten eine Festnetzgeheimnummer, es nutzte nichts, der Psychoterror ging weiter. So lange, bis ich ihr mit der Polizei drohte und damit, sie beim Jugendamt anzuschwärzen, denn sie vernachlässigte ihre Kinder und fuhr mit ihnen betrunken durch die Gegend.

Wir haben uns nicht mehr viel zu sagen

Innerlich ging ich ab diesen Tagen auf Abstand. Das Ganze hatte er sich selbst eingebrockt, dafür war ich nicht mehr zuständig. Ich fing an, mich in vieler Hinsicht zu verändern. Mein Selbstwertgefühl war am Boden, meine Gesundheit geschädigt. Ich hätte noch verstanden, wenn diese Frau schöner, gebildeter, finanziell unabhängiger gewesen wäre als ich - war sie nicht. Eine fette Schlampe mit ca. hundert Kilo, ohne Job, ohne Perspektive, mit schlichtem, aber unberechenbarem Gemüt! Aber sie hatte in meinem Mann den Beschützerinstinkt geweckt, den ich bei ihm längst nicht mehr auslöste.

Seitdem sind Jahre vergangen, die Liebe, der Respekt, das Vertrauen hat sich aus unserer Ehe verflüchtigt, wir funktionieren nur noch und haben uns nicht mehr viel zu sagen. Aber nach außen sind wir immer noch das harmonische Pärchen, das sich zwar nur am Wochenende sieht, aber auch nach 20 Jahren Ehe noch immer gut versteht.

Foto: dreamstime.com
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