Eifersucht: Du gehörst mir!

Gesundes Misstrauen oder pathologischer Beziehungswahn: Ab wann schadet Eifersucht der Liebe und der Beziehung?

Ein halbes Jahr erst waren die Frau und der Mann zusammen. Da schien sich etwas zu verändern: Hatten die beiden frisch Verliebten in den ersten Monaten fast jede freie Minute miteinander verbracht, traf er sich nun wieder häufiger mit seinen Freunden. Kein Grund zur Beunruhigung, völlig normal, sagte die Frau sich. Doch dann kam dieser Abend, an dem sie zusammen im Kino verabredet waren - und er nicht auftauchte. Sie versuchte ihn auf dem Handy zu erreichen, doch das war ausgestellt. Sie sprach ihm mehrfach auf die Mailbox, zunächst irritiert, dann besorgt, schließlich sauer. Gegen elf rief der Mann zurück, überrascht: Er habe gedacht, sie seien erst am Tag darauf verabredet gewesen. Das Handy habe er ausgestellt, weil er mit einem Freund Squash gespielt habe. Er war verständnisvoll, es tat ihm leid - doch sie hörte ihm gar nicht mehr zu. Sie wusste Bescheid.

Die meisten Frauen gehen aus diesem Grund fremd

Wechselbad der Gefühle

Von da an war nichts mehr wie zuvor. Für die Frau schien es nur eine logische Erklärung zu geben: Der Typ betrügt mich! Zunächst war ihr der Verdacht fast peinlich; sie sprach mit niemandem darüber, auch nicht mit ihrem Freund. Doch wenn er sich jetzt auf ein Bier mit Kollegen traf oder bei einem ihrer Anrufe nicht gleich ranging, begann sie zu zweifeln: Was, wenn er gerade bei einer anderen ist?

Sie fing an, sein Verhalten zu deuten: Erschien er abwesend, war das der Beweis, dass er sie nicht mehr liebte. War er besonders liebenswürdig, zeigte sich nur sein schlechtes Gewissen. Dazu gab sie sich Phantasien hin, in denen sie sich immer wieder das Schlimmste ausmalte. Ein Teufelskreis, der die Frau immer wahnhafter agieren ließ. Nun sprach sie auch ihre Verdächtigungen offen aus. Musste sich immer häufiger bei ihm vergewissern: Liebst du mich noch? Der Mann versuchte, seiner Freundin glaubhaft zu machen, dass es für ihn nur sie gebe. Sie war dann für kurze Zeit versöhnt, bereute ihre Verdächtigungen - um bei nächster Gelegenheit noch heftiger zu reagieren. Ein Wechselbad der Gefühle.

200-prozentige Kontrolle

Was übersteigerte Eifersucht besonders heikel macht: Die Betroffenen sind irgendwann nicht mehr in der Lage, ihre Betrugsphantasien in Frage zu stellen. "Das Lebensziel heißt 200-prozentige Kontrolle“, sagt Psychologin Sabine Wery von Limont. Ihre Erfahrung: "Für Betroffene ist das Gefühl der Eifersucht selbst meist schon Beweis genug, dass die absurdesten Vermutungen der Wahrheit entsprechen". Die Folgen: Kontrollanrufe, Zwangsverhöre und Schnüffeleien.

Auch die Frau bekam ihre Zweifel nicht unter Kontrolle. Sie begann, heimlich das Handy ihres Freundes nach verräterischen SMS zu durchforsten. Zwar plagte sie dabei ein schlechtes Gewissen, aber schlimmer war die Entdeckung, dass er sich offenbar mehrfach zum Mittagessen mit einer gewissen Claudia getroffen hatte. Deren harmlos klingende, freundliche Nachrichten bereiteten der Frau schreckliche Qualen. Als die Phantasien von ihrem Freund und der vermeintlichen Geliebten für sie unerträglich wurden, sprach sie ihn auf die SMS an. Er machte ihr klar, dass es sich bei Claudia nur um eine Kollegin handelte. Mitte vierzig, glücklich verheiratet, zwei Kinder. Und zog umgehend seine Konsequenzen aus der Handy-Spionage: Obwohl die Frau ihn beschwor, nur aus Liebe gehandelt zu haben, zog er aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Der Schlüssel: Mangel an Selbstwertgefühl

Dass Eifersucht ein Zeichen von Liebe ist, lässt Parship-Psychologin Sabine Wery von Limont nicht gelten. Dauerndes Misstrauen in einer Beziehung deute im Gegenteil auf mangelnde Selbstliebe des eifersüchtigen Partners hin: "Wer sich selbst nicht mag, dem fällt es natürlich auch schwer zu glauben, dass ihn jemand anders lieben könnte." Deswegen gilt geringes Selbstwertgefühl als Hauptursache für übertriebene Eifersucht. Betroffene neigen nach den Erfahrungen der Psychologin außerdem oft dazu, frühere Erlebnisse - etwa einen Vertrauensmissbrauch - zu verallgemeinern. Motto: Männer sind Lügner und können nicht treu sein. Letztlich, sagt Sabine Wery von Limont, sei Eifersucht eine stetige Suche nach Bestätigung, eine Sucht nach Sicherheit: Er liebt mich noch!

Das Fatale daran ist nicht nur, dass es diese Sicherheit nicht gibt - sondern dass im Gegenteil die dauernde Einforderung von Treue- und Liebesbeweisen früher oder später zu einer schwerwiegenden Belastung für jede Beziehung wird.

Gesundes Misstrauen oder krankhafte Eifersucht?

Doch ab wann fallen Zweifel und Misstrauen in die Kategorie "krankhafte Eifersucht"? Laut von Limont gibt es durchaus so etwas wie eine "gute" Eifersucht: "Wenn Ihr Partner auf einer Party offensiv mit einer anderen flirtet, müssen Sie das nicht hinnehmen", rät die Psychologin, "es sei denn, Sie sind zuvor überein gekommen, dass das okay ist". Alles andere sei falsch verstandene Toleranz, die der Partner im schlimmsten Fall als Gleichgültigkeit deute.

Jedes Paar sollte also für sich entscheiden, wo die Grenze zwischen liebevoller Zuwendung und nervender Eifersucht verläuft. Von Limont definiert dafür folgende Faustregel: "Sind beide unzufrieden und unglücklich mit der Situation, merkt der Eifersüchtige gar, dass er gegenüber seinem Partner mehr feindselige als liebevolle Gefühle hegt, sollte man etwas tun". Die Lösung klingt einfach: "Ein gesundes Selbstvertrauen ist die wirksamste Waffe gegen Eifersucht."

Eigene Interessen zu verfolgen, kann dabei ein erster Schritt zu mehr Selbstvertrauen sein. Oftmals sind Eifersucht und Unsicherheit eine Folge sozialer Isolation. Der Eifersüchtige möchte seine Zeit nur mit seinem Partner verbringen. Das schafft zusätzliche Abhängigkeit. Und hat außerdem zur Folge, dass es meist keine wohlmeinenden Dritten gibt, die dem übersteigert Eifersüchtigen den Kopf waschen und dessen Katastrophenphantasien auf deren Realitätsgehalt überprüfen könnten. Wer sich 24 Stunden am Tag hintergangen fühlt und merkt, dass er ohne fremde Hilfe nicht mehr aus dem inneren Labyrinth findet, sollte sich allerdings professionelle Hilfe suchen; auch dafür können Freunde eine wertvolle Unterstützung sein.

Es gibt Hoffnung

Als der Frau bewusst wurde, dass sie Gefahr lief, ihren Freund zu verlieren, zog sie die Notbremse, und suchte Rat bei einer befreundeten Psychologin. Die empfahl ihr zunächst, eine Liste zu machen. Da die Frau in ihren vorherigen Beziehungen keine Neigung zur Eifersucht verspürt hatte, sollte sie sich fragen: Was hat sich in meinem Leben geändert, seit ich mit meinem Freund zusammen bin? Dabei sollte sie alle Lebensbereiche einbeziehen - unabhängig davon, ob die mit dem neuen Mann in ihrem Leben zu tun hatten, oder nicht.

Bald kam die Frau darauf, dass ihr Problem ganz woanders lag als in ihrer Beziehung. Sie hatte kürzlich die Firma gewechselt, und es fiel ihr schwer, sich in ihr neues Team einzugewöhnen. Zudem fühlte sie sich vom Arbeitspensum in ihrem neuen Job oft überfordert. Vor lauter Stress vernachlässigte sie ihre Freunde, und konzentrierte sich in ihrer Freizeit ganz auf den Liebsten. In kurzer Zeit war er zu ihrer wichtigsten Bezugsperson geworden. Sie hatte das Gefühl, er sei ihr einziger Halt - und den wollte sie natürlich nicht verlieren.

Die Erkenntnis, dass die Gründe für ihre Eifersucht gar nicht bei ihm, sondern bei ihr selbst lagen, traf Katrin wie ein Blitz. Was folgte, war Erleichterung - und der Entschluss, ihre berufliche Situation zu überdenken. Nach einigem Zögern riskierte sie auch eine Aussprache mit ihrem Freund, in der sie offen über ihre Ängste, ihre Eifersucht und deren Gründe sprach. Und hatte Glück: Die beiden starteten einen zweiten Versuch.

Text: Lili Totzeck/ Parship.de

weiter zu den Tipps: Eifersucht - was tun?

Eifersucht - was tun? Tipps von der Psychologin

Die Neigung zur Eifersucht ist keine angeborene Charaktereigenschaft - im Gegenteil: Wer will, kann sie mit ein paar einfachen Tricks im Zaum halten. Wir sagen Ihnen, wie: Definieren Sie Treue! Wer eifersüchtig ist, hat in der Regel Angst vor Untreue. Doch diese definiert jeder anders. Einigen Sie sich deshalb in einem möglichst frühen Stadium der Beziehung mit Ihrem Partner auf Treuestandards: Was ist erlaubt, und was nicht? Vereinbaren Sie zum Beispiel, dass Ihr Partner Sie informiert, wenn er mit einer Kollegin oder einer alten Freundin etwas allein unternehmen möchte. Verstellen Sie sich nicht! Wenn er auf einer Party offensiv mit einer anderen flirtet, müssen Sie das nicht hinnehmen - es sei denn, Sie sind zuvor übereingekommen, dass das okay ist. Sie sollten Ihre Gefühle nicht unterdrücken und sich nicht betont locker geben - das ermutigt Ihren Partner nur, beim nächsten Mal ähnlich zu handeln. Sprechen Sie ihn darauf an. Verzichten Sie dabei auf Vorwürfe und machen Sie stattdessen klar, was an seinem Verhalten Sie gestört oder verletzt hat - am besten noch am selben Abend.

Bleiben Sie selbstständig! Sie neigen dazu, ganz in einer Beziehung aufzugehen und können sich nichts Schöneres vorstellen, als jede freie Minute mit Ihrem Partner zu verbringen? Das ist gerade bei einer jungen Liebe verständlich. Achten Sie trotzdem darauf, weiter eigenen Interessen nachzugehen: Wenn Sie bisher ins Fitnessstudio oder zur Theatergruppe gegangen sind, sollten Sie das nicht aufgeben. Eigenständige Aktivitäten stärken Ihr Selbstwertgefühl und machen Sie weniger anfällig für Eifersucht.

Pflegen Sie Ihre Freundschaften! Eigentlich selbstverständlich: Pflegen Sie Ihre Freundschaften. Gerade Frauen neigen oft dazu, Freunde und Bekannte zu Gunsten einer neuen Liebe zu vernachlässigen. Das ist in der Anfangsphase völlig normal. Achten Sie trotzdem darauf, den Kontakt zu den Menschen zu halten, die Ihnen nahe stehen. Nicht nur, weil die es sicher verdient haben, sondern auch, weil ein gutgemeinter Rat von außen im (Eifersuchts-)Ernstfall unbezahlbar ist.

Gehen Sie Ihrer Eifersucht auf den Grund! Und was, wenn Sie doch einmal von einem Eifersuchtsanfall geplagt werden? Zunächst einmal: Ruhig bleiben! Prüfen Sie Ihre Katastrophen-Phantasien auf ihren Wahrheitsgehalt. Bemühen Sie sich um eine objektive Bewertung: Sprechen wirklich handfeste Gründe für Ihre Vermutung, oder kann es auch eine völlig harmlose Erklärung geben? Gibt Ihr Partner Ihnen wirklich Grund zum Misstrauen - oder entspringt Ihre Eifersucht eher Ihrer eigenen Unsicherheit?

Photo: Clipart.com
Themen in diesem Artikel