Emotionale Erpressung: Anzeichen und Tipps

Emotionale Erpressung bedeutet, jemanden mithilfe von Gefühlen zu manipulieren. Wie du sie erkennen und dich daraus befreien kannst, erfährst du hier.

In Eltern-Kind-Beziehungen, zwischen Geschwistern, unter Freunden oder in der Partnerschaft – emotionale Erpressung kann in praktisch jeder zwischenmenschlichen Beziehung vorkommen, selbst am Arbeitsplatz. Den Beteiligten ist oft gar nicht bewusst, dass sie sich in einer solchen Situation befinden, weder Erpressern noch Erpressten, und genau das macht emotionale Erpressung so gefährlich: Langfristig schadet die Gefühlsmanipulation nämlich sowohl den Beziehungen als auch der psychischen und körperlichen Verfassung der Betroffenen, zum Teil in verheerendem Ausmaß. Von Unzufriedenheit und ständigem Streiten über Beziehungsangst und Einsamkeit bis hin zu Depressionen, Essstörungen und Suizidgedanken – emotionale Erpressung kann das gesamte Leben der Beteiligten belasten.

Wie die Erpressung mit den Gefühlen genau funktioniert, woran du sie erkennst und wie du dich daraus befreien kannst, klären wir jetzt.

Emotionale Erpressung: So funktioniert die psychische Manipulation

Erpresser haben immer etwas gegen ihre Opfer in der Hand, das ihnen Macht und Kontrolle über sie gibt. Im Fall von emotionaler Erpressung sind das Gefühle, vor allem negative Emotionen, die die erpresste Person vermeiden oder loswerden will. Typische Varianten emotionaler Erpressung sind:

  • Schuldgefühle einreden: "Deinetwegen habe ich auf so vieles verzichtet ...", "Du machst mich noch ganz krank mit deinem Verhalten."
  • Unfaire Vorwürfe aussprechen: "Immer denkst du nur an dich – was ist mit meinen Bedürfnissen?"
  • Drohungen: "Wenn du mich verlässt, bringe ich mich um.", "Wenn du jetzt gehst, brauchst du nie wieder zu kommen." 
  • Ultimaten stellen: "Würdest du mich wirklich lieben, dann ..."
  • Pflichten vorhalten: "Heißt das für dich etwa, für jemanden da sein?"
  • Vergleiche ziehen: "Andere kriegen das ja auch hin."

Zugegeben, vieles davon begegnet früher oder später den meisten Menschen in ihrem Beziehungsalltag. Ein Konflikt, überkochende Emotionen und schon ist der Vorwurf rausgerutscht. In einer Beziehung auf Augenhöhe setzen sich die Partner dann offen kommunikativ damit auseinander und zur Wehr, z. B. "Für deine Bedürfnisse bist du in erster Linie selbst zuständig, aber wenn du zusätzlich meine Hilfe brauchst, bin ich im Rahmen meiner Möglichkeiten gerne für dich da". Opfer von emotionaler Erpressung tun und können das dagegen nicht. Sie fühlen sich so schuldig oder bekommen solche Angst, dass sie die (meist unausgesprochenen und bloß impliziten) "Forderungen" ihres Erpressers erfüllen. 

Emotionale Erpressung: 10 Anzeichen, an denen du sie erkennst

Emotionale Erpressung zu erkennen und von gewöhnlichen Konflikten und Streitereien zu unterscheiden ist weder für Erpresser noch für Erpresste immer leicht. Um sie wahrzunehmen, muss man – logischerweise – sensibel sein und genau in sich hinein hören, um die eigenen Gefühle verstehen und die fragliche Beziehung selbstbewusst bewerten zu können. Bei folgenden Signalen solltest du grundsätzlich aufmerksam werden.

Sechs Typische Anzeichen, dass du emotional erpresst wirst:

  • Du fühlst dich in der Beziehung gestresst und unter Druck gesetzt
  • Du hast Angst, Entscheidungen zu treffen, die sich auf die Beziehung auswirken (könnten)
  • Du hast das Gefühl, dem anderen nicht gerecht zu werden
  • Du fühlst dich in deiner Beziehung gefangen und unfrei
  • Du hast deinem Partner/ möglichen Erpresser gegenüber oft Schuldgefühle oder ein schlechtes Gewissen
  • Du fragst dich ständig, wie dein Verhalten bei deinem Partner/ möglichen Erpresser ankommt und wie er dein Handeln und deine Bemühungen bewertet

Vier Anzeichen, dass du jemanden emotional erpresst:

  • Du hast das Gefühl, du gibst mehr, als du bekommst
  • Du fühlst dich im Unrecht und schlecht behandelt
  • Du hast große Angst, verlassen zu werden
  • Du denkst, dass du eigentlich jemand Besseren verdient hättest
Anzeichen, dass du mit einem Energievampir zusammen bist: Ein Pärchen, im Begriff sich zu küssen

Emotionale Erpressung: 5 Tipps, wie du dich befreien kannst

Um das noch einmal ganz klar hervorzuheben: Langfristig leiden sowohl Erpresser als auch Erpresste unter emotionaler Erpressung. Daher ist es im Interesse beider Beteiligten, den Teufelskreis zu durchbrechen und ein ausgewogenes Mächteverhältnis in der Beziehung herzustellen. Je nachdem, wie lange der Zustand emotionaler Erpressung bereits andauert und wie fest verankert die jeweiligen Verhaltensmuster bei den Betroffenen sind, kann es unter Umständen sehr schwer werden, die Beziehung ohne professionelle Hilfe zu retten. Soll heißen: Im Zweifel ist eine Paartherapie die beste Wahl! Darüber hinaus oder vorab könnt ihr zudem folgende Maßnahmen probieren.

1. Selbstvertrauen stärken

Emotionale Erpressung ist so gut wie immer die Folge von mangelndem Selbstbewusstsein und einem gestörten Selbstwertgefühl – beiderseits! Von daher ist ein erster Schritt dagegen anzugehen: Selbstbewusstsein stärken. (Und wie du gleich auch noch dein Selbstwertgefühl stärken und Selbstliebe lernen kannst, verraten wir dir in den jeweiligen Artikeln)

2. Feedback geben (lernen ...)

Richtiges Feedback geht immer von einer Beschreibung der eigenen Wahrnehmung aus – und in manchen Fällen kann schon das der emotionalen Erpressung komplett den Wind aus den Segeln nehmen. Ein Wahrnehmungsabgleich der Beteiligten verbunden mit einem ehrlichen Austausch über Gefühle und Folgen des jeweiligen Verhaltens kann in vielen Situationen Wunder wirken, sogar bei emotionaler Erpressung.

3. Grenzen setzen

Eventuell kann es helfen, gewisse Grenzen zu definieren, die du grundsätzlich für niemanden überschreiten möchtest. Zum Beispiel "Ich vernachlässige für niemanden meine Mutter" oder "Ich gebe niemandem so viel, dass ich nicht mehr kann und mein Leben hasse." Solche Dinge klar für dich zu formulieren, macht es dir leichter, Situationen zu erkennen, in denen dich jemand über deine Grenzen zwingen möchte. Und vielleicht schaffst du's dann auch mal, Nein zu sagen ...

4. Regeln aufstellen

Wenn ihr euch zusammensetzt und gemeinsam klare Regeln für eure Beziehung aufstellt, könnt ihr daran in schwierigen Situationen festhalten und auch eurer beider Wahrnehmung anhand der Regeln überprüfen. Sinn macht das natürlich nur, wenn sie fair sind und euch beide gleichermaßen berechtigen und in die Pflicht nehmen.

5. Distanzieren

Sofern gar nichts hilft und die Gefühle von Angst, Beklemmung oder mangelnder Zuneigung überwiegen, solltest du dir eingestehen, dass die Beziehung am Ende ist und getrennte Wege (wenn möglich!) am besten sind. Sicher kann das sehr schwer sein, sollte der Erpresser zum Beispiel damit drohen, sich etwas anzutun, doch letztendlich schadest du nur euch beiden, wenn du in der toxischen Beziehung bleibst.

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