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Emotionale Trigger Wie Vergangenes unbemerkt unsere Beziehung zerstört

Emotionale Trigger
© NDAB Creativity / Shutterstock
Manchmal kochen bei euch die Emotionen wegen Kleinigkeiten hoch? Dann sind emotionale Trigger im Spiel, die die Macht haben, eure Beziehung zu vergiften.

Als wir jung waren, war das Leben irgendwie einfacher: Man verliebte sich, stritt, weinte, versöhnte sich wieder und alles war meist wieder gut. Doch die Liebe wird mit den Jahren komplizierter. Wir streiten nicht bloß – wir beschuldigen, klagen an, pochen auf unser Recht, kramen alte Verletzungen hervor, attackieren, kritisieren, machen dicht und blocken ab.

Was dahintersteckt und unsere Beziehungen – oft unbemerkt – bedroht, sind emotionale Trigger. Sie sind das Resultat früherer negativer Erlebnisse. Wenn du dich mit dem:r Liebsten in einer Situation wiederfindest, die der des Erlebnisses aus deiner Vergangenheit ähnelt, reagiert dein Körper unwillkürlich darauf und die Emotionen kochen hoch. Spontane Reaktionen können Wutausbrüche bis hin zu Panik sein.

Der Knopf ist gedrückt – wir reagieren über und nicht der Situation angemessen.

Wir geben dem Partner die Schuld für unsere Gefühle, doch der kann nichts dafür. Wenn er sich in sein Buch oder Handy vertieft, statt sich mit dir zu beschäftigen, und deine Eltern in deiner Kindheit nicht genug für dich da waren, kann das unkontrollierbare Angst, Panik, Wut und Aggressionen in dir auslösen. Klar, dass sich solche verzweifelten, oft unfairen und harten Reaktionen destruktiv auf die Beziehung auswirken.

Warum wir alle emotionale Trigger haben

Die meisten Trigger haben ihren Ursprung in schmerzhaften Erfahrungen, die wir gemacht haben, und schlummern in allen von uns. Dann passiert etwas, das uns unbewusst daran erinnert – ein falsches Wort, eine Geste – und unser Körper reagiert darauf. Dabei kann jede Kleinigkeit zum Trigger werden, egal, wie winzig der Anlass ist: gutgemeinte Kritik, ein Lacher an falscher Stelle oder ein abgelehnter Kuss sind Dinge, die in jeder Beziehung vorkommen.

Diese Trigger gibt es, weil wir uns den schmerzhaften Erfahrungen nicht gestellt haben. Trigger sind dazu da, unsere Aufmerksamkeit auf alten Schmerz zu lenken und ihn zu bearbeiten. Erst, wenn wir uns über unsere emotionalen Knöpfe bewusst sind, können wir lernen, auch in Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, in denen wir uns durch den anderen verletzt fühlen.

Doch leider ist uns oft gar nicht bewusst, dass wir überreagieren, weil wir getriggert wurden. Besonders in unseren Liebesbeziehungen kommen Trigger zum Tragen – fast täglich triggern wir unseren Partner und er uns. Nicht selten sind das die stillen Killer unserer Beziehungen.  

Wie kommen wir da raus?

Die Schuld für unsere Gefühle auf den:die andere:n zu schieben, ist das einfachste. Nach innen zu schauen ist schmerzhafter. Doch wenn wir unseren Triggern nachspüren, stehen die Chancen gut, dass die Liebe bleibt.

Wenn du getriggert wirst, halte inne, statt dich kopfüber in den Konflikt zu stürzen. Statt sich wütend zu fragen: "Warum macht er das!?", frage dich "Warum macht mir das so viel aus?" Auch wenn es unerträglich scheint, in die Vergangenheit zu schauen: Gibt es eine Erinnerung, die zum Trigger passt?

Wenn du die Verbindung erkannt hast, frage dich weiter: Was hätte damals anders laufen sollen? Was war es, das ich gebraucht hätte? War es Zuwendung, Wertschätzung, Loyalität?

Wenn wir uns diesen Fragen stellen, spüren wir, wie der Schmerz nachlässt, weil wir unseren schlafenden Erinnerungen die Aufmerksamkeit geben, die sie brauchen. Das ist nicht einfach, aber nur so können wir beginnen, von emotionalen Reaktionen zu emotionalen Aktionen überzugehen. Wenn wir unsere Trigger verstehen, können wir anders mit ihnen umgehen und unsere Beziehungen retten.

Brigitte

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