Wie trenne ich mich richtig?

Eine Beziehung zu beenden, ist nie einfach. Weder für den, der geht, noch den Verlassenen. Experte Dominik Borde weiß, wie man sich richtig verhält.

Eigentlich weiß man schon längst, dass die Beziehung am Ende ist. Aber einen endgültigen Schlussstrich ziehen? Das fällt schwer! Schließlich hat man sich über die Jahre an den Anderen gewöhnt - und möchte ihm nicht wehtun. Je nachdem, aus welchen Gründen man sich trennt, hat der Partner vielleicht gar nichts falsch gemacht. Trotzdem ist die Liebe weg. Wie verhält man sich richtig? Beziehungsexperte Dominik Borde weiß, worauf es bei einer Trennung ankommt.

Abwarten hilft keinem weiter

Natürlich ehrt es euch, wenn ihr den Partner nicht verletzen wollt. Andererseits ist es viel egoistischer, die Trennung immer wieder und wieder zu verzögern. Der Experte weiß: "Niemand möchte einen Partner an der Seite, der einen nicht aufrichtig liebt." Wartet also auf einen passenden Moment (aber nicht ewig!) und dann raus mit der Sprache!

Den richtige Ort wählen

Am besten wählt ihr einen Ort mit genügend Privatsphäre - schließlich wisst ihr nicht, wie der Andere reagiert. In der Öffentlichkeit zu weinen kann ziemlich unangenehm sein! Per SMS oder Mail Schluss machen? "Das ist natürlich keine gute Idee", sagt Borde. "So eine wichtige Sache sollte man persönlich und unter vier Augen besprechen. Das ist auch einfach eine Sache von Wertschätzung."

Steht zu euren Gefühlen!

Dominik Borde (45) berät Singles und Paare in Wien. www.sozialdynamik.at

Nichts ist schlimmer für den Verlassenen, als wenn er im Unklaren gelassen wird. Sätze wie "Es liegt nicht an dir" oder "Ich kann dir gar nicht sagen, wieso" , bereiten ihm nur noch mehr schlaflose Nächte. "Der Mensch, mit dem man einst das Schlafzimmer geteilt hat, hat klare Aussagen verdient", sagt der Experte. "Eiert nicht herum. Seid ehrlich und sagt etwa, dass ihr nicht mehr genügend Liebe empfindet."

Auch solltet ihr nicht in Ausreden flüchten, weil ihr glaubt, diese seien für den Partner weniger verletzend. "Die Wahrheit kann manchmal hart sein, aber hilft dem Verlassenen, einen Schlussstrich zu ziehen", sagt Borde

Übrigens: Meist kommt eine Trennung nicht aus heiterem Himmel. Der Partner weiß also ohnehin schon, dass es Beziehungsprobleme gibt. An solche Gespräche lässt sich natürlich gut anknüpfen.

Keine Vorwürfe machen

Eine Trennung ist schon schlimm genug. Der Experte empfiehlt: "Bleibt beim Gespräch deshalb lieber sachlich und vermeidet wilde Anschuldigungen und Vorwürfe." Klar könnt ihr sagen, was schief gelaufen ist. Mit der Keule auf den anderen einzuschlagen, ist allerdings weniger sinnvoll.

Hintertür offen lassen? Unfair!

"Ich liebe dich noch, brauche aber erst mal eine Auszeit." Natürlich ist es bequemer, dem Anderen mit solchen Sätzen Hoffnung auf ein Liebes-Comeback zu machen. Schließlich ist der Dolch, dem man dann in sein Herz rammt, nicht so groß. Außerdem beruhigt es ja auch, zu wissen, dass man selbst wieder zurückkommen kann. "Ein solches Verhalten wirkt aber eher lächerlich und bedürftig - und ist obendrein noch unfair", sagt Borde. "Der Ex-Partner muss wissen, woran er ist, damit er einen Neuanfang zu starten kann. Ihn hinzuhalten, ist schlicht respektlos."

Vergebt euch selbst!

Niemand kann etwas dafür, wenn er keine Liebe mehr empfindet. Klar fühlt ihr euch schlecht, den Anderen zurückzulassen. Aber macht euch klar: Die Trennung ist im Endeffekt für beide besser. Denn jeder kann einen Partner finden, mit dem er glücklicher wird. Ihr solltet also versuchen, mit diesem Gedanken das schlechte Gewissen zu bekämpfen. Und euch immer wieder sagen: Ich mache nichts falsch!

Nicht zu viel Kontakt haben

Oft weiß man als "Schluss-Macher" nicht, wie viel Kontakt man nach der Trennung zulassen sollte. Wie viel ist gut für einen selbst und was ist fair dem Anderen gegenüber? Der Experte rät: "Wer merkt, dass der Ex die Beziehung zurück will, der sollte ihn rechtzeitig bremsen. Manchmal ist es besser, den Kontakt dann ganz abzubrechen. Nur so hat der andere Zeit und Raum, die Beziehung zu verarbeiten und damit abzuschließen." Sind beide über die Trennung hinweg, steht eine Freundschaft nichts im Weg. Dann sollte die gemeinsam Zeit aber auch nicht über die von einer normalen Freundschaft hinausgehen.

Der Tröster sein? Das geht nicht!

Dominik Borde: "Man kann nicht der sich trennende Expartner und gleichzeitig der Therapeut bei Liebeskummer sein." Der Experte rät, nicht den Retter zu spielen und ganz klar zu sagen: "Es tut mir wirklich leid, aber damit bin ich überfordert. Ich kann dir dabei nicht helfen."

Du bist dir nicht ganz sicher, ob Trennung in deinem Fall wirklich der richtige Schritt ist? Wir geben dir gerne eine Entscheidungshilfe bei der schwierigen Frage "Soll ich Schluss machen?".  

Annalena Schieber
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