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Frauenversteher? So sieht ein Mann Olympia


Wie Dirk Brichzi die Frauen versteht: Mit seinem ganz persönlichen Blick auf Olympia verteilt er schon einmal Medaillen - an die Frauen.

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Ah, Olympia! Wenn man Menschenrechte, Doping und Johannes B. Kerner ausblendet - was quasi schon unmöglich ist - sind das durchaus zwei entspannte Wochen. Ich erfreue mich besonders an den Sportarten, die von Frauen dominiert werden. Damit meine ich nicht osteuropäische Gewichtheberinnen, die aussehen, als hätten sie kurz vor dem Wettkampf noch zwei Mannschaftskameradinnen vertilgt und würden hinterher zur Folter von chinesischen Dissidenten eingesetzt.

Ich rede von Sportlerinnen, die Eleganz, Grazie und Schönheit ausstrahlen und nicht in Muskelmasse untergehen. Ich würde meine Medaillen am liebsten schon vor der Eröffnungsfeier verteilen.

Bronze geht an die Synchronschwimmerinnen

Bronze sichern sich in diesem Jahr die Synchronschwimmerinnen. Das waren früher in der Schule die Martinas und Marlens, die kräftig gebaut waren und großen Ehrgeiz im Schwimmunterricht an den Tag legten. Stöckelten wegen der Fuß- und Zehenstreckung schon in der 9. Klasse immer in Schuhen mit hohen Absätzen umher, was uns Jungs ganz kirre gemacht hat. Am schönsten war es, wenn nebenher noch die Mannschaftskameradin synchron stöckelte.

Wer jetzt behauptet, das sei eh kein Sport, ist noch nicht zufällig im Studium in eine Synchronschwimmprüfung geraten, weil sie zufällig in der Prüfungsordnung stand. Eine Woche brauchte ich, um zu wissen, wie die Nasenklammer richtig aufgesetzt wird, dann ging ich in der Kür mangels Körperspannung unter wie die Titanic, wenn sie damals drei Eisberge gleichzeitig gerammt hätte. Es soll zwar Synchronschwimmerinnen gegeben haben, denen musste man nach der Karriere das Betonlächeln operativ unter Vollnarkose entfernen - aber immer noch besser als diese ganzen miesepetrigen Schwimmerinnen mit ihrem mürrisch-konzentrierten Blick auf dem Startblock.

Silber für die Rhythmischen Sportgymnastinnen

Silber geht dieses Jahr an die Rhythmischen Sportgymnastinnen. Phänomenal! Die werfen einen Ball, ein paar Keulen oder ein Band Richtung Hallendach, tanzen, hüpfen, turnen und drehen sich gefühlte zehn Minuten lang, um dann das Teil ein paar Meter weiter mit einer Beiläufigkeit wieder aufzufangen, als holten sie ein Glas Nutella aus dem Küchenschrank.

Noch ein Vorteil: Hier hat man im Gegensatz zu manchen Turndarbietungen nicht das Gefühl, als wären nur unter Schlafentzug trainierte Zehnjährige am Start. Leider führt dieser Sport in unserem Land und damit auch unseren Fernsehern wegen chronischer Erfolglosigkeit der deutschen Teilnehmerinnen ein Schattendasein.

Gold gewinnen die Dressurreiterinnen

Gold geht ganz klar an - brrrrrrrrrrrrr - die Dressurreiterinnen. Diesen Isabelles und Nicoles weht ja ein Leben lang der Hauch von Arroganz um die Nase, weil sie schon in frühen Jahren dank ihrer reichen Eltern das eigene Pferd reiten durften, während die anderen Kinder alle auf dem Wald- und Wiesengaul "Nepomuk" mit chronischem Hufleiden durch die Gegend tappen mussten. Aber bei der Verschmelzung zwischen Reiterin und Pferd ist von dieser Arroganz nichts mehr zu spüren. Ein Zucken in der Wade unter dem eleganten Reitstiefel - schon reagiert das Pferd mit leichtem Seitwärtsgalopp. Ein Vibrieren im Daumen - und das stolze Ross tanzt zum Rhythmus der Musik auf der Stelle.

Dressurreiterinnen gehen auch im Alltag durch die Straßen, als säßen sie immer noch auf einem Pferd: gerader Rücken, latente Beschwingtheit, feine Manieren. Und dann dieses "Brrrrrrrrrr", das sie den Pferden zur Beruhigung zurufen. Frauen, die "Brrrrrrrrrrr" sagen, sollte man Denkmäler bauen und mit regelmäßigen Kniefällen huldigen. Nimm mich mit, möchte ich den Ladys nach ihrer Kür immer zurufen, und lass uns den Rest unseres Lebens mit unseren zahlreichen Kindern und Pferden auf unserem mondänen englischen Landsitz verbringen.

Kommt es dem Kerl denn gar nicht auf den Sport an, werden jetzt einige Frauen fragen. Doch klar, genauso wie den Frauen, die kein Schwimmfinale der Männer verpassen. Natürlich nur wegen der tollen Duelle und nicht wegen der ziemlich perfekt definierten Oberkörper, die da so lässig auf den Startblöcken herumstehen.

Aber Vorsicht: Zwischendurch kommt immer mal wieder Johannes B. Kerner ins Bild.

Brrrrrrrrrrrr!

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Dirk Brichzi "Frauenversteher" noch als Schimpfwort benutzt. Mit dem Alter kam die Einsicht, dass es doch manchmal ganz nützlich ist, die Eigenarten des weiblichen Wesens zu entschlüsseln. Das gelingt ihm nicht immer - aber er strengt sich jedes Mal an.

Text: Dirk Brichzi Foto: Theresa Rundel

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