Frauenversteher: Wie beeindruckt man Frauen?

Helfen Geld, Ruhm und tolle Manieren, um bei Frauen zu punkten? BRIGITTE.de-Autor Dirk Brichzi hat eine überraschende Entdeckung gemacht - und räumt nun regelmäßig seine DVDs um.

Dirk Brichzi versucht, Frauen zu verstehen

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat unser neuer Kolumnist Dirk Brichzi "Frauenversteher" noch als Schimpfwort benutzt. Mit dem Alter kam die Einsicht, dass es doch manchmal ganz nützlich ist, die Eigenarten des weiblichen Wesens zu entschlüsseln. Das gelingt ihm nicht immer - aber er strengt sich jedes Mal an.

Kerle probieren ja im Laufe ihres Lebens unendlich viele Dinge aus, mit denen sie Frauen beeindrucken wollen. Das reicht von schrägen Frisuren, dummen Sprüchen und ungewöhnlichem Schuhwerk in jüngeren Jahren bis hin zu Doktortiteln und viel Geld in späteren Lebensphasen. Wer bereits als Jungspund die richtige Frau beeindrucken konnte, der hat Glück, der muss sich um das Zwischendrin nicht kümmern.

Denn das ist wirklich hart. Bunte Haare oder vorne spitz zulaufende Schuhe wirken bei Kerlen über 25 schnell peinlich. Was bleibt einem dann? Mann versucht es dann tatsächlich mit solchen Sachen wie Charakter, guten Manieren oder gar Spezialwissen im Kochen von Pastasaucen, wenn man zuviel Tim Mälzer geschaut hat.

Das klingt alles sehr nach Mühsal. Ich meine, dass Alltägliches viel mehr Wirkung erzielen kann. Mein Balkon und mein wirklich cooles altes Auto brachten mir so ganz nebenbei immer ein paar Pluspunkte ein, doch nun bin ich umgezogen (kein Balkon) und vom letzten Tüv-Besuch ist die Karre nicht mehr zurückgekehrt. Was nun?

Bleibt noch meine DVD-Sammlung. Eigentlich nichts, worauf ich stolz bin oder mit dem ich beeindrucken will. Wer gerne kocht, besitzt halt viele Töpfe und Pfannen, und wer gerne Filme guckt wie ich, hat halt viele DVDs im Schrank. Aber es gibt kaum eine Frau, die nicht ein paar Momente staunend vor den Regalen steht.

Im Laufe der Zeit habe ich ein ganz gutes Gespür dafür bekommen, welche DVDs bei welcher Frau auf Augenhöhe stehen sollten, damit der "Ist-beeindruckt-Effekt" möglichst schnell einsetzt und möglichst lange vorhält. Dank der praktischen Regale aus dem schwedischen Möbelhaus sind ganze DVD-Packs in Sekundenschnelle umgeräumt. Je nachdem, wer gleich vor der Tür und im Zimmer steht. Denn Frauen lassen sich in vier verschiedene Filmtypen einteilen:

Herrinnen der Ringe

Gucken trotz des Namens nicht gerne alle Herr-der-Ringe-Teile. Steht nur als Synonym für Frauen, die ein bis zwei Kinofilme pro Jahr schauen. Höchstens. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Dumme Arbeitszeiten, keine Lust auf Leute, die ihre Schuhe ausziehen und die Füße dann neben dem Kopf des Vordermanns platzieren oder halt die lieb gewonnene Tradition, nur ein- oder zweimal im Jahr ins Kino zu gehen.

Dennoch werden auf jeden Fall Hugh-Grant-Filme dabei gewesen sein. Also krame ich schnell "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und "Tatsächlich Liebe" zusammen, zwei Titel, die ich sonst immer unten rechts mit der Schrift zur Wand einsortiert habe. Die erste Staffel "Sex and the City" dazu, fertig. Reaktion, für gewöhnlich: Ein hingeseufztes "Ooooch!" mit zwei klimpernden Augen und einem Lächeln, gegen das selbst Hugh aussieht wie der Dentagard-Biber.

Die Stadtneurotikerinnen

Können mit Filmen nach 1980 nicht viel anfangen, gehen deshalb selten ins Kino, gucken aber im Fernsehen gerne die alten Schinken, am liebsten in schwarz-weiß und gerne von Woody Allen. Ein leichter Diane-Keaton-Touch in Kleidung und beim Brillengestell ist oft nicht zu übersehen. "Annie Hall", "Radio Days" und "Manhattan" sind natürlich Pflicht im Augenhöhen-Regal, eine Film-Noir-Collection oder "Thomas Crown ist nicht zu fassen" mit Steve McQueen und Faye Dunaway kommen ebenfalls sehr gut.

Die Reaktionen dieses Filmfrauentyps reichen von mehrfach gejuchzten "Uuuuuhs" und "Aaahhhs" bis hin zu freudigen, leicht übertriebenen Applaus-Anfällen mit eng aneinander gepressten Unterarmen. Kichern auch oft beim Filmegucken oder dann, wenn man nach ihrem Einpark-Versuch den alten Woody-Gag "Den Rest bis zum Bürgersteig können wir ja laufen" bringt.

Die Goldene Bärin

Der mit Abstand schwierigste Typ. Diese Frauen haben fast alles gesehen, was in den letzten Jahren auf wichtigen oder unwichtigen Festivals lief. Kennen auch die Filmografie irgendwelcher Nebendarsteller aus Ländern mit latenter Vokalarmut im Namen.

Leider gibt es die meisten dieser Filme nicht auf DVD, deshalb kratze ich meine wenigen Filmkunsttitel zusammen und hoffe auf ein wenig Gnade. Ein gemurmeltes "Mmmmhhhmmmmm" gilt schon als Ausdruck der Entzückung.

Mit diesen Frauen geht man sowieso am besten ins nächste Programmkino. OV oder OmU sind natürlich Pflicht.

Die Serientäterin

Hat schon früh erkannt, dass die DVD-Hüllen von Filmen immer so dünn sind und die Scheibe so schnell zu Ende. Deshalb legte sie sich sämtliche tolle Serien dieser Welt in dicken Boxen zu, vor allem aus Amerika: die frühen Sachen wie "Akte X", Atmen raubende wie "24", lustige wie "Boston Legal" oder tief schürfende wie die "Sopranos" oder "Six Feet Under".

Diese Serien stehen natürlich bei mir dann auch ganz vorne im Regal, dazwischen dann auch solche Geheimtipps wie "The Wire" oder "Dexter". Ihre Kommentare spricht sie in ganzen Sätzen, meistens "Die hab ich auch!" oder "Die wollt ich auch schon immer mal sehen!".

Dann klimpern meine Augen, ich lächle wie Hugh Grant und stelle mir vor, ich cruise mit ihr im Buggy am Strand umher wie damals Steve und Faye in "Thomas Crown".

Erwähnte ich schon, dass bei mir der "Ist-beeindruckt-Effekt" manchmal ziemlich schnell einsetzt?

Text: Dirk Brichzi Foto: Theresa Rundel
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