Für dich, Baby!

Geizige Männer sind die Hölle. Großzügige auch. Denn umsonst kriegt man sie nicht, diese grenzenlose Freigiebigkeit.

Es ist Freitag, erkennbar an den Blumen. Freitag macht der Mann früher Schluss, er schlendert über den Markt und kauft den Blumenstand leer. Kommt nach Hause, lässt zwei Arme voller Blumen auf den Küchentisch fallen, sagt "Für dich" und "Sind die nicht schön?". Ja, sehr schön, das findet auch meine Nachbarin, sie kommt jeden Samstag auf einen Kaffee vorbei, sieht Rosen, Tulpen, Chrysanthemen, blickt waidwund aus der Wäsche und sagt: "Der Nick bringt mir nie Blumen mit!", und ich denke jedes Mal: Du weißt gar nicht, wie gut du es hast.

Ich habe nicht genügend Vasen, und einmal die Woche drapiere ich mir an fünf dutzend Rosen die Finger blutig, es dauert wenigstens eine Stunde. Das ist das eine. Außerdem sind die Blumen nur ein harmloser Nebenschauplatz, ein bunter Winkel meines Alltags, der dominiert wird von der haltlosen Großzügigkeit dieses Mannes.

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Ich mag Obst. Er kauft es, kauft alles, Flugmangos, Ananas, Trauben, saisonübergreifend, Geld spielt keine Rolle. An Weihnachten weinen die Kinder, weil der größte der riesigen Paket- Berge ihrer Mutter zugedacht ist. Wenn wir uns ein Wochenende zu zweit machen, gehen wir in die teuersten Restaurants, und am dritten Abend tropft Angstschweiß von meiner Stirn, wenn ich das Wort "Amuse-Gueule" nur höre.

Kein Mitleid, um Gottes willen, ich finde nur, dass man offen darüber sprechen sollte. Über geizige Männer wird ja auch geredet, wie sie aufjaulen, wenn die Frau Schuhe kauft oder das Schnitzel beim Metzger statt beim Discounter. Vor dem jetzigen kannte ich Männer, die immer ihren aktuellen Kontostand im Kopf hatten, und habe viel schlechten Wein getrunken in dieser Zeit. Großzügig scheint besser, ganz klar. Aber ich bleibe dabei, es ist ein Problem, und dafür gibt es Gründe, ich fange jetzt mal mit den naheliegenden an.

Also: Selbst Flugmangos verlieren ihren Reiz, wenn man zehn Stück in zwei Tagen essen muss, damit sie nicht verfaulen. Naheliegend auch, dass ich einem Mann, der mich unter Geschenken begräbt, kein Taschenbuch zum Geburtstag überreiche, ich habe nur die Wahl zwischen finanziellem Ruin oder dem Verlust der Selbstachtung. Ich entscheide mich jedes Mal für den Ruin, und also habe ich schlaflose Nächte, und wenn ich nicht genug schlafe, habe ich sehr schlechte Laune. Ja, und dann ist der gebefreudige Mann natürlich längst nicht ausgelastet mit einer Frau und zwei Kindern, er hat Freunde und Verwandte, und alle kriegen reichlich.

Nehmen wir die Nichte: Sie hat Geburtstag, sie hat ein Pony, er schenkt ihr einen Western-Sattel. Weißes Leder und um 50 Euro auf 250 reduziert. Ein echtes Schnäppchen, könnte man sagen, oder aber: Hätte es eine neue Gerte nicht auch getan? Und dann frage ich mich: Was wird seine Schwester unseren Kindern zum nächsten Geburtstag schenken, ohne sich knickerig vorzukommen? Oder aber: Wessen Geld bläst er da eigentlich raus, teilen wir neben den guten und den schlechten Zeiten nicht auch ein Haushaltseinkommen, und will ich mich mit 125 Euro an einem Westernsattel für eine Elfjährige beteiligen?

So, und jetzt haben wir uns behutsam an die weniger naheliegenden Gründe für meinen total berechtigten Groll herangeschlichen. Das erste Schlüsselwort heißt Achtlosigkeit. Ich weiß doch genau, wie so was abläuft. Habe zu wenig Zeit, keine Lust, weiß seit Wochen, dass meine Freundin heiratet, tue nix. Der Termin rückt näher, der Druck wächst, und einen Tag vor der Hochzeit verwandelt er sich in Panik, also renne ich in die Stadt und kaufe dem Brautpaar eine italienische Eismaschine. Sauteuer. Und trotzdem hab ich ein schlechtes Gewissen. Nicht wirklich mit Liebe ausgesucht, das Ding, hätte sie aber verdient, meine Freundin. So was passiert mir nicht oft, eigentlich will ich mir ja Mühe geben mit den Menschen, die ich mag. Und genau das ist der Punkt, bei meinem großzügigen Mann fehlt die Mühe. Er kauft sich frei mit seiner Großzügigkeit, alles andere ist ihm wichtiger, aber damit keiner es merkt, lässt er's im entscheidenden Moment krachen. Mag sein, dass die anderen es wirklich nicht merken. Ich merke es.

Das klingt jetzt wie der klassische Ehefrauen-Sermon, aber eigentlich will ich ganz andere Sachen. Zuhören, hingucken, helfen, das soll er. Aber das muss man erst mal bringen, einen Mann zusammenzuscheißen, weil er die Wäsche nicht ordentlich faltet, wenn er kurz zuvor ein Kilo weiße Lilien angeschleppt hat. Der Typ macht mich mundtot, seine Großzügigkeit löst in mir eine Beißhemmung aus. Und es nervt mich, dass er nie in meiner Schuld steht, niemandem etwas schuldig sein will. Das ist der zweite hintergründige Grund, warum Großzügigkeit Probleme macht. Das muss man nämlich mal aushalten können als erwachsener Mann, was anzunehmen und dankbar zu sein, statt die gute Geste eines anderen sofort mit einer noch größeren zu nivellieren.

Die Nachbarn springen als Babysitter ein - und kriegen drei Flaschen teuren Rotwein. Die Ehefrau besucht die Schwiegermutter, weil er zu viel Arbeit hat - und kriegt am nächsten Tag ein iPhone. Schwups, hat die Dankbarkeit den Besitzer gewechselt, und der Mann ist wieder Herr der Lage. Und da unterscheidet sich der spendable Mann dann nicht mehr groß vom geizigen. Herr der Lage - das wollen sie beide sein. Nur dass man bei dem großzügigen fürs Dominiertwerden auch noch artig Danke sagen muss.

Text: Britta Schneider Fotos: Tim Kubach; Getty Images Ein Artikel aus der BRIGITTE 05/09
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