Gemeinsam lachen: Wie wichtig ist das?

Liebe ist 
die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle. 

Kurz gesagt: Besser ist es. Wer lebt schon gern in einer Humor befreiten Zone? Jetzt mal ausführlich: "Es ist die einfachste und ungetrübteste Freude der Welt, jemanden zum Lachen zu bringen, der uns etwas bedeutet", schreibt der englische Autor Matt Haig. Eine Liebesbeziehung, in der wir miteinander und übereinander lachen können, ist ein Geschenk. Humor ist eine der Fähigkeiten, die uns Menschen auszeichnet. Guter Humor ist kreativ, löst Spannungen, stellt das wirkliche Leben auf den Kopf und befreit uns für Augenblicke von Ängsten, Zweifeln und Verboten. Er verbessert unsere Kommunikation, weshalb jeder halbwegs gute Redner irgendwo eine witzige Bemerkung einflicht. Und wenn wir auch über uns selbst lachen können, ist es ein Zeichen psychischer Reife. Kreativität, Selbstöffnung, Spannungsabbau und verbesserte Kommunikation - was können wir uns mehr für eine Partnerschaft wünschen?

Schwierige Situationen mit Humor nehmen - so können Krisen überwunden werden 

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn sobald die Liebe kriselt, vergeht uns das Lachen. "Wer sich liebt, der neckt sich" - das bedeutet vor allem, dass wir vertraut und sicher genug miteinander sein müssen, um uns über den Liebsten und seine Macken lustig zu machen. Wenn es so ist, können wir selbst Schwieriges oder Kritisches ausdrücken, ohne dass es verletzend wirkt. Und unser Partner kann es "mit Humor nehmen", es nur so weit an sich heranlassen, wie es ihn nicht verletzt.

Wenn aus Spaß Ernst wird - wann ist Humor nicht mehr angebracht? 

Aber was "doch nur Spaß ist" und wo es ernst wird, trennt nur eine feine Linie. Wenn wir gereizt miteinander umgehen, schaffen witzige Bemerkungen keinen liebevollen Wohlfühlraum mehr, sondern nur das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Dementsprechend sind Paare glücklicher, bei denen die Partner in Konflikten auf aggressiven Humor und vermeidenden Humor verzichten: Mit aggressivem Humor ist die sarkastische Kritik am Partner gemeint, mit vermeidendem Humor, dass mit einer witzig gemeinten Bemerkung das Thema gewechselt wird. Wir müssen nicht unbedingt das genau Gleiche lustig finden, haben Untersuchungen gezeigt. Aber die Beziehungszufriedenheit ist größer, wenn uns bei den Witzen, über die sich unsere Liebste ausschüttet, das Lachen nicht vergeht. Nicht jeder findet Joko Winterscheidt komisch. Und wer sein neues Date gleich zu einem Videoabend mit Ottos "7 Zwerge" einlädt, muss schon mächtig Glück haben, wenn seinem Schneewittchen nicht das Lachen im Hals stecken bleibt.

Rollenverteilung: So unterscheiden sich Männer und Frauen im Humor

Forscher haben einen gar nicht so komischen Unterschied zwischen den Geschlechtern gefunden: Männer geben gern den Comedian, Frauen das kichernde Publikum. Vermutlich wird niemand ernsthaft annehmen, das läge daran, dass Frauen von Natur aus für Humor unbegabt seien. Eher ließ das Rollenverständnis des "schwachen Geschlechts" lange Zeit die aggressive Seite des Humors nicht zu. Doch diese Zeit neigt sich dem Ende zu, wie nicht nur Anke Engelke oder Carolin Kebekus zeigen. Eine witzige Frau wird heute nicht mehr nur als Kumpel geschätzt. Frau muss nicht mehr unterwürfig kichern, um sexy zu sein. Gemeinsamer Humor wird also noch wichtiger. Denn in Paaren, die ein schlagfertiges Stand­up­Duo bilden könnten, vermuten wir die zufriedeneren Partner.

Brigitte 19/2018

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