Heiraten fürs Kind?

Es ist schon merkwürdig: Kaum ist ein Kind unterwegs, treten auch überzeugte Heiratsmuffel vor den Traualtar. Eine gute Idee? Wir geben Entscheidungshilfe.

Bei manchen Paaren war die Hochzeit ohnehin geplant, bei anderen keimt in der Schwangerschaft der Wunsch auf, die kleine Familie rechtlich zu legitimieren. Doch oft werden als Gründe auch finanzielle Sicherheit, Steuerersparnisse oder das gemeinsame Sorgerecht genannt. Das ist allerdings sehr kurz gedacht. Eine Heirat will gut überlegt sein, denn sie kann durchaus Nachteile haben. "Wenn es schief geht, stehen die Ansprüche in keinem Verhältnis zu den finanziellen Vorteilen", sagt Familienanwältin Karin Friedrich-Büttner aus ihrer beruflichen Erfahrung. Das sollte man bedenken:

Durch diese einfachen Gestern wird die Beziehung gestärkt

Sorgerecht

Klar, wer verheiratet ist, bekommt automatisch das gemeinschaftliche Sorgerecht für das Kind. Doch auch als unverheiratetes Paar kann man seit 1998 beim Jugendamt das gemeinsame Sorgerecht beantragen - bereits vor der Geburt.

Unterhalt

Für den Kindesunterhalt spielt es keine Rolle, ob man verheiratet ist oder nicht. Für den so genannten Betreuungsunterhalt schon: Der Elternteil, der das Kind betreut, hat Anspruch auf Unterhalt durch den Partner. Bei Unverheirateten ist dieser Anspruch gesetzlich auf drei bis fünf Jahre begrenzt, bei geschiedenen Paaren endet er oft erst mit dem 15. Lebensjahr des jüngsten Kindes. Die Unterhaltsverpflichtung ist bei einer Scheidung also deutlich länger.

Steuern

Der Grund, warum viele überlegen, Ringe zu tauschen: Steuerliche Vorteile gibt es nur für verheiratete Paare, weil man sich gemeinsam veranlagen lassen kann ("Ehegatten-Splitting"). Man spart besonders viel, wenn die Einkommensunterschiede groß sind. Unverheiratete Paare reichen wie gehabt getrennte Steuererklärungen beim Finanzamt ein.

Erbrecht

Hier werden unverheiratete Paare besonders stark benachteiligt: Stirbt ein Partner, geht der andere leer aus. Nicht eheliche Partner erben nur dann, wenn der Verstorbene das in einem Testament oder einer anderen letztwilligen Verfügung festgelegt hat. Und dann langt der Staat richtig zu: der Hinterbliebene hat lediglich einen Freibetrag in Höhe von 5.200 Euro. Zum Vergleich: Ein Ehegatte genießt einen Freibetrag von 307.000 Euro sowie einen Versorgungsfreibetrag von bis zu 256.000 Euro. Immerhin sind die Kinder von verheirateten und unverheirateten Paaren gleichberechtigt. Sie können ererbtes Vermögen bis zu 205.000 Euro steuerfrei behalten.

Hartz IV

Vorteile haben nur Paare, die nicht zusammen wohnen - egal, ob sie verheiratet sind oder nicht. Sobald man sich die Wohnung teilt, wird das Einkommen und Vermögen des Partners bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes II einbezogen.

Rente

Wer nicht verheiratet war, kann auch nicht von den Rentenansprüchen des Lebenspartners profitieren. Rentenanwartschaften können nur nach einer Scheidung übertragen werden (Stichwort "Versorgungsausgleich").

Schulden

Ob verheiratet oder nicht: Wenn der Partner Schulden hat, muss der andere nicht dafür geradestehen. Es sei denn, man hat gemeinsam einen Vertrag unterzeichnet.

Fazit

Auch wenn mit dem Trauschein steuerliche Vorteile winken und längere Unterhaltsansprüche bestehen, sollte eine Heirat nicht unbedingt von finanziellen Motiven abhängig gemacht werden. "Man sollte sich gut überlegen, ob man wirklich unter dem Aspekt der Dauerversorgung heiraten will. Das geht sehr oft schief und die Paare sehen sich nach fünf bis zehn Jahren vor dem Familienrichter wieder," sagt Karin Friedrich-Büttner.

Auch ein Ehevertrag hilft nicht immer weiter. Nach der jüngsten Entscheidung des Bundesgerichtshofes sind viele Ansprüche im Ehevertrag nicht mehr verlässlich regelbar.

In die Überlegung einbeziehen sollte man auch, dass eine gerichtliche Trennung nicht nur besonders schmerzhaft, sondern auch kostspielig ist. Selbst eine Standardscheidung ist nicht unter 2.000 Euro zu haben.

sar
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