Ina Rudolph: "Um die Liebe dreht sich alles"

Schauspielerin, Autorin, Regisseurin: Ina Rudolph erzählt im BRIGITTE.de-Interview, warum Liebe ihr so wichtig ist.

Sie wurde bekannt durch TV-Serien wie "Hinter Gittern", "Verliebt in Berlin" und "Familie Dr. Kleist". Vor kurzem hat sich die Schauspielerin Ina Rudolph auf ein neues, kreatives Terrain gewagt. Sie schrieb ein Buch und führte erstmals Regie. Das Stück "Tageszeiten der Liebe" feiert heute Abend in der Berliner Theaterbar Premiere. Beide Projekte, das Buch und das Theaterstück, haben eines gemeinsam: Sie drehen sich um die Liebe. Im Interview verrät die Schauspielerin, was die Liebe für sie bedeutet und wie sie sie gefunden hat.

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BRIGITTE.de: Frau Rudolph, Sie sind ein kreativer Tausendsassa. Sie sind Schauspielerin, singen, haben gemodelt, führen Regie und vor kurzen haben Sie auch noch Kurzgeschichten unter dem Titel "Sommerkuss" veröffentlicht. Eine Schauspielerin wird Autorin? Wie kam es dazu?

Ina Rudolph: Ich frage mich manchmal auch, was noch alles in mir schlummert und ob das bei allen Menschen so ist, dass man wahrscheinlich viel mehr in sich hat, als man weiß. Ich wusste von meinem Talent für das Schreiben bis vor zwei Jahren gar nichts. Dann ist es so gewesen, dass immer mehr Leute mir gesagt haben „Was Du schreibst, rührt mich.“ Meine Biographie auf der Internetseite zum Beispiel oder Emails und Exposés. Bevor ich anfing zu schreiben, habe ich einen Haufen Rückmeldungen bekommen, dass das, was ich schreibe, immer gut ist. Das ist so ein Ding, wo ich denke, wenn wir uns alle gegenseitig mehr ermuntern würden, was würden wir alles noch aus uns herausholen.

BRIGITTE.de: Dann haben Sie also Kurzgeschichten geschrieben, die fast alle von der Liebe handeln. Unter anderem schreiben Sie: "Um die Liebe dreht sich doch alles im Leben." Und wenn man sie nicht findet?

Ina Rudolph: Dann dreht es sich auch ums Lieben, dann geht's um das Suchen der Liebe. Ich sehe die Liebe nicht nur als die Liebe zwischen Mann und Frau. Man sucht immer nach der Liebe - und wenn es ein Hund ist, Pflanzen oder eine Beschäftigung. Ich glaube, das ist es, was uns alle antreibt. Ein Suchen nach diesem Gefühl.

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BRIGITTE.de: Haben Sie die Liebe gefunden?

Ina Rudolph: Ich würde schon sagen. Ich spüre sie auch nicht immer, aber schon viel.

BRIGITTE.de: Das heißt, Sie haben einen Partner gefunden haben?

Ina Rudolph: Ja, habe ich.

BRIGITTE.de: In Ihrem Buch geht es oft darum, wie Menschen einen Partner finden. Wie haben Sie Ihren gefunden?

Ina Rudolph: Ich glaube, im Grunde ist es egal, wo man ihn findet. Es war bei mir so, dass ich mich viele Jahre hab treiben lassen. Dann bin ich hier rein gestolpert, dann da rein gestolpert. Das hatte keinen Plan und das war auch gut so. Das hat sich eine ganze Weile gut angefühlt.

BRIGITTE.de: Und dann?

Ina Rudolph: Im letzten Jahr habe ich gemerkt: Ich möchte das jetzt nicht mehr so. Ich möchte nicht mehr ausgehen und dann gefällt mir wieder einer, der riecht gut, oder hat irgendetwas äußerliches, was mir gefällt, dann fliege ich da wieder drauf.

BRIGITTE.de: Was haben Sie geändert?

Ina Rudolph: Ich habe angefangen, mir richtig Gedanken zu machen, was ich suche, was ich möchte, was mir eigentlich wichtig ist, was sich immer gut angefühlt hat, was nicht. Ich habe alles aufgeschrieben, das war wie Bilanz ziehen. Und in dem Moment, wo das klar ist und auf dem Papier steht, sucht der Körper nicht mehr in den anderen Kategorien, dann sucht er in den richtigen. Dann ist es relativ einfach gewesen: Mein Freund ist mir einfach zugeflogen.

Auf der nächsten Seite: Wie bleibt man ein Paar?

BRIGITTE.de: In der Kurzgeschichte "Sonntag" beschreiben Sie, wie ein Paar die Liebe gefunden hat, sie in der Routine des Alltags aber zu verlieren droht. Einige Seiten später fragen Sie: "Wie bleibt man ein Paar, wie wächst man zusammen?" Haben Sie eine Antwort?

Ina Rudolph: Also, ich würde mich nicht versteigen, eine Antwort fürs ganze Leben zu haben. Das kann ja keiner wissen. Man kann immer nur in dem Moment, wenn man gerade in einer Krise steckt, fühlen, ob man weiter gehen will oder nicht. Deswegen habe ich zwar schon immer eine Antwort für den Moment, in dem gerade etwas schwierig ist. Aber was das ganze Leben betrifft - das habe ich nicht erfahren und dazu kann ich nichts sagen.

BRIGITTE.de: Was machen Sie in diesen schwierigen Momenten?

Ina Rudolph: Wenn es um Freunde oder Partnerschaft geht, dann ist es mir wichtig, dass der andere immer er selbst bleibt und dass ich den anderen unterstütze in dem, was er will. Das gleiche möchte ich auch.

BRIGITTE.de: Das heißt konkret

Ina Rudolph: Mir ist nicht in erster Linie wichtig, dass wir Freunde oder ein Paar bleiben, sondern, dass ich weiß: Was sind seine Wünsche und Sehnsüchte, um ihn bei dem zu unterstützen, was er wirklich will. Das ist für mich Liebe und Freundschaft, mich dem anderen wirklich zuwenden. Das andere wäre egoistisch, nur zu sagen, du musst bei mir bleiben, ich will, dass das hier weitergeht.

Auf der nächsten Seite: Wenn der Partner popelt und pupst

BRIGITTE.de: In einer anderen Geschichte beschwert sich die Protagonistin darüber, was man alles aushalten muss, wenn man mit jemandem sein Leben teilt: "popeln, pupsen, Mundgeruch. Eine Zumutung. Oder eine Meisterleistung.", fragt sie sich. Was glauben Sie?

Ina Rudolph: Mal so, mal so. Das kann sich von Tag zu Tag ändern. Das hängt immer von der Einstellung ab, die man dem anderen gegenüber hat. Wenn ich selbst sehr angespannt bin, wenn ich gerade nicht im Reinen bin mit allem, dann ist das alles anstrengend und nervig. Wenn man sich gerade sehr gut versteht und alles ist harmonisch, dann macht einem das nichts aus.

BRIGITTE.de: In "Wiedersehen" fragen Sie nach dem Sinn des Lebens: "Möglicherweise sind all die Fertigkeiten und das Wissen, das die Menschen sich während ihres Lebens aneignen, nicht so wichtig wie ihre eigene Entwicklung? Ein freier. liebender Mensch zu werden." Was bedeutet das für Sie?

Ina Rudolph: Es gibt natürlich keine Dreisatzformel. Ich kann nur von mir sagen, dass es Zeiten gab, in denen ich so viel gemacht habe, gearbeitet habe, und so weiter, wo mir die menschlichen Beziehungen, mein Sein auf der Welt gar nicht mehr wichtig waren. Wo es nur ums Produzieren ging, ums machen, ums Weiterkommen. Und wenn es so drunter und drüber geht, hilft es zu fragen: Was sind die Basisdinge?

BRIGITTE.de: Welche sind das?

Ina Rudolph: Essen, schlafen, atmen. Das ist auch schon Leben. Es muss nicht der Supererfolg sein, ganz viel Geld, die große Liebe. Sondern erst mal runterkommen und sich mit sich selbst und den anderen beschäftigen können, sich zu fragen, was liebe ich denn eigentlich. Also nicht nur durch den Alltag zu hetzen, von hier nach dort, ohne etwas mitzubekommen.

Auf der nächsten Seite: Vom Theaterfan zur Regisseurin

BRIGITTE.de: Auch die von Ihnen initierte Theaterreihe "Liebe ist!" in der Berliner Theaterbar dreht sich um Liebe. Wieso nach dem Buch auch noch dieses Projekt über die Liebe?

Ina Rudolph: Ich bin jahrelang ins Theater und die Oper gerannt. Dann habe ich gemerkt, es gibt nicht mehr so viel, was mir gefällt. Ich war ein paar Mal in Theaterstücken, die mich abgeschreckt haben. Selbst in der Oper hängen sie jetzt Menschen nackt an der Decke auf und lassen sie blutüberströmt runterhängen. Oder alle sind nackt, es gibt kein Geheimnis mehr. Es gibt so viele Performances, wo gar keine Geschichten mehr erzählt werden. Und davon habe ich mich abschrecken lassen.

BRIGITTE.de: Sie wollten also wieder etwas schönes auf der Bühne erzählen?

Ina Rudolph: Ich sehe so viel Theater, wo das Schlechte der Gesellschaft, das, was nicht mehr funktioniert, auf die Bühne geholt wird. Dann sehe ich ewig dieses schlechte Abbild, wo keiner mehr Kontakt mit dem anderen aufnimmt, alle rennen aneinander vorbei, reden eigentlich nicht miteinander, sondern monologisieren nur vor sich hin, sprechen ihre Texte nach vorne. Auf eine Weise prangert diese Art des Theaters das ja auch an, zeigt mir einfach diese schlechte Seiten. Mich nervt das aber.

BRIGITTE.de: Was machen Sie anders?

Ina Rudolph: Ich möchte jetzt kein Eiapopaia -Theater machen, wo sich alle lieb haben. Irgendwie habe ich das Gefühl gehabt, zeigen zu müssen, wie es funktionieren kann, wo der Ansatz für die Wärme ist. Es geht auch nicht immer nur um die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern einfach darum, dieses Leben zu lieben und wie das gehen kann.

Auf der nächsten Seite: Versuchungen sollte man nachgeben

BRIGITTE.de: Am 18. Juni feiert das Stück "Tageszeiten der Liebe", bei dem sie erstmals Regie führen, Premiere. Was ist für sie einfacher: Über die Liebe zu schreiben, sie als Schauspielerin zu spielen oder sie als Regisseurin zu inszenieren?

Ina Rudolph: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Das bedingt sich gegenseitig. Beim Schreiben habe ich oft gedacht, dass es eigentlich wie spielen ist. Ich gehe in meiner Phantasie durch diese Räume, ich bin dann die Figur und schreibe auf, was sie fühlt und wie es ihr geht. Dann springe ich in die andere Figur, bin die und führe die Geschichte aus ihr weiter. Im Grunde ist es vergleichbar mit dem Schauspielen, nur dass ich nicht vor Leute stehe, aber innerlich mache ich es trotzdem. Und das geht dem richtigen Schauspiel auch voraus, dass ich mich in die jeweilige Person hineinversetzen kann, dass ich die fühle.

BRIGITTE.de: Und die Regie?

Ina Rudolph: Am Anfang habe ich mich gewundert, wie leicht es geht. Natürlich hatte ich Manschetten, weil ich dachte: "Hey, jetzt wagst du dich noch an eine neue Baustelle ran." Auf der anderen Seite habe ich gedacht: "Los, mach mal. Du wirst ja sehen, ob es geht." Ich habe einen Mentor, der mir hilft. Allerdings ist es schwer alles unter einen Hut zu bringen: Ich will jetzt auch noch Lesungen machen, habe einen Freund, ein Kind, leite das Theater, führe Regie. Manchmal denke ich: "Mann, jetzt ist mein Kopf aber ganz schön voll."

BRIGITTE.de: Auf ihrer Homepage steht ein Zitat von Oscar Wilde, was gut zu ihren vielen Baustellen passt: "Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen!"

Ina Rudolph: Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint. Aber ich versuche, mich zumindest nicht zu sperren. Ich kenne viele Leute, die immer so wahnsinnig vernünftig sind und sich auf Wagnisse nicht einlassen. Ich bin auch manchmal so. Manchmal sage ich auch: "Ach, komm, das ist unvernünftig, das kann doch nichts werden." Aber dann frage ich mich nochmal: "Aber ist es nicht auch eine geniale Versuchung? Ist es nicht auch etwas, was dein Wunsch ist, oder was dich weiterbringt, eine neue Sicht auf das Leben oder neue Entwicklung bieten kann?"

BRIGITTE.de: Welcher Versuchung haben Sie zuletzt nachgegeben?

Ina Rudolph: Die letzte große war diese Theaterreihe. Von dem Moment, in dem die Idee da ist, bis zu dem, in dem wirklich ein Stück aufgeführt wird, ist ein langer Weg, wo immer wieder zwischendurch die Frage aufkommt "Will ich das wirklich machen". Diese ganze Verantwortung für das alles auf sich zu nehmen, das Geld zu organisieren, und so weiter. Zum Beispiel hatte ich bei dem ersten Stück einen ganz tollen Regisseur, aber es ist nicht das herausgekommen, was ich wollte. Es hat keine echte Liebesgeschichte erzählt. Ich habe also einer Versuchung nachgegeben, aber es ist nicht das geworden, was ich wollte.

BRIGITTE.de: Vielleicht ist erzählen und inszenieren nicht immer die richtige Methode von der Liebe zu erzählen. Sie singen auch: Welches ist ihr liebstes Liebeslied?

Ina Rudolph: Es gibt eine CD, auf die ich seit ein paar Jahren stehe. Es ist ein Musiker, der auch in Berlin lebt. Seine erste Platte ist voll mit berührenden Liebesliedern. Er heißt Ben Hamilton.

Sommerkuss Ina Rudolph Verlag Neue Literatur 14,90 Euro

Interview: Britta Hesener Foto: Nik Konietzny
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