Kann man jemanden dazu bringen, einen zu lieben?

Liebe ist die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle?

Can't buy me love

Die Beatles. Ihr Song "The End": "And in the end, the love you take is equal to the love you make". Es ist die Herz-Schmerz-Frage aller unglücklich Verliebten. Von all denen, die tiefe Gefühle für jemanden hegen, ohne dass diese Gefühle erwidert werden. Aber es ist sicher auch die Frage vieler Liebender, deren Liebe nach Monaten oder Jahren einer Liebesbeziehung nicht mehr auf Gegenliebe trifft. "Can’t buy me love" – das haben die Beatles auch gesungen (selbst wenn das angesichts der jungen attraktiven Partner*innen, die sich die Vermögenden reihenweise zulegen, sehr infrage steht. Aber ob das wirklich immer Liebe ist, steht auf einem anderen Blatt).

3 Gründe, warum er dich betrügt, obwohl er dich liebt

Nun bringen wir ja mit Glück durchaus andere dazu, uns zu lieben. Wir wissen nur nicht wie. In was verlieben sich andere an uns? Und umgekehrt, wissen wir wirklich, warum wir diesen Menschen lieben, den wir lieben? Ja, wir wissen vielleicht, was uns angezogen hat. Und später, wenn die Liebe wächst, dann lieben wir bestimmte Eigenschaften ganz besonders. Sein Aussehen, seinen Humor, seinen Mut, sein Einfühlungsvermögen, seine Stärke, seine Intelligenz, seine Zuverlässigkeit, seine Fähigkeit, sich auch mal schwach zu zeigen. Nur hilft uns das alles nicht weiter, wenn wir möchten, dass uns jemand liebt. Denn weder wissen wir, wodurch die Liebe des anderen zu wecken ist, noch können wir aus unserer Haut.

Oskar Holzberg, 64, berät seit mehr als 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und bekommt immer wieder Beziehungsfragen gestellt. Sein aktuelles Buch heißt: "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (242 S., 20 Euro, Dumont).

Der US-amerikanische Star-Journalist Malcom Gladwell hat sich mal gefragt, was Erfolg ausmacht: Wie unterscheiden sich die, die erfolgreich sind, von denen, die keinen Erfolg haben? Nach längerer Recherche war seine Antwort: Erfolg hat, wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Also letztlich nichts anderes als: Glück gehabt. Jenes Glück, von dem wir auch in der Liebe sprechen und das sich nicht planen lässt. Gladwell fand aber noch eine weitere Antwort: Auch, wer mehr übt als die anderen, noch mehr als die mittlerweile sprichwörtlichen 10 000 Stunden, bringt es bei etwas Talent zur Exzellenz. Aber ernsthaft: Liebe üben?

Doch tatsächlich machen wir unser Leben lang genau das. Wir lernen von denen, die uns als Kinder lieben, wie wir selbst liebevoll, fürsorglich, verständnisvoll sein können. Wir lernen, achtsam mit anderen zu sein und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Wir lernen Freunde zu finden und Beziehungen zu pflegen. Das sind alles wichtige Elemente einer Liebesbeziehung. Wir lernen, uns um jemanden zu bemühen, auf ihn einzugehen. Deshalb können wir um einen anderen werben. Wir können versuchen, ihn zu verführen. Manchmal schaffen wir es, durch unaufdringlich ausdauernde Zuwendung so viel Geborgenheit im Begehrten auszulösen, dass darüber in ihm die Liebe erwacht. Und manchmal überzeugt es, dass wir so unbeirrt an die Liebe zwischen uns glauben.

Liebe lässt sich nicht erzwingen

Aber natürlich kann das auch schrecklich schiefgehen. Vielleicht erscheinen wir lächerlich. Vielleicht werden wir die allerbeste Freundin, aber geliebt wird eine andere. Jemanden dazu zu bringen, uns zu lieben, bleibt im besten Fall ungewiss. Viel häufiger ist es unmöglich, völlig vergebliche Liebesmüh. Liebe lässt sich nicht berechnen. Liebe lässt sich nicht beliebig herstellen. Wir sollten deshalb lieber alles tun, um ein liebenswerter Mensch zu sein und zu werden – was immer ein liebenswerter Mensch nach unseren Vorstellungen ist. Dann werden uns schon die Richtigen finden. Und die haben wir dann tatsächlich dazu gebracht, uns zu lieben.

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BRIGITTE 17/2019

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