Jugend im Jahr 2009: "Unsere Generation ist viel braver"

Wie tickt die Generation von morgen? Sechs 14-jährige Mädchen erzählen, was sie denken, was sie fühlen, was ihnen wichtig ist.

Annika: "Man muss lernen, sein eigenes Ding zu machen"

Alexandra: "Mir ist wichtig viel zu lernen"

Inessa: "Glück ist für mich, ich selbst zu sein"

Mona: "Einen Freund kann ich gar nicht gebrauchen"

Romina: "Zirkusfamilien sind anders"

Sonja: "Wenn ich was will, ziehe ich das durch"

"Man muss lernen, sein eigenes Ding zu machen"

Annika Mäcke

Die meisten Probleme bespreche ich mit meinen Freundinnen. Mit meiner Mutter ist das schwer. Sie hält mir dann immer Predigten. Streit gibt es, wenn ich zu spät komme oder nicht genug Zeit mit der Familie verbringe.

Ich glaube, weil wir eine Patchwork-Familie sind, bin ich verantwortungsbewusster und selbstständiger als andere. Wir haben auch nicht soviel Geld, ich bin nicht verwöhnt wie manche meiner Freundinnen. Wir machen immer eine Art Wettbewerb, zum Beispiel: Wer findet die billigste Tankstelle. Wenn man ärmer ist, entwickelt man Kampfgeist.

Meine Mutter hat vor zehn Jahren wieder geheiratet. Dann sind wir hierher gezogen. Hier gibt es eigentlich nichts für Jugendliche. Manchmal nervt es, für alles fahren zu müssen, aber ich kann mir nicht vorstellen, in der Stadt zu leben. Wenn ich erwachsen bin, möchte ich lieber auf dem Land leben.

Zu meinem Stiefvater sage ich Papa. Zuletzt hat mein richtiger Vater sich vor zwei Jahren zu meinem Geburtstag gemeldet, aber das war Zufall, eigentlich wollte er etwas von meiner Mutter. Er will keinen Kontakt zu mir und ich auch nicht zu ihm.

Wenn wir uns streiten, dann sind wir alle immer sehr laut. Ich gehe dann in mein Zimmer und knall die Tür. Später reden wir miteinander und meist verstehe ich die Argumente meiner Eltern. Manchmal fühle ich mich in der Familie einsam, weil ich nicht beachtet werde. Beim Abendbrot sind wir alle zusammen. Die Kleinen erzählen immer und machen Krach, da komme ich selten zu Wort.

Früher bin ich im Gymnasium gemobbt worden. Dafür gab es keinen Grund. Ich hab mir im Internet Sprüche herunter geladen. Zum Wehren. Es hat auch funktioniert.

Vor einiger Zeit habe ich angefangen, mir die Augen ganz stark zu schminken und Heavy Metal zu hören. Wenn jemand motzt, dass ich so stark geschminkt bin, dann sag ich: Deinem Gesicht würde Schminke auch mal gut tun. Das ist für mich so eine Art Schutz.

Wenn ich erwachsen bin, möchte ich erstmal ausziehen und auf eigenen Beinen stehen. Man muss lernen, sein eigenes Ding zu machen. Ich will Geld verdienen, um ein anständiges und glückliches Leben zu haben. Wenn man kein Geld hat, dann hat man Sorgen. Eine Familie wäre toll, aber Kinder sind auch anstrengend. Und ich glaub, dass man noch was an der sozialen Stellung der Frauen ändern muss und an der von Familien.

Protokoll: Andrea Jeska

Name:

Annika Mäcke

Wohnort:

Friedeburg in Ostfriesland in einem modernisierten Bauernhaus

Geschwister:

3 (25, 6,4)

Schule:

Gymnasium

Berufswunsch:

Kriminalpolizistin

Familienwunsch:

Ehemann und zwei Kinder

Mutter:

Diplom-Sozialarbeiterin

Stiefvater:

selbstständig in der Computerbranche

Taschengeld:

30 Euro im Monat. Wird ausgegeben für CDs, Zeitschriften, Schminke, Accessoires

Eigener Computer:

ja

Erlaubte Zeit am Computer:

täglich mindestens 90 Minuten

Eigenes Handy:

ja

Nintendo:

ja/selber gekauft

I-Pod:

ja/selber gekauft

Eigenes Zimmer:

ja

Wichtig:

Vertrauen, Verantwortung, Bildung, Freunde, Familie

Hobbys:

Reiten, Schwimmen, Skaten, Schreiben, Lesen, Freunde treffen

Pflichten:

Katze füttern, Gras für die Kaninchen holen, Tisch decken, einmal in der Woche staubsaugen

"Mir ist wichtig viel zu lernen"

Alexandra Constanze Ilsabe von Bülow

Die Jüngste zu sein, finde ich nicht leicht. Das geht nur, wenn man durchsetzungsfähig ist. Wie ich. In unserer Familie wird viel diskutiert, auch über Politik, und wir sind dabei alle immer ziemlich laut. Eigentlich diskutieren und reden wir ständig über etwas.

Manchmal lüge ich, das würde ich mir gerne abgewöhnen. Mit Lügen kommt man nicht weiter. Manchmal bin ich frech und vorlaut, auch das könnt ich ändern, aber ich will nicht.

Ungerechtigkeit macht mich wütend, zum Beispiel wenn meine Brüder mir etwas wegnehmen. Auf der anderen Seite habe ich viel Humor, bin selbstbewusst. Wer mich kennt, der weiß, wer ich bin, und die anderen geht es nichts an. Deshalb habe ich bei Schüler VZ auch nichts über mich stehen.

Viele meiner Freunde setzen sich Ziele. Meine Generation kann es sich nicht leisten, in den Tag hinein zu leben. Ich orientiere mich an meinen Geschwistern. Meine Schwester hat viele Sprachreisen gemacht und ein gutes Abi. Das möchte ich auch. Wir haben viele Chancen heute, aber wir haben auch mehr Konkurrenz. Man muss gute Bildung haben. Deshalb ist es mir wichtig, viel zu lernen.

Ich glaube nicht, dass man die Welt noch verändern kann. Meine Generation demonstriert nicht mehr so viel, weil das meiste nichts bringt. Wenn ich studieren gehe, dann werde ich nebenbei Reitstunden geben, damit ich finanziell abgesichert bin. Geld ist nötig, um sicher zu sein. Nicht, um reich zu werden.

Meine Wünsche sind nicht groß. Ich möchte ein gutes Abi, studieren, ich möchte einmal Kinder haben und einen Mann. Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich wünsche mir noch, dass mein Pferd ein Fohlen bekommen darf. Nach meiner Konfirmation mache ich mit meiner Mutter eine Reise nach Island, nur wir beide. Dafür hat Mama das Reiten wieder angefangen.

Protokoll: Andrea Jeska

Name:

Alexandra Constanze Ilsabe von Bülow

Wohnort:

Gudow im Herzogtum Lauenburg auf dem Familiengut

Geschwister:

3 (20, 18,17)

Schule:

Gymnasium

Berufswunsch:

nebenberuflich Reitlehrerin

Familienwunsch:

Ehemann und Kinder

Mutter:

Kunsthistorikerin, "Leiterin des Familienunternehmens"

Vater:

selbstständig in der Versicherungsbranche, im Nebenberuf Landwirt

Taschengeld:

20 Euro im Monat. Wird ausgegeben für Telefonkarte

Eigener Computer:

ja

Erlaubte Zeit am Computer:

wöchentlich 90 Minuten

Eigenes Handy:

ja

Nintendo:

nein

I-Pod:

ja/selber gekauft

Eigenes Zimmer:

ja

Wichtig:

Verantwortung, Bildung, Zielstrebigkeit, Familie

Hobbys:

Reiten, Hockey, Tennis, Klavier

Pflichten:

sich um ihr Pferd kümmern, Klavier üben, ihre Sachen aufräumen, Tisch abdecken

"Glück ist für mich, ich selbst zu sein"

Inessa Rüster

Wir wissen seit einigen Monaten, dass ich hochbegabt bin. Vorher dachte ich, ich sei ein bisschen doof. Ich hatte Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und schlechte Noten. Ich hab eine Klasse übersprungen, und dann sagten alle, das sei wohl ein Fehler gewesen. Aber nun weiß ich, was mit mir los ist.

In meiner Generation muss man individuell sein und viel können. Die Anforderungen steigen, wenn man kein Abi hat, kann man gar nichts mehr werden. Wenn man am Ende der Schulzeit ein schlechtes Jahr hat, dann ist die Zukunft verbaut, weil der Abischnitt so schlecht ist.

Im Gegensatz zu früher hat man heute mehr Herausforderungen, man muss immer alles haben oder können. Man ist schnell ausgegrenzt, zum Beispiel, wenn man kein Handy hat oder die falschen Klamotten trägt. Auf jeden Fall sind das heute unsichere Zeiten als früher. Man muss heute in die Wirtschaft gehen, aber in die oberen Etagen.

Glück ist für mich, ich selbst zu sein, entspannt und irgendwie zeitlos. Gesundheit ist ganz großes Glück. Gute Noten und ein Lottogewinn sind auch Glück, weil man mit Geld und mit Erfolg entspannter sein kann. Ohne Beine kann man eben nicht gehen. Glück ist Unabhängigkeit, über seine eigenen Grenzen hinausgehen. Andererseits sollt man auch abhängig sein können, das führt zu tieferen sozialen Bindungen. Man braucht Unterstützung, man braucht Familie und Freunde. Ich finde es wichtig, nett und freundlich zu anderen zu sein. Ich bin trotzdem eher eine Einzelgängerin, vielleicht hat das etwas mit der Hochbegabung zu tun.

Finanzielle Unabhängigkeit möchte ich auch deshalb, um mir leisten zu können, was ich schön finde. Bücher, Urlaub. Mir wäre es lieber, mein Mann bleibt später zu Hause und kümmert sich um die Kinder.

Meine Vorbilder sind meine Eltern. Die haben immer alles für mich getan, haben dafür gesorgt, dass ich viele Bücher bekomme und so etwas. Ich würde sagen, ich bin sehr privilegiert aufgewachsen. Ich wäre nur gerne selbstbewusster. Ich glaube, ich bin noch leicht zu manipulieren.

Protokoll: Andrea Jeska

Name:

Inessa Rüster

Wohnort:

Dortmund, in einer Mietswohnung

Geschwister:

keine

Schule:

Gymnasium

Berufswunsch:

noch keine Idee

Familienwunsch:

Ehemann (Hausmann) und Kinder

Mutter:

Einzelhandelskauffrau

Vater:

kaufmännischer Angestellter

Taschengeld:

25 Euro, Ausgaben für Handykarte und Zeitschriften, Rest wird gespart

Eigener Computer:

ja

Erlaubte Zeit am Computer:

keine Vorgaben

Eigenes Handy:

ja

Nintendo:

ja

I-Pod:

ja

Eigenes Zimmer:

ja

Wichtig:

Gesundheit, gutes Körpergefühl, Bildung, Familie, Erfolg

Hobbys:

Fußball, Zeichnen, Lesen

Pflichten:

Zimmer aufräumen

"Einen Freund kann ich gar nicht gebrauchen"

Mona Suleiman

Wir stützen uns auf die fünf Säulen des Islam. Meine Eltern haben mich nie dazu gezwungen, denn dann käme mein Glaube nicht aus meinem Herzen. Ich muss zu den Gebetszeiten nicht zu Hause sein. Ich kann Gott überall nahe sein.

Ich gehe jeden Tag nach der Schule und dem Sport ins Jugendzentrum für Mädchen. Da treffen wir uns alle und reden. Manchmal gehen wir zusammen spazieren. Wenn ich Hunger habe, kaufe ich mir ein Brötchen. Wenn das Abendbrot fertig ist, ruft meine Mutter mich auf dem Handy an, dann suche ich meine kleinen Geschwister und wir gehen alle nach Hause.

Ich hab keinen Freund, den kann ich gar nicht gebrauchen. Jungs sind für mich noch unwichtig. Ich will erstmal durch die Schule, dann will ich noch Abitur machen und studieren.

Wir heute sind viel braver als die Jugendlichen vor uns. Vor ein paar Jahren haben die alle geraucht, ey, was hier rumhing, das glaubt man nicht. Die haben Drogen genommen, Alkohol getrunken. Die wollten keine Ausbildung, die hatten zu nichts Lust, die waren zufrieden mit dem wenigen, was sie erreicht haben. Ich finde, ich bin viel reifer als die. Ich kann sehen, und ich sehe, dass aus einem nichts wird, wenn man nur auf der Straße rumhängt.

Meine Mutter wurde mit 13 zwangsverheiratet, mit 15 Jahren war sie zweifache Mutter. Mein Vater ist zehn Jahre älter. Meine Mutter hatte doch gar keine Gelegenheit, über ihr eigenes Leben zu bestimmen. Das können wir heute. Wir haben so viele Möglichkeiten. Aber das ist auch eine Gefahr. Man kann soviel falsch machen.

Wir Geschwister wohnen alle in einem Zimmer. Unsere Wohnung ist viel zu klein, wir suchen schon lange eine Neue, aber weil wir Ausländer sind, nimmt uns keiner. Wir haben jetzt für uns sieben 80 Quadratmeter. Wenn man so eng zusammen wohnt, muss man sich vertrauen. Alle Probleme bespreche ich mit meiner Mutter oder meiner Schwester. Mit ihr kann ich frei über alles sprechen.

Streit gibt es bei uns ganz selten, jedenfalls nicht mit meinen Eltern. Wenn etwas ist, wird darüber diskutiert. Mich stört, wenn meine Eltern ihre Laune an uns auslassen. Im Großen und Ganzen lebe ich in einer glücklichen Familie. Deutsche Eltern finde ich so streng und ganz kühl. Wenn ich mit zu deutschen Mädchen nach Hause gehe, ist das immer so förmlich. Meine Eltern sind lockerer und sie zeigen ihr Liebe und Fürsorge.

Ich fühle mich als Deutsche, auch wenn meine Eltern aus dem Libanon kommen. Papa, glaube ich, ist ein Kriegsflüchtling, Mama wurde schon hier geboren. Zu Hause sprechen wir auch Deutsch. Meine Mutter hört arabische Musik. Ich bin noch nie gemobbt worden und wenn jemand Scheiß-Ausländerin zu mir sagt, was selten passiert, dann nehme ich das nicht persönlich.

Protokoll: Andrea Jeska

Name:

Mona Suleiman

Wohnort:

Berlin, in einer Mietswohnung

Geschwister:

vier

Schule:

Realschule

Berufswunsch:

Ärztin

Familienwunsch:

Ehemann und Kinder

Mutter:

Hausfrau

Vater:

Hausmeister

Taschengeld:

150 bis 170 Euro, kauft davon Kleidung, Handykarte, Schmuck, Bücher

Eigener Computer:

nein

Eigenes Handy:

ja

Nintendo:

nein

I-Pod:

nein

Eigenes Zimmer:

nein

Wichtig:

Allah, Familie, Bildung

Hobbys:

Fahrrad fahren, Hip-Hop, Street Dance, Basketball, Schwimmen, mit Freunden treffen

Pflichten:

Saubermachen, auf die kleinen Geschwister aufpassen und ihnen bei den Schularbeiten helfen, dem Vater beim Kochen helfen

"Zirkusfamilien sind anders"

Romina Casselly

Als ich acht Jahre alt war, hatte ich einen Gehirntumor. Seit der Operation kann ich nicht mehr so gut Akrobatik machen wie früher, ich bekomme Kopfschmerzen. Manchmal, wenn ich einen Bogen turne und mit dem Kopf durch die Beine gehe, wird mir schwindlig und ich zittere mit der linken Hand. Ich muss seitdem härter trainieren. Wir üben jeden Tag mindestens zwei Stunden. Entweder Akrobatik oder Ringtrapez oder Bauchtanz, jetzt trainieren wir gerade voltigieren.

Ich will so gut werden, wie meine großen Schwestern. Mit vier Jahren habe ich angefangen Akrobatik zu machen. Erst auf dem Tisch, dann auf dem Boden. Bei uns ist das so. Sobald die kleinen Kinder einigermaßen laufen können, fangen sie mit Zirkuskunststücken an. Meine Schwestern haben uns alles beigebracht, so geht das bei uns.

Zirkusfamilien sind anders. Wir halten zusammen, bei uns ist das nicht so mit früh einen Freund haben und weggehen. Wenn Alexia, meine Zwillingsschwester und ich vom Zirkusgelände weggehen, dann mit unseren großen Geschwistern. Manchmal sagen die anderen Kinder, kommt mit, aber wir gehen dann erstmal die Mama fragen. Die Mama ist nicht streng, sie hat nur Angst. Nachher ist sie voller Sorge und denkt: wo sind bloß meine Zwillinge. Einmal ist hier ein Mädchen misshandelt worden, seitdem haben Alexia und ich auch Angst.

Ich kann mir kein anderes Leben vorstellen, als das bei uns im Zirkus. Alexia und ich haben im Sommer eigene Kinder-Gruppen. In diesem Sommer hatte ich die Taubengruppe, da lernten die Kinder, Tauben zu dressieren. Ich mache auch Clownkunststücke, das macht mir mehr Spaß. Wir lernen immer wieder neue Kunststücke.

Später werde ich irgendwo in einen anderen Zirkus heiraten. Der hier gehört ja meinen Eltern und dann später meinen Brüdern. Ich will gut dastehen, das ist mir wichtig. Meine Familie aber ist das Allerwichtigste. Wir helfen uns immer alle. Um Probleme zu besprechen ist die Mama am besten. Die Mama ist eben die Mama. Die hilft mir immer, wenn ich ein Kunststück nicht richtig kann oder mir wieder schwindlig ist.

Manchmal denke ich, ich möchte gerne in einem schönen Haus leben. Und manchmal nicht. So ein Wohnwagen ist schon schöner. Wenn man in einem Haus lebt, dann kommt man nach Hause, macht sauber, guckt Fernsehen. Das ist langweilig. Ich kann mir so ein normales Leben nicht vorstellen.

Protokoll: Andrea Jeska

Name:

Romina Casselly

Wohnort:

wechselnde Orte, in einem Zirkuswohnwagen

Geschwister:

sechs

Schule:

Realschule, wird zu Hause unterrichtet

Berufswunsch:

Artistin

Familienwunsch:

Ehemann und viele Kinder

Mutter:

Zirkusdirektorin

Vater:

Zirkusdirektor

Taschengeld:

5 bis 15 Euro, wird ausgegeben für Zirkuskostüme

Eigener Computer:

nein

Eigenes Handy:

ja

Nintendo:

nein

I-Pod:

nein

Eigenes Zimmer:

ja, eigener Wohnwagen

Wichtig:

Familie, gute Ausbildung, Disziplin, Ehrgeiz

Hobbys:

Artistik, Reiten

Pflichten:

Wohnwagen aufräumen, zum Gelingen des Zirkusalltags beitragen, Pferde pflegen, jeden Tag zwei bis vier Stunden trainieren

"Wenn ich was will, ziehe ich das durch"

Sonja Schiffer

Kein Ei mit der 3 kaufen. Keine Brennnesseln entfernen. Strom sparen. Seit ich im Umweltschutzbund bin, achte ich auf solche Sachen. Eier mit der 3 sind aus Käfighaltung. Ich habe viele Freiheiten und kaum Grenzen von zu Hause aus. Freiheit heißt für mich auch Verantwortung, das richtige zu tun. Diese Verantwortung übernehme ich gerne. An unserer Schule bin ich Streitschlichterin, Schülerlotsin und gerade habe ich meine Ausbildung zur Sanitäterin gemacht. Es macht mir Spaß, anderen zu helfen.

Unnötige Diskussionen machen mich sauer. Ich mag keine Quertreiber und keine Leute, die etwas Schlechtes tun, aber dafür keine Konsequenzen übernehmen. Da kann ich aufbrausend sein. Meistens bin ich aber lebensfreudig und fröhlich. Ehrgeizig bin ich dann, wenn ich etwas will. Dann ziehe ich das auch durch.

Ich habe schon immer gerne etwas mit Tieren zu tun gehabt. Unsere Jugendgruppe des BUND habe ich deshalb mitbegründet, weil ich dachte, die machen da nur etwas mit Tieren. Seit unserer Gruppe besteht, haben wir schon einiges auf die Beine gestellt, zuletzt haben wir einen Wettbewerb veranstaltet: Aufdecken, motzen, besser machen.

Wenn ich den anderen vom Klimaschutz oder vom Umweltschutz erzähle, dann winken die ab und sagen, das wissen sie doch schon alles. Das stimmt natürlich nicht, aber es ist schon so, dass Klimaschutz in der Schule in fast jedem Fach inzwischen behandelt wird. Ich glaube, der Klimawandel und die Folgen, das ist ein Problem, was meine Generation begleiten wird. Die Leute wollen nicht einsehen, dass man Strom sparen muss, sein Auto mal stehen lassen sollte.

Aus meiner Familie ziehe ich Kraft. Ich weiß, die würden mich immer stützen. Den engeren Bezug habe ich zu meiner Mutter. Sie ist öfter da als mein Vater. Konflikte werden bei uns sachlich ausgetragen. Ich glaube, Harmonie ist uns sehr wichtig. Weil meine Eltern beide arbeiten, wir auf dem Dorf wohnen und meine Mutter uns viel fahren muss, sind meine Eltern immer in Eile. Ich hätte es später gerne ruhiger, mir wäre das zu viel.

Wenn ich an meine Zukunft denke, dann bin ich positiv. Ich wünsche mir, meine Ausbildung zu schaffen. Das, glaube ich, kann ein großes Problem werden, denn heute kommen auf eine Stelle hunderte von Bewerbern. Danach möchte ich irgendwann eine eigene Familie haben, eine gute Wohnung, ein friedliches Leben.

Protokoll: Andrea Jeska

Name:

Sonja Schiffer

Wohnort:

bei Jüchen in einem Einfamilienhaus

Geschwister:

zwei

Schule:

Realschule

Berufswunsch:

Tierpflegerin

Familienwunsch:

Ehemann und zwei Kinder

Mutter:

Erzieherin

Vater:

Kraftfahrer

Taschengeld:

50 Euro, kauft davon Kleidung, spart für Playstation

Eigener Computer:

nein

Eigenes Handy:

ja

Nintendo:

ja

I-Pod:

nein

Eigenes Zimmer:

ja

Wichtig:

Familie, gute Ausbildung, Verantwortung, Gradlinigkeit

Hobbys:

Umweltschutz, Reiten, HipHop

Pflichten:

keine festen

Themen in diesem Artikel