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Trennung unter einem Dach Was tun, wenn der Ex einfach nicht gehen will?

Beziehungsleben: Paar sitzt getrennt voneinander an Wand
© Kate Kultsevych / Shutterstock
Kann man nach der Trennung noch unter einem Dach leben? Keine gute Idee. Die auch niemand freiwillig hätte – wären da nicht die Ökonomie und die Trennungsverweigerer.

Ich habe Kinder, die schon längst keine Kinder mehr sind, sie sind zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig. Wenn jemand Interesse zeigen will, werde ich gefragt: "Das Älteste ist ein Sohn?" – "Nein, meine Tochter." – "Und, lebt sie in einer festen Beziehung?" – "Ja, sie ist schon länger mit ihrem Freund zusammen." Und daraufhin kommt dann immer die entscheidende Frage: "Wohnen sie denn auch schon zusammen?"

Aus zwei Leben wird eins 

Sobald ein Paar gemeinsam wohnt, wird es als fest verbunden wahrgenommen. Trauschein oder kein Trauschein – dass wir ein Paar sind, wird durch die gemeinsame Wohnung besiegelt. Das ist verständlich. Denn erst hier geben wir unseren Eigenraum auf und begeben uns in die Abhängigkeit vom schwierigen Wir. Aus zwei Leben wird eins. Und wir stellen uns vereint den Feinden von Lust und Liebe – nämlich dem Alltag und der Gewohnheit –, um dafür Geborgenheit zu finden.

Wir lassen schweren Herzens unsere Katze in der Wohngemeinschaft zurück, weil unser Liebster Asthmatiker ist. Wir verzichten, gehen Kompromisse ein und entwickeln eine Welt voller kleiner gemeinsamer, uns verbindender Rituale. Wer zuerst ins Bad geht, wo wir unsere Schuhe stapeln. Und dann nimmt das Leben einen unplanmäßigen Verlauf, und wir trennen uns wieder. Und stellen auf einmal fest, dass wir es gar nicht so leicht können.

Immobilien dienen längst mehr als Wertanlage als dem zutiefst menschlichen Bedürfnis, ein Dach über dem Kopf und ein paar schützende Wände um sich herum zu haben. Entsprechend teuer und knapp ist vor allem in Städten der Wohnraum, den sich Durchschnittsverdiener leisten können. Also leben immer öfter getrennte Paare erst mal weiter zusammen. Und ihre Trennung ist dann wie angehalten.

Wahrheit und Klarheit nach der Trennung

Wer frisch getrennt ist, lebt im Ausnahmezustand. Als Überlebender eines gigantischen seelischen Erdbebens. Wir müssen zu uns kommen, verarbeiten, uns neu finden. Doch durch die Anwesenheit des Ex-Partners fehlt der Raum zum Aufatmen, zum Trauern oder zum Wüten. Vom Raum für potenziell neue Partner oder auch nur One-Night-Stands ganz abgesehen. Statt des unumgänglichen Endes mit Schmerz und Schrecken entsteht ein Schrecken ohne Ende. Feindseligkeit, Wut, Rache, Trauer und Verzweiflung, die wir stoppen müssen, um einander nicht an die Gurgel zu gehen.

Neu in den Partner verlieben: Oskar Holzberg
Oskar Holzberg, 67, berät seit über 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und ist seit über 30 Jahren verheiratet. Sein aktuelles Buch heißt "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (240 S., 11 Euro, DuMont).
© Ilona Habben

Leere und Depression, weil wir so nicht weiterkommen mit unseren Gefühlen. An der Wand die zerschnittenen Hochzeitsfotos. Und immer wieder auflebende Sehnsüchte, die möglicherweise ohnehin dazu geführt haben, dass wir noch zusammen leben. Weil eine oder einer von beiden die Trennung verweigert, unter Vorwänden keine Wohnung sucht und die Beziehung so in Geiselhaft nimmt.

Selten ist ein Paar so erleichtert, getrennt zu sein, dass plötzlich die lange vermisste Harmonie ausbricht. Häufiger soll den Kindern ihr Zuhause erhalten bleiben und keiner möchte das wunderbare gemeinsame Leben mit ihnen aufgeben. Doch die Kinder brauchen Wahrheit und Klarheit. Und die unbewusste Bürde, für das unglückliche Leben von Mama und Papa verantwortlich zu sein, belastet sie. Und daher gilt in allen Fällen: Wenn du getrennt bist, zieh aus. Gleich. Sofort.

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BRIGITTE 19/2020

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