Karrierefrauen: Tipps für die Partnersuche

Selbstbewusst, tough, unabhängig: Karrierefrauen wirken auf Männer oft abschreckend. Wie sie trotzdem einen Partner finden, lesen Sie im BRIGITTE-Interview mit der Psychologin Claudia Clasen-Holzberg.

BRIGITTE: Wie geht der - fast unmögliche - Spagat, wenn eine toughe Managerin zu Hause plötzlich die Anschmiegsame spielen soll?

Claudia Clasen-Holzberg: Es geht natürlich nicht darum, irgendetwas zu spielen. Das würde sowieso nicht funktionieren. Aber auch eine kompetente, toughe Managerin hat eine bedürftige Seite, in der sie sich nach Nähe, Geborgenheit und Intimität sehnt. Bei einer Biografie wie dieser, ist diese Seite vermutlich immer ein wenig zu kurz gekommen, könnte auch angstbesetzt sein. Aber gerade diese weiche Seite, in der es auch um Schwäche und Sehnsucht geht, die dem Partner das Gefühl gibt, auf eine ebenbürtige Weise gebraucht zu werden, könnte auf Männer sehr anziehend wirken. Ein Einstieg könnte sein, sich in privaten Beziehungen überhaupt (also auch in Freundschaften, mit guten Freundinnen) mehr anzuvertrauen. Auch mal Verantwortung abgeben, um Hilfe bitten, nicht immer die Starke sein.

BRIGITTE: Wie geht sie mit der Erfahrung um, dass die Eigenschaften, die sie für ihren Job braucht - Dominanz, Entscheidungsfreudigkeit - im Privatleben auf Männer eher abschreckend wirken?

Claudia Clasen-Holzberg: Sie braucht diese Eigenschaften ja weder zu verlieren, noch zu verleugnen. Aber es wäre hilfreich, im Privatleben zu einer besseren Balance mit anderen Anteilen ihrer Persönlichkeit zu finden. Sie muss im Privatleben nicht ständig Stärke und Kontrollfähigkeit beweisen. Hier kann sie sich auch mal gehen lassen, sich klein fühlen, dem anderen die Entscheidung überlassen und sich anlehnen, ohne Angst zu haben, dominiert zu werden. Voraussetzung ist allerdings, einen Partner zu finden, der auch ihre starken Seiten schätzt, sich davon nicht einschüchtern oder provozieren lässt, sondern selbstbewusst mit- beziehungsweise gegenhalten kann. Das Problem ist tatsächlich, dass es davon leider nicht so viele gibt.

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BRIGITTE: Geben sich erfolgreiche Single-Frauen im Zusammensein mit Männern eigentlich häufig dümmer, als sie eigentlich sind?

Claudia Clasen-Holzberg: Kann ich nicht beurteilen, glaube ich aber nicht. Die, die ich kenne, tun das nicht. Weil sie schlau genug sind, zu wissen, dass es Ihnen nichts nützt, einen Mann zu finden, der sie nur akzeptiert, wenn sie sich dümmer stellen. Sie versuchen manchmal, nicht sofort mit ihrer Position ins Haus zu fallen, um nicht von vornherein Konkurrenz, Unterlegenheitsgefühle, Versagensängste und so weiter bei den Männern auszulösen. Damit ein unverkrampftes Kennenlernen möglich ist, das nicht schon von vorschnellen Zuschreibungen und Vorurteilen belastet wird. Das halte ich auch für sinnvoll.

BRIGITTE: Was kann die Karrierefrau tun, damit sie sich nicht durch die immer gleichen Frustrationserfahrungen mit Männern irgendwann selbst blockiert?

Claudia Clasen-Holzberg: Nicht aufgeben, nicht resignieren. Versuchen, die Erfahrungen zu ändern. Nicht immer in denselben Teichen fischen. Männer aus anderen Bereichen, in anderen Umfeldern kennenlernen. Versuchen, die eigenen wirklichen Bedürfnisse in einer Beziehung zu erforschen und an den Mann zu bringen. Partnerschaft nicht auch als Leistungsbeweis beziehungsweise "Versagen" zu sehen. Das passiert leicht. "Ich bin doch auf allen Gebieten erfolgreich, nur hier will mir nichts gelingen." Beziehungserfolg lässt sich eben nicht nach ähnlichen Regeln herstellen wie beruflicher. Hier sind eindeutig die "soft skills" gefragt.

BRIGITTE: Sind Karrierefrauen, was die Wünsche an ihren Partner angeht, vielleicht zu anspruchsvoll?

Claudia Clasen-Holzberg: Ja und nein. Nicht nur Erfolgsfrauen, sondern überhaupt viele Single-Frauen haben etwas überzogene Vorstellungen davon, was ein Partner alles mitbringen sollte. Zu viele Männer werden dabei schon von vornherein ausgemustert, bevor sie eine Chance hatten, ihre Qualitäten zu zeigen, die sich erst in einer Beziehung entfalten. Bei einer Frau wie in dem Artikel geht es darum, dass sie einen Partner braucht, dem sie auf Augenhöhe begegnen kann. Dafür muss er nicht unbedingt denselben oder einen höheren beruflichen oder sozialen Status haben. Aber er muss genug Selbstbewusstsein und Zufriedenheit mit seiner eigenen beruflichen Entwicklung mitbringen, diese Differenzen aushalten zu können.

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BRIGITTE: Soll man ihnen raten, möglichst nicht in ihrem direkten beruflichen Umfeld nach einem Mann zu suchen?

Claudia Clasen-Holzberg: Das direkte berufliche Umfeld, sprich dieselbe Firma, ist nicht so günstig, da hier Hierarchieunterschiede und Machtverhältnisse schnell die Beziehung überlagern und erschweren können. Eine Überschneidung im beruflichen Wirkungsfeld (jemand aus einer ähnlichen Branche etc.) kann aber von Vorteil sein, da es viele Anknüpfungspunkte gibt, und die Möglichkeit, sich überhaupt zu begegnen recht hoch ist. Reine Männerdomänen sind eher ungeeignet, da die hier agierenden Alpha-Männchen sich meist nicht von einer Alpha-Frau angezogen fühlen. Sie orientieren sich statusmäßig lieber "nach unten" - da können sie sich sicherer fühlen. Für "unsere Frau" gäbe es die Möglichkeit sich gezielt auf die Suche nach einem Mann "mit einem kreativen Job" zu machen. Sie könnte eventuell berufliche Kontakte zu Werbeagenturen, Medien etc. nutzen. Oder auf ins Theater, zu Vernissagen, Lesungen etc. - wo sie solchen Männern begegnen könnte.

BRIGITTE: Was soll eine Karrierefrau tun, die keine Lust hat, allein auf eine Party zu gehen, weil sie eventuell blöde angeschaut wird - nicht hingehen?

Claudia Clasen-Holzberg: Wie soll sie einen Mann kennen lernen, wenn sie nicht auch alleine auf Partys geht? Dass sie da die einzige Singlefrau ist, kann rein statistisch eigentlich gar nicht sein. Vielleicht sind es weniger die anderen, die sie dumm anschauen, als vielmehr sie selbst, die sich blöd vorkommt und für ihren "Makel" schämt. Denn bei aller Selbstsicherheit offenbart sich in der "Partnerlosigkeit" doch eine Wunde. Und wie bei jeder Verletzung entsteht als Reaktion: bloß nicht dran rühren, damit es nicht wieder wehtut. Daraus entwickelt sich dann ein "Vermeidungsverhalten". Wir umgehen alles, was die Wunde berühren könnte. (siehe beim Beispiel: offene Gespräche mit Freunden, Begegnungen mit Internet-Dates, Parties alleine...) Und was könnte an der Beziehungswunde mehr rühren, als ein potentieller Partner? Wenn es lange nicht klappt mit einer Partnerschaft, ist die Frage, "ob ich wirklich offen bin für eine Beziehung?" durchaus berechtigt, weil sich nicht alles über die berufliche Position erklären lässt.

BRIGITTE: Wenn man die Gesamtproblematik anschaut: Müssen die Männer sich ändern - oder die Frauen?

Claudia Clasen-Holzberg: Beides. Unsere Psyche und die in ihr verankerten Geschlechtsrollenvorstellungen ändern sich viel langsamer als die gesellschaftliche Realität. Noch nie gab es so viele gut ausgebildete, kompetente, erfolgreiche Frauen, die bereit sind, traditionelle Männerdomänen (z.B. "Chefetagen") zu erobern. Männer sollen plötzlich Frauen lieben und wertschätzen, die ihnen beruflich etwas wegnehmen wollen. Und Frauen wiederum finden sich in der paradoxen Lage, Männer begehrenswert zu finden, die sich ihnen unterlegen fühlen oder sie als Konkurrenten bekämpfen. Keine einfache Gemengelage für die Liebe.

Interview: Franziska Wolffheim

Wer hier schreibt:

Franziska Wolffheim

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