Kinder und Computerspiele

Wenn Sie wissen wollen, warum Kinder so gern am Computer spielen, was gut für sie ist und was eher gefährlich: Kommen Sie mit auf einen Weekend-Trip in den Cyberspace! Tipps rund um das Thema Kinder und Computerspiele.

Computerspielen macht dick, blass und blöd?

Stimmt nicht. Es kann auch dünn, blass und blöd machen. Das hängt - Witz beiseite - wie bei allem, was Spaß macht, vor allem von der richtigen Dosis ab. Dann kann Computerspielen nämlich auch schlau und fröhlich machen.

Maximal eine halbe Stunde pro Tag, lautet eine weit verbreitete Empfehlung, doch die ist zu starr. Wichtiger ist es, mit Kindern feste Abmachungen zu treffen. Etwa: eine dreiviertel Stunde, danach ist Schluss für heute. Wenn ein Kind sich gerade auf ein komplexeres Abenteuer eingelassen hat, darf man aber Ausnahmen zulassen: Okay, eine Stunde, dafür bleibt die Kiste morgen und übermorgen aus.

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In China regelt so was lieber gleich die Regierung. Um die wachsende Online-Spielerei bei Jugendlichen zu beherrschen, entwickelte sie ein Beschränkungssystem, das Dauerspielern den Spaß verderben soll: Nach drei Stunden werden die mühsam erworbenen Fähigkeiten ihrer Spielfiguren reduziert, nach fünf Stunden geht schließlich gar nichts mehr. Echt mies, sagen da die Kids.

Dabei ist Computerspielen nicht grundsätzlich ein Übel. Wer regelmäßig durch den Garten tobt, verträgt auch ein spannendes Spiel am Bildschirm - und hat sogar etwas davon. Kinder können ab drei Jahre in Lernspielen Farben, Formen, Zahlen und Buchstaben ausprobieren; bis zur Berufsausbildung stehen Computersimulationen auf den Lehrplänen, nicht nur bei Piloten oder Chirurgen. Und ohne erlernte soziale Kompetenz gewinnt man weder im virtuellen Rollenspiel einen Blumentopf noch im echten Leben Freunde. Reine Killerspiele, die so gennannten (Ego-)Shooter, sind allerdings grundsätzlich destruktiv. Und darum ist es gut, sich alle Spiele gemeinsam mit den Kindern anzusehen, oder besser noch: sie auch gemeinsam zu spielen. Das macht Spaß und hilft, die Faszination zu verstehen - aber übertreiben Sie es nicht mit dem Gedaddel . . .

Das sagen die Kinder dazu

Spiele testen, bis. . . nein, nicht bis der Arzt kommt. Aber durchaus intensiver als von Pädagogen empfohlen - da haben sechs BRIGITTE-Kinder sehr gern mitgemacht. Ihre Expertenmeinungen finden Sie hier.

Disneys Prinzessinnen sind im echten Leben nicht unbedingt Maxines Welt. Da spielt sie lieber Hockey

Maxine, 7 Jahre: "Ich kannte bisher nur so Spiele wie 'Fritz & Fertig' auf dem Computer, da geht es um Schach. Jetzt habe ich auch Nintendo DS und Playstation Portable ausprobiert. Am besten hat mir 'Prinzessin Lillifee' gefallen, weil man die anziehen und malen und mit ihr Memory spielen kann. Wenn Mama aufpasst, darf ich nur eine halbe Stunde spielen, und wenn ich dann mittendrin unterbrechen muss, finde ich das ganz schön doof. Aber wenn man zu lange spielt, dann sind die Augen so komisch. Die brennen dann, und manchmal sieht man etwas Schwarzes."

In der Manga-Welt von Blue Dragon muss Juri mit Shu und ihren Freunden zahlreiche Abenteuer bestehen

Juri, 6 Jahre: "Cool finde ich 'Lego Star Wars', da sehen die Leute genauso aus wie beim echten Lego. Mein Bruder Karl und ich spielen es auf unseren DS Lites, manchmal auch 'Pokémon' oder 'Tony Hawk' - aber leider immer nur, bis die Eieruhr klingelt. Einmal haben wir auf der rosa Playstation von meinem Onkel heimlich 'Harry Potter' gespielt. Das ist erst ab zwölf. Da kamen so gruselige Geister, die wir nicht besiegen konnten, und davon habe ich Albträume bekommen."

Platz da! Powerracer wie Janek haben an der Konsole Vorfahrt, das Spiel heißt PGR 4. Unten: Prinzessin Leia in Lego Star Wars II

Janek, 6 Jahre: "Mein Vater hat neulich die kleine Playstation mitgebracht. Zum Testen. Ich kenne kaum Spiele, aber eins macht süchtig: 'Loco Roco'. Man kann seine Form wechseln, über Brücken springen und muss Geheimgänge finden. Wenn ich dürfte, würde ich jeden Tag ungefähr zehn Stunden damit spielen. Darum finde ich es auch ganz okay, wenn Mama und Papa sagen 'Jetzt ist aber Schluss', denn sonst würden ja alle Kinder nur noch drinnen sein. Und allein. Wie soll man da noch Fußball spielen oder Ritter?”

Live-Konzert im Wohnzimmer: Mit Sing Star kann Lynn schon mal lautstark üben

Lynn, 12 Jahre: "Meine Mutter sagt, ich singe, seit ich reden kann. Ich möchte auch gern auf eine Stage School. Ob man bei 'Sing Star' dafür was lernt, weiß ich nicht. Aber man kann es toll mit Freundinnen auf einer Feier spielen. Zum Entspannen spiele ich 'Shrek' oder Autorennen, und in dem Bild auf Seite 215 sitze ich im Detektivbüro von 'Sam & Max'. Die beiden lösen Fälle und haben supercoole Sprüche."

Der Fluch der Karibik ist, dass Max es erst mit 12 spielen darf. Aber dann geht's rund, Johnny Depp!

Max, 8 Jahre: "Beim Tennisspielen auf der Wii muss man sich bewegen. Das finde ich gut. Auf dem DS Lite mag ich 'Kim Possible', die macht so viele Saltos. Ich darf am Tag eine Stunde spielen, aber nicht kurz vorm Schlafengehen und keine Ballerspiele. Ob ein Spiel für kleine oder große Kinder ist, erkennt man an den Bildern auf den Verpackungen."

Action- und Adventure-Spiele

Zahlreiche Abenteuer bestehen, in verschiedenen Levels Fähigkeiten erwerben und sich gegen allerlei Feinde behaupten. Neu: Sam & Max - tierische Großstadt-Detektive klären Verbrechen auf und kalauern, dass es kracht (ab 6); Lego Star Wars II - der Klassiker in Lego-Optik animiert auch zum Nachbauen und -spielen mit echten Lego-Steinen (ab 6); Blue Dragon - Manga-Abenteuer mit Kampfsporteinlagen (ab 12). Auch gut: Harry Potter (ab 12), Pokémon (ab 4), Kim Possible (ab 4), Fluch der Karibik 2 (ab 12), Shrek, der Dritte (ab 6).

Jump'n'Run - Geschicklichkeitsspiele

Man hüpft und sammelt und trickst Monster aus. Neu: Loco Roco - als lustiges Kugelwesen rollt man durch optisch sehr ansprechende Welten und Levels (ab 4);Mario Party 8 - der kleine Klempner auf dem Jahrmarkt (ab 6). Auch gut: Goldminer, Die Maus, Ab durch die Hecke (ab 4).

Denk- und Lernspiele

Kleine Kinder lernen spielerischen Umgang mit Formen, Zahlen und Buchstaben, große (bis 90) trainieren ihr Gehirn. Neu: Big Brain Academy - in der virtuellen Schule trainieren Kinder räumliches Denken, Erinnerungsvermögen und mathematische Zusammenhänge (ab 6) Schach & Matt 2 - Giselmund, das Gespenst, muss mit schlauen Zügen Flaschengeister in der Ritterburg matt setzen (ab 8). Auch gut: Fritz & Fertig (ab 6), Pettersson und Findus, Prinzessin Lillifee, Max auf dem Mond (alle ab 4).

Sportspiele

Kicken, Golfen oder Skaten, Racing. Mit der Wii kommt neben Kopf und Handgelenk auch der Körper wieder zum Einsatz. Neu: Charlie Brown, das große Finale - Baseball, viele Minispiele und Musik mit den beliebten Peanuts (ab 6); Wii Sports - Tennis, Bowling, Golf & Co. mit Körpereinsatz (ab 6); Pro Evolution Soccer - mit den echten Stars, Trikots und Stadien aus sämtlichen Spitzenligen der Welt (ab 8). Auch gut: Project Gothic Racing 4 (ab 6), Tony Hawk (ab 12), Cars (ab 4), Eye Toy Play Sports (ab 6).

Tipps für Onlinespiele

Im Internet gibt es kostenlose Spiele zum Ausprobieren. Hier ein paar Websites, auf denen Sie und Ihre Kinder ohne Sorge vor jugendgefährdenden Inhalten rumsurfen können

www.blinde-kuh.de Bunte Suchmaschine für Kinder, Spiele ab sechs Jahre. Wer Lust hat, mit Samson Fußspuren zu suchen, zu puzzeln oder zu komponieren, ist hier richtig. www.wasistwas.de Auf der Seite der bekannten Sachbuchreihe gibt es viel zu entdecken: Reportagen, Filmtipps, Reiseführer und eine große Online-Spielebox. www.wdrmaus.de Elfmeter schießen, Kopfball spielen, Motten fangen und Pfannkuchen backen, Löcher in Käsescheiben schießen. . . dazu kleine Hörspiele und lustige Lieder mit der Maus und dem Elefanten. www.kika.de In der Online-Spielwelt des Kinderkanals werden Gespenster gejagt, man kann mit Jim ins Weltall fliegen oder Bernd das Brot im Tor austricksen.

Was bedeuten die Prüfsiegel?

Zwei verschiedene Prüfsiegel auf den Verpackungen der Spiele sorgen für Verwirrung

USK - im Auftrag der Jugendministerien der Bundesländer testet die "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle", ein Team aus unabhängigen Pädagogen, Journalisten, Sozialwissenschaftlern und Jugendarbeitern, die neuesten Spiele. Das Siegel sieht aus wie das rautenförmige Vorfahrtsschild aus dem Straßenverkehr. Die Zahl darin zeigt an, für welches Alter ein Spiel geeignet ist. Mehr Info: www.usk.de PEGI - die Abkürzung für Pan European Game Information, mit deren Hilfe Spielen europaweit Altersfreigaben zugeordnet werden. Gefördert wird das Projekt von der EU, aber auch von bekannten Konsolenherstellern wie PlayStation, Xbox und Nintendo. Daher fallen die Bewertungen wohl auch weniger streng aus als bei der USK. Mehr Info: www.pegi.info/de/

Die wichtigsten Begriffe aus der Computerspielewelt

Avatar: virtuelle Spielfigur bzw. Alter Ego des Spielers. Wird am Anfang des Spiels meist individuell aus einem Baukasten zusammengebaut und kann im Laufe des Spiels Fähigkeiten und Charaktereigenschaften entwickeln.

Controller: Steuereinheit für Konsolen, sieht meist aus wie das Steuerhörnchen in einem Flugzeug, bei der Wii (s. u.) stabförmig.

(Ego-)Shooter: Da hört der Spaß für uns definitiv auf. Die Spielfigur schießt sich skrupellos den Weg zum Ziel frei. Die so genannten "Ballerspiele" sind meist sehr realistisch gehalten und sehr brutal. Klassiker: Counter Strike.

Nunchuk: Erweiterung des Controllers für die Wii ermöglicht gute Beweglichkeit für beidhändiges Spielen (z. B. zum Boxen).

Handheld: tragbare Minikonsolen wie Gameboy, Nintendo DS Lite und PSP.

Konsole: externes Abspielgerät für Videogames, das an den Fernseher angeschlossen und über Controller gesteuert wird. Dazu gehören: Playstation 1 bis 3, Xbox (360), Nintendo Gamecube, Wii.

MMORPG: Massive Multiplay Online Role Playing Game - Internetplattform, auf der gleichzeitig und weltweit Mitspieler in Rollen schlüpfen und Handlung und Ablauf des Spiels mitgestalten. Bisher vor allem für Erwachsene und mit Folgekosten für Abo-Gebühren. Klassiker: World of Warcraft.

Nintendo DS Lite: Minikonsole zum Aufklappen mit zwei Bildschirmen. Mehrere NDS können drahtlos miteinander spielen und kommunizieren.

PS2: Sonys (bisher) meistverkaufte Playstation kann nicht nur die Videogames, sondern auch CDs und DVDs abspielen und per Telefonleitung übers Internet Spieler in aller Welt miteinander verbinden.

PS3: Nachfolger der PS2 mit drahtlosen Controllern, Blue-Ray-Disk-Laufwerk, 60-GB-Festplattenlaufwerk zum Archivieren von High-Definition-Spielfilmen, Videos, Fotos und Musik.

PSP: Die PlayStation Portable für unterwegs spielt ganze Spielfilme und Musik und führt als elektrischer Reiseführer durch viele Metropolen.

Wii: spricht man wie das englische Wort für "wir", ist also für die ganze Familie, für Anfänger und Profi-Gamer. Kann im Internet surfen, Fotos bearbeiten und Wetter vorhersagen. Der stabförmige Controller wird bewegt wie ein Tennisoder Golfschläger, um - genau - Tennis- oder Golfschläge auszuführen.

Xbox 360: Das Konkurrenzprodukt von Microsoft zeigt flüssige, filmreife Grafiken im 16:9-Format und spielt Musik im Mehrkanal-Surround-Sound. Über die Onlineplattform Xbox Live kann man mit jedem Xboxer weltweit spielen.

Infos im Internet

www.bundespruefstelle.de Auf der Website findet man Infos zum Jugendmedienschutz, Empfehlungen zu Computerspielen und Lernsoftware sowie Angebote zu Kinder- und Jugendprojekten. Bei speziellen Fragen kann man auch anrufen: Tel. 02 28/37 66 31. www.feibel.de Der Journalist Thomas Feibel hat sich auf das Thema Kinder und Computer spezialisiert. Auf der Website kann man seine Bücher bestellen, zum Beispiel die Übersetzungshilfe "Von Avatar bis Zavatar". Außerdem werden Games für verschiedene Konsolen und aus unterschiedlichen Genres knapp, aber sorgfältig beschrieben. www.mediengewalt.de Riesige Link-Sammlung zum Thema Gewalt in den Medien, mehr als 100 Beschreibungen von Spielen und Lernsoftware. www.schau-hin.info Das Bundesfamilienministerium stellt regelmäßig seine Broschüre "Schau hin!" zum Download zur Verfügung. Hier finden Eltern Hilfe zum bewussten Umgang mit den Medien und Experten-Interviews zu Themen wie Computersucht oder Lan-Partys. www.spielbar.de Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert aus pädagogischer Sicht über Computerspiele. User sind eingeladen, selbst Spiele zu bewerten und Meinungen auszutauschen. Toll: der Live-Chat mit Experten, zum Beispiel zum Thema Gewalt in Computerspielen.

BRIGITTE Heft 21/07 Fotos: Knut Gärtner; Buena Vista Games Spiele: Disney, Microsoft Game Studios (2), Activision
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