Ist er (noch) der Richtige für mich?

Warum ruft er nicht an? Liebt er mich überhaupt ...? Ist der wirklich der Richtige? Wir beantworten 10 Fragen - zu Zweifeln in der Liebe.

Es heißt: "Wenn du dich selbst liebst, ist es egal, mit wem du zusammen bist." Ist das wirklich so?

Schön wär's. Aber um es klar zu sagen: Das ist Quatsch. Die Idee, das Gelingen einer Beziehung sei komplett unabhängig vom Partner, ist schlicht eine Mode. Klar, wir würden heute gern in jeder Lebenslage ganz auf eigenen Beinen stehen. Dabei gilt in Beziehungen das Gegenteil. "Wer sich einlässt, macht sich auch abhängig", sagt der Paartherapeut Mathias Jung. Für die Praxis bedeutet das: Es gibt Männer, die zu uns passen, und solche, die uns nicht guttun.

Wie kann ich herausfinden, ob mein (neuer) Partner grundsätzlich zu mir passt?

Eines steht fest: Ein Paar harmoniert dann gut, wenn das Bedürfnis nach Nähe bei beiden etwa gleich groß ist. Ideal: wenn beide ein mittelgroßes Nähebedürfnis haben. Eine fatale Kombination ist dagegen, wenn ein Mann, der verbindlichen Beziehungen ausweicht und schnell auf Distanz geht, eine Frau trifft, die unsicher ist und viel Nähe braucht. Oder umgekehrt. Der New Yorker Bindungsforscher Amir Levine nennt diese explosive Mischung die Kombi aus ängstlichem und vermeidendem Bindungstyp. Der ängstliche Partner sucht Verbindlichkeit, der Vermeider entzieht sich. Dadurch wird die Angst nur noch stärker.

Wie viel Herzklopfen, Bangen und Hoffen sind denn normal?

In den ersten Wochen ist das Gefühlschaos komplett, und das ist auch gut so. Wer aber nach Monaten oder Jahren immer noch ständig bangt und wartet, ist nicht einfach nur verliebt. Wahrscheinlicher ist, dass ein ängstliches, kindliches Bindungsmuster angeknipst wurde. Wenn der (neue) Mann viel verspricht, aber wenig hält, oft schlecht er reichbar ist, niemals "Ich liebe dich" sagt, bleibt das Angstmuster aktiv und wir verwandeln uns nach und nach in Nervenbündel. Wichtig: Es gibt Männer, die können uns nachhaltig beruhigen, z. B. indem sie auch mal eine paar Wochen das Bedürfnis nach viel Nähe aushalten (auch wenn es sie eigentlich nervt). Viele Vermeider können aber genau solche Gesten nicht bringen. Wer also merkt, dass die unsicheren Situationen nie aufhören, sollte paartherapeutische Hilfe holen - oder sich trennen.

Mein Partner ist tatsächlich ein Typ, der viel Distanz braucht. Ich leide auch manchmal darunter. Ist er ein Fehlgriff?

So herum kann man das nicht pauschalisieren. Wenn die Liebe schon eine Weile hält, gibt es ja auch Gemeinsamkeiten und Verlässlichkeit. Denken Sie also nicht zu schwarz-weiß. Wenn die Verbindung sonst gut ist, sehen Sie seine gelegentlichen Rückzugsaktionen einfach als Macke. Kleiner Trost: Laut einer US-Studie sehnen sich auch Vermeider-Typen nach guten Beziehungen - und bekommen das ab Ende zwanzig auch oft hin.

Seit einigen Monaten streiten wir uns nur noch und machen uns ständig Vorwürfe. Ist das ein schlechtes Zeichen?

Im Gegenteil. Nur Paare, die sich gar nicht streiten, haben extrem schlechte Überlebenschancen. Spätestens nach der ersten Verliebtheit - die manchmal auch ein Jahr dauern kann - finden in jeder Beziehung Machtkämpfe und Rangeleien statt. Egal, ob es um seine Unpünktlichkeit oder um Ihren Ex geht: "Meistens sind Streitphasen ein Zeichen für eine Entwicklungskrise", sagt die Hamburger Psychotherapeutin Andrea Patzer. Also dafür, dass eine bestimmte Phase in einer Beziehung abgeschlossen ist und eine andere ansteht, etwa wenn der Partner in Zukunft auch öfter mal was allein unternehmen will, obwohl man bislang immer zu zweit ausgegangen ist. Bis man sich an das neue Wesen der Beziehung gewöhnt hat, gilt es, die Entwicklungskrise durchzustehen, manchmal über Wochen und Monate.

Wir stecken in einer Riesenkrise: Mein Freund ist fremdgegangen. Kann er da überhaupt noch der Richtige sein?

Tatsächlich ist es für 50 Prozent der Frauen ein sofortiger Trennungsgrund, wenn der Partner sie betrügt. Kann allerdings sein, dass wir das etwas zu moralisch sehen. Paartherapeuten sind sich einig, dass die allermeisten Paare einen Seitensprung durchstehen können. "Solange die Fremdgeherei nicht zur Gewohnheit wird, muss sie nicht das Aus einer Beziehung sein", sagt Paartherapeut Mathias Jung. Wichtig ist, zu gucken, woran es lag. Denn auch, wenn scheinbar klar ist, wer der Schuldige ist: Nie, nie, nie hängt in einer Beziehung etwas nur von einer Person ab.

Und wenn es eher Kleinigkeiten sind, die einen an einem Mann abturnen: sein Bauchansatz, seine Unordnung, seine Trägheit?

Es klingt kleinlich, aber mich macht das fertig. Wenn Frauen sich auf ein unattraktives Detail stürzen und von da aus den ganzen Mann demontieren, nennt man das unter Psychologen das "Zu-Phänomen". Wenn wir einen tollen Mann plötzlich zu klein, zu dick oder zu oberflächlich finden, ist das eine Distanzierungsstrategie, ein Versuch, den Mann nicht weiter an uns heranzulassen. Derartige Anfälle von Bindungsunfähigkeit sind besonders anfangs normal, gehen meist schnell vorbei. Und wer bei jedem Mann einen chronisch kritischen Blick entwickelt, sollte sich eingestehen, dass im Moment wahrscheinlich einfach keine feste Beziehung dran ist.

Wir haben kaum (noch) Sex. Ist die Beziehung dann nicht ohnehin zum Scheitern verurteilt?

Nicht, wenn man in der Anfangszeit ein Liebesleben wie im französischen Erotikfilm hatte. Wenn die Leidenschaft abgekühlt ist, stellt sich eher die Frage: Wo ist es gekippt? Meist findet man einen Knackpunkt, z. B. einen neuen, stressigen Job oder ein Zerwürfnis in der Beziehung. Aber Vorsicht: "Sex ist ein scheues Reh", sagt der Psychotherapeut Wolfgang Schmidbauer. Auf keinen Fall zu viel über die Flaute im Bett diskutieren. Besser: In einem einzigen, knappen Gespräch Ursachen klären. Und ansonsten selbst leidenschaftlich sein. Im Bett und im Alltag. Für den Fall, dass die Beziehung gleich mit schlechtem Sex startet: Probieren Sie ein bisschen rum. Wenn es nicht geht, stellen Sie sich die Frage: Kann ich mit schlechtem Sex leben?

Jetzt aber mal Klartext: Was sind handfeste Gründe, zu sagen "Er ist nicht mehr der Richtige"?

Wenn die Lieblosigkeit zu groß wird, einer der Partner sich immer mehr zurückzieht, nicht bereit ist, sich für die Beziehung einzusetzen oder sich zu entwickeln. "In der Liebe darf man niemals stille stehen", hat schon der Philosoph Friedrich Nietzsche gesagt. Problem: Männer merken oft zu spät, dass eine echte Krise aufzieht. Frauen spüren früher, was sich ändern muss. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, reden Sie unbedingt Klartext, wo Sie Veränderungen im Leben und beim Partner erwarten - und wo Sie sich selbst verändern werden. Wichtig: nicht in Nörgeln und Meckern flüchten. Das verfestigt den Konflikt.

Die Leute sagen immer: Kinder schweißen die Beziehung zusammen. Wir streiten uns allerdings nur noch, seit wir Kinder haben. Wieso ist das so?

Wenn ein Baby kommt, sollte man sich auf jeden Fall ein bis zwei kritische Jahre geben, bevor man über Trennung nachdenkt. Denn wer Eltern wird, muss nicht nur durchwachte Nächte und wenig Sex wegstecken, man rückt auch generell näher zusammen, muss bindende Entscheidungen treffen, etwa Geld zusammenlegen. "Ein Kind bringt es auf den Punkt", sagt Psychotherapeutin Andrea Patzer. Sowohl Konflikte als auch gute Seiten der Beziehung werden wie durch ein Brennglas vergrößert, z. B. wenn sein Geiz plötzlich die Jahresplanung der Familie lahmlegt. Oder ihre Unzuverlässigkeit den ganzen Tag durcheinanderbringt. Kinder sind also eine gute Chance, Probleme zu lösen, an denen man bisher vorbeigeschaut hat.

Text: Anne Otto

Wer hier schreibt:

Anne Otto

Unsere Empfehlungen