Lebensweisheiten zur Liebe - was ist dran?

Lebensweisheiten zur Liebe gibt es viele - dabei hinterfragen wir nur selten den Wahrheitsgehalt dieser Sprüche. Der BRIGITTE.de-Check zeigt, welche Lebensweisheiten was taugen, und welche Sie vergessen können.

Lebensweisheit: In der Liebe findet jeder Topf seinen Deckel

Wenn man auf Partnersuche ist, muss man sich als "Topf" schon gut kennen, um zu wissen, welcher "Deckel" gut passen würde. Wir wären nämlich oft gern ein bestimmter Topf und begehren deshalb Deckel, die so gar nicht zu uns passen. Dann ist auch noch die Frage, wo ich den passenden Deckel finden könnte. Das kann man z.B. bei Online-Partneragenturen, weil diese entsprechende Partnervorschläge machen. Und die moderne Wissenschaft sagt, dass passende Deckel in einem ähnlichen sozialen Umfeld zu finden sind. Besser wäre es also zu sagen: "Wenn sich der Topf kennt, findet er den passenden Deckel". Oder auch: "Sag mir wer du bist und ich sag Dir, welcher Deckel zu Dir passt".

Gleich und gleich gesellt sich gern

Wenn Menschen in Partnerschaften zu gleich sind, wird es schnell zu langweilig oder aber zu einseitig. Paare sind vielfältigen Anforderungen ausgesetzt: Neben ihrer Partnerschaft, um die sie sich kümmern müssen, gilt es soziale Kontakte zu pflegen, ein Zuhause gemütlich zu gestalten, Ruhephasen genussvoll zu verbringen, sich dem Familienleben zu widmen oder Geld zu verdienen, Einseitigkeit kann bedeuten, dass diese Aufgaben nur teilweise erfüllt werden können. Daher sind Unterschiede, d.h. unterschiedliche Stärken in einer Partnerschaft wichtig – sie stellen sicher, dass ein Paar die täglichen Herausforderungen dauerhaft meistern kann. Besser man ergänzt das Sprichwort mit "und Gegensätze ziehen sich an". Dann wird daraus richtigerweise: So viel Gleichheit wie möglich und so viel Unterschied wie nötig. Damit ist sichergestellt, dass sowohl die individuelle als auch die Weiterentwicklung als Paar möglich ist. Stillstand ist der Anfang vom Ende und zuviel Gleichheit birgt die Gefahr von Stillstand.

Streit ist der Anfang vom Ende

Es geht um die "Kunst des Streitens", die Streitkultur, die ein Paar entwickelt. Und zwar jedes seine eigene! Wenn ein Paar Streit um der Harmonie willen vermeidet, dann wird die Atmosphäre zwischen den Menschen immer vergifteter und distanzierter. Gelöste Konflikte verbinden Menschen miteinander.

Entweder es funkt gleich, oder gar nicht

Es gibt ganz viele Paare, die sich erst nach einer Weile des Kennenlernens gründlich ineinander verliebt haben. Die Funken sind wohl eher auf die Beteiligung sämtlicher Hormone zurückzuführen und wann und warum diese auf Hochtouren kommen ist ein anderes Thema. Wichtig ist allerdings, dass sie uns über die Qualität der Begegnung täuschen können. Wenn es zwischen zwei Menschen funkt, dann glauben sie leicht, den "Traumpartner" gefunden zu haben, obwohl sie gar nichts voneinander wissen. Sie sind dann oft aus der Situation heraus aufgrund des Äußeren des Anderen oder aus inneren Beweggründen derart angezogen, dass die Hormone die Führung über Entscheidung und Handlung übernehmen. Aber: Funken sagen nichts über Liebe!

Wer geliebt werden will, sollte liebenswert sein

Es gibt viele Beispiele für Menschen, die jemanden lieben, der so ganz und gar nicht liebenswert ist. Aber man kann das Sprichwort auch anders deuten: Jemand, der geliebt werden will, sollten Eigenschaften der Liebe entwickelt haben, wie z.B. Einfühlsamkeit, Mitgefühl, Warmherzigkeit. Das macht ihn dann auch liebenswert!

Lieben heißt, einen Menschen so annehmen, wie er ist

Diese Weisheit ist eine grundlegende Beschreibung von Liebe und dem Selbstlosen an ihr. In den ersten Wochen und Monaten ist es kein Problem, jemanden mit all seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Aber dann geht die Liebe oder eher das Verliebtsein häufig verloren, weil der andere ganz anders ist, als man ihn haben will. Häufig nimmt man sich nicht die Zeit oder man hat mit seinem Partner keine "Kultur" entwickelt, um Differenzen, Enttäuschungen und Erwartungen besprechen zu können. Haben Paare dies aber geschafft, dann ist sicherlich ein wesentlicher Bestandteil ihrer Liebe, den anderen anzunehmen, so wie er ist.

Zur Autorin

Dr. Reingard Kess, Jahrgang 1966, ist in der wissenschaftlichen Abteilung von PARSHIP, der führenden Online-Partneragentur in Deutschland und Europas tätig. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des PARSHIP-Prinzips®. Die Diplom-Psychologin und Wirtschaftsinformatikerin ist für die Normierung und den internationalen Abgleich der wissenschaftlichen Grundlagen verantwortlich. Zudem ist sie für die testbezogene Betreuung und Schulung der PARSHIP Single-Coaches zuständig – allesamt Psychologen, die den Mitgliedern bei Fragen rund um die Themen Partnersuche und Partnerschaft zur Seite stehen.

Text: Frau Dr. Reingard Kess, Diplom-Psychologin bei PARSHIP Bilder: Photocase
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