Liebe: Wie haltbar ist Ihre Partnerschaft?

Wie haltbar ist Ihre Partnerschaft? Lesen Sie dazu ein Interview mit der Psychologin Dr. Eva Wlodarek.

Eva Wlodarek

BRIGITTE.de: Was ist für Sie eine glückliche Beziehung?

Eva Wlodarek: Es wäre vermessen, das generell zu beurteilen. Ein Paar kann sich streiten wie die Kesselflicker oder jeden Abend schweigend Kreuzworträtsel lösen - solange beide damit einverstanden sind, ist es in Ordnung. Glücklich ist eine Beziehung, wenn beide glücklich sind.

BRIGITTE.de: Was glauben Sie, woran die meisten Partnerschaften scheitern?

Eva Wlodarek: Die meisten Partnerschaften scheitern an Enttäuschung. In der Verliebtheitsphase geht man aufeinander ein, später kommen die Eigenheiten zum Vorschein. Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, beginnt ein Machtkampf, den keiner gewinnen kann. Am Ende steigt dann zumindest einer von beiden aus, in Form von Trennung, Untreue oder innerem Rückzug.

BRIGITTE.de: Gibt es einen erkennbaren Punkt, an dem man die Beziehung besser beenden sollte?

Eva Wlodarek: Wenn jemand seelisch oder körperlich stark unter seinem Partner leidet, der aber keinen Willen zur Veränderung zeigt. Oder wenn man sicher ist, dass die Liebe erloschen ist. Aber: In einer Krise kann Liebe auch nur verschüttet sein. Deshalb sollte man erst noch einmal alles versuchen, auch mit professioneller Hilfe.

BRIGITTE.de: Gibt es eine goldene Regel für eine gute Beziehung?

Eva Wlodarek: Das Wichtigste ist, den anderen wertzuschätzen und das auch auszudrücken, durch Lob, Dankbarkeit, tatkräftige Unterstützung, Komplimente oder kleine Geschenke.

BRIGITTE.de: Was glauben Sie ist besser, wenn es um Partnerwahl geht: "Gleich und gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an"?

Eva Wlodarek: Am Anfang wirkt meist das Kontrastprogramm besonders attraktiv. Etwa: Eine gut organisierte Frau fliegt auf einen leichtlebigen Künstlertyp. Aber genau der Gegensatz verursacht später Beziehungsstress. Dann erscheint der lockere Mann als unzuverlässiger Chaot und die ordentliche Frau als nörgelige Nervensäge. Bei Ähnlichkeiten in den grundlegenden Dingen versteht man sich auf die Dauer wesentlich besser. Sogar in einer Krise kann sich einer leichter in den anderen einfühlen. Geklont ist man deshalb noch lange nicht, denn immerhin gibt es noch genügend persönliche Unterschiede.

BRIGITTE.de: Gibt es bestimmte Anhaltspunkte, an denen Sie schnell erkennen können, dass ein Paar glücklich ist?

Eva Wlodarek: Als erstes sieht man es an der Körpersprache. Glückliche Paare sind einander zugewandt, berühren sich häufig und lächeln sich an. Wenn es dagegen kriselt, halten sie Abstand und vermeiden Blickkontakt. Das kann man übrigens sehr gut auf Fotos von Promi-Paaren beobachten. Im Gespräch ist es ähnlich. Ein glückliches Paar hört sich gegenseitig zu und ist inhaltlich aufeinander bezogen. Unglückliche Partner sind verletzend, ironisch, oder verharren in feindlichem Schweigen.

BRIGITTE.de: Oft ist es ja auch sehr schwer, eine Liebe durch den Stress des Alltags am Leben zu halten. Haben Sie Tipps, wie man eine Beziehung am besten pflegen kann?

Eva Wlodarek: Glück in der Liebe fällt einem nur am Anfang in den Schoß. Später ist es bewusste Arbeit. Die besten Tipps: Ganz strikt trotz stressigem Job oder kleinen Kindern gemeinsame Unternehmungen planen. Freude verbindet. Und miteinander reden, nicht nur über die Organisation des Alltags. Wenn sich ein Paar nicht mehr über seine Wünsche und Gedanken austauscht, entsteht die Einsamkeit zu zweit.

BRIGITTE.de: Gibt es in einer Beziehung typische Männer- bzw. Frauenfehler?

Eva Wlodarek: Frauen glauben oft: "Wenn er mich wirklich liebt, dann müsste er doch wissen, was ich mir jetzt wünsche oder brauche." Leider kann kein Mann Gedanken lesen. Deshalb ist es viel effektiver, deutlich zu sagen, was man möchte. Liebe ist, wenn er das dann erfüllt. Männer sind in punkto Liebe oft zu sachlich. Sie denken: "Läuft doch alles prima", solange es keinen Streit gibt. Außerdem fällt es Männern schwer, zuzuhören, ohne gleich kluge Ratschläge zu geben.

BRIGITTE.de: Sind Frauen und Männer tatsächlich dafür geschaffen, ein Leben lang zusammen zu bleiben?

Eva Wlodarek: Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass die Natur schon keinen Fehler macht. Aber es stimmt natürlich, dass Männer und Frauen - abgesehen von möglichen Ähnlichkeiten in der Einstellung - verschieden sind. Das ist teils genetisch, teils durch die Erziehung bedingt. Doch mit psychologischem Know-how und gutem Willen ist ein Brückenschlag zwischen den Geschlechtern durchaus möglich. Und davon profitieren beide.

Buchtipp

Dr. Eva Wlodarek "Den richtigen Mann finden" Sechs Schritte zur passenden Partnerschaft. Fischer Ratgeber, 8,90 Euro.

Interview: Susanne Solau
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