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Liebe zu dritt: "Ich wäre gerne Teil der Familie"

Liebe zu dritt: Blätter mit Herzen
© Ian 2000 / Shutterstock
"Ich würde gern Teil dieser Familie werden" – Katjas Freund L., 36, hätte nicht gedacht, dass er sich jemals auf so etwas einlassen würde. Jetzt hat er eine Vision.

Zwei Wochen, länger habe ich der Geschichte mit Katja nicht gegeben. Wer denkt bei einer Frau mit Ehemann und drei Kindern schon "Mit der will ich mein Leben verbringen"? Wir waren bei einer Party ins Gespräch gekommen, ich fand sie sofort total spannend. Aber auch ein bisschen merkwürdig, weil sie ständig auf ihr Handy mit der Babyphone-App guckte. "Mein Mann ist gerade auf Tour, die Kinder schlafen allein zu Hause", erklärte sie, und dazu gleich das mit der offenen Beziehung.

Mir imponierte ihre Ehrlichkeit, ihre direkte Art.

Ich wusste gleich: Das ist ein Mensch, mit dem ich über alles reden kann. Und obwohl ich innerhalb kürzester Zeit absolut verknallt in sie war, dachte ich in den ersten Wochen nie über das nächste Date hinaus.

Wir trafen uns nachts, mitten am Tag, zwischen zwei Terminen, wann immer Katja ein bisschen Zeit rausquetschen konnte. Sogar wenn sie mit Fieber auf dem Sofa vor sich hin röchelte. Wir waren wie im Rausch. Ich kam gerade aus einer langjährigen Fernbeziehung, die mehr zu einer Freundschaft geworden war. Mit Katja merkte ich, wie sehr mir Nähe gefehlt hatte. Und stürzte mich voll rein. Die Tatsache, dass bei Katja noch eine Familie mit dranhängt, hatte ich mehr oder weniger verdrängt. Bis ich eines Tages ein Selfie von ihr und ihrer Tochter bekam. Da erst wurde mir vollends bewusst: Ich date hier jemanden mit Kindern! Und dieser jemand ist verheiratet!!

Kurze Zeit später sollte ich das auch so richtig zu spüren bekommen: Katja und ihr Mann wollten zu einer Party, auf der ich auch war. C. und ich kannten uns zwar entfernt, und durch Katja wusste ich, dass er kein Problem mit mir hat. Trotzdem hatte ich wahnsinnigen Schiss davor, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass C. mir wirklich wohlgesonnen war. Und dann machte er die ganze Zeit auch noch irgendwelche Scherzchen, dass er hier mit dem Liebhaber seiner Frau abhängt. Inzwischen kann ich seinen Humor ganz gut einschätzen, aber an diesem ersten Abend wollte ich mich am liebsten hinter einer Palme verstecken. Es war auch merkwürdig für mich, die beiden zusammen zu sehen. Händchenhalten, Umarmungen, flüchtige Küsse — sie waren als Paar da. Dabei wollte ich doch an ihrer Seite sein!

Das war definitiv Eifersucht, das muss man sich nicht schönreden. Aber mir war klar, dass C. nun mal ihr Ehemann ist. Dass es den beiden gut geht, ist auch die Voraussetzung dafür, dass es uns gut geht. Tatsächlich hadere ich erstaunlich wenig mit ihrer Ehe. Sie war schon vor mir da und kam als Bedingung gleich mit. Dann, wir kannten uns etwa ein halbes Jahr, fragte mich Katja, ob ich ihre Kinder kennenlernen möchte. Ein riesiger Vertrauensbeweis und ich war fürchterlich aufgeregt. Eines Nachmittags kam ich sie zu Hause besuchen, wie andere Freunde das auch eben tun, und es war echt ganz leicht: Wir quatschten über Star Wars, malten, aßen Eis, und als ich wieder ging, war ich total glücklich und fragte mich wirklich: Warum sollte das alles nicht funktionieren? Es ging ja schon lange nicht mehr nur um Sex.

Es wurde ernst, so ernst, wie ich es nicht erwartet hatte. Doch auch die Eifersucht wurde größer.

Aber nicht auf ihren Mann: Der Gedanke, dass Katja ganz andere Männer traf, wurde mit der Zeit unerträglich. C. war schon vorher da, der ist gesetzt. Aber wenn jetzt jemand Neues kommen würde, stünde ich sofort zur Disposition. Ich habe ja nicht die Sicherheit, ihr Mann zu sein. Und mir tat der Gedanke weh, dass ein Anderer Nähe mit Katja erlebte, während ich allein in meiner Bude hockte. Es gab ja eh schon kaum Zeit für mich! "Dann probieren wir beide es halt monogam", sagte Katja dann doch – was für eine Erleichterung! Denn als wir zwischendurch getrennt waren, war ich fertig mit der Welt. Ich wollte möglichst schnell über sie hinwegkommen, da gab es dann auch andere Frauen. Nur hatte ich keine getroffen, die mir toller vorgekommen wäre als Katja. Ich liebe ihre Offenheit, ihre Courage, unsere Intimität. Der Vorteil der anderen Frauen lag höchstens darin, dass ich für sie der Einzige gewesen wäre. Aber man verliebt sich ja nicht in jemanden, weil das Beziehungskonzept passt, sondern in den Menschen!

Für die Zukunft kann ich mir total gut vorstellen, dass wir uns auch räumlich näher kommen. Ich genieße die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen, sehr. Wenn wir zusammen auf der Couch sitzen und vorlesen, bin ich auch immer ein bisschen stolz, dass wir das alles so gut hinbekommen. Zumindest in derselben Straße wohnen, sollte irgendwann drin sein. Aber wenn ich ganz tief in mich reinhorche, wünsche ich mir sogar noch mehr. Ich würde gern Teil dieser Familie werden, Verpflichtungen teilen, vielleicht sogar eine gemeinsame Wohnung. Ja, das ist verrückt. Und ja, von selbst hätte ich mir so ein Konzept sicher nicht ausgesucht. Und doch wäre eine gemeinsame Wohnung dann auch ein Szenario, in dem sogar andere Partner und Partnerinnen möglich werden. Weil so ein gemeinsamer Alltag noch einmal eine ganz andere Sicherheit gibt.

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BRIGITTE 10/2020

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