VG-Wort Pixel

5 Männer erzählen Das bedeutet es für uns, ein Mann zu sein

Männer erzählen: Mann lehnt an Mauer
© ESB Professional / Shutterstock
Was bedeutet es für Männer, ein Mann zu sein? Wir haben nachgefragt!
Sina Teigelkötter und Alexandra Zykunov

Ihr habt es in Zeiten von "alten weißen Männern", #MeToo-Folgedebatten und den neuen feministischen Ansprüchen nicht gerade leicht. Was erwartet die Welt heute von euch? Seid ihr genervt vom ganzen Rollen-Gedöns? Oder sind die Forderungen noch viel zu zaghaft? Und: Wie fühlt ihr euch überhaupt?

Noch nie war das Männerbild so vielschichtig wie heute. Für alle gibt es eine Nische, für jeden seine Blase. Konservative Spielplatzpapas, feministische Tinderkönige, Haushaltsprofis bei Tag, Hinterherpfeifer bei Nacht, "neue" Väter neben "alten", alte weiße Männer neben jungen, hetero, homo, trans. Wann ist ein Mann ein Mann? Ist die Suche nach einer vermeintlichen Männlichkeit im Jahr 2020 nicht längst überholt? Jein. Denn: Selbst wenn wir uns wünschen, dass es nur noch "Menschen" und keine Geschlechter gibt, ist unsere Gegenwart immer noch gefüllt mit aggressiven sogenannten "toxischen" Männlichkeiten, zweifelhaften Rollenbildern und unfair verteilter Macht. Ja, nach "dem" Männerbild zu suchen, ist wohl genauso idiotisch wie die Suche nach "der" Frau. Es hilft aber, unterschiedliche Männer nach ihrem persönlichen Männerbild zu fragen. Haben wir gemacht – und so einiges erfahren.

Zum Auftakt unserer achtteiligen Serie geht’s um die Frage: 

"Was bedeutet es für euch, ein Mann zu sein?"

Oskar Holzberg

67, Paartherapeut und BRIGITTE-Kolumnist, berät seit über 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Männer und Frauen und ist seit über 30 Jahren verheiratet (aktuelles Buch: "Neue Schlüsselsätze der Liebe", DuMont)

Ich habe keine Ahnung. Ich fühle mich als Mensch. Was so furchtbar spirituell und nach Gutmensch klingt, dass ich gleich im Strahl kotzen könnte. Mann zu sein bedeutet, dass ich auf das Klo gehen muss, wo das Menschlein-Symbol an der Tür eine Hose anhat. Und "Mann" mir Fahrräder verkaufen will, an denen ich mir die Hoden quetschen kann, und Klamotten, die alle gleich aussehen. Und ich soll größer sein als diese anderen nicht-männlichen Wesen. Bin ich aber nicht. Was bedeutet: Ich muss noch wachsen. Werde ich aber nicht. Mann zu sein ist eben auch scheiße.

Björn Süfke

48, Männertherapeut, ist es seit Langem ein Anliegen, dass sich Männer mehr mit sich selbst und ihrer Innenwelt auseinandersetzen – egal, ob in Therapie, mit Frau oder mit Buch ("Männer: Erfindet. Euch. Neu", Mosaik)

Für mich ganz persönlich heißt Mannsein: Ich arbeite als Mann dafür, dass in der Zukunft für Männer die Frage, was es bedeutet, ein Mann zu sein, keine so relevante Frage mehr ist.

Jochen König

39, bloggt und gibt ganz konkret "MännerNachhilfe" in Workshops zum Thema "detoxmasculinity" ("Mama, Papa, Kind? Von Singles, Co-Eltern und anderen Familien", Herder)

Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich vieles, was von mir aufgrund eines traditionellen Männerbildes erwartet wurde, nicht erfüllen kann. Beispielsweise möchte ich viel Zeit zu Hause bei meinen Kindern verbringen, auch wenn sie mich dafür "Mama" nennen, ich nicht das Geld nach Hause bringe und mich dafür Männer im Internet beschimpfen, ich sei kein richtiger Mann. Zum Mannsein gehört für mich ein ständiges Hadern mit gesellschaftlichen Erwartungen, ein Jonglieren mit der dazugehörigen Verantwortung und ein Durch-die-Welt-Taumeln mit all den darin liegenden Widersprüchen.

Tarik Tesfu

35, Comedian ("Tariks Trallafitti Show"), macht sich gegen Sexismus, Rassismus, Homofeindlichkeit "und all den anderen Schweinkram" stark und co-moderiert das NDR-Online-Format "deep und deutlich"

Ich halte von der Frage nach der Bedeutung des Mannseins genau so viel wie von Donald Trumps Wiederwahl zum Präsidenten.

Till Raether 

51, Schriftsteller, hat als BRIGITTE-Autor über fast alle Facetten seines Mann- und Vaterseins geschrieben ("Ich werd’ dann mal ... Nachrichten aus der Mitte des Lebens", Rowohlt)

Es bedeutet für mich, eine Rolle zu spielen. Auf eine Art aufzutreten, die im Verständnis anderer zu dieser Rolle gehört: Schulterklopfen, Dad-Jokes, bei der Steuerberaterin nicht weinen. Aber komplett ist das für mich nur, wenn ich mir währenddessen erlaube, super nett zu sein, gern zu kochen und zu sticken, lieber Bücher von Frauen zu lesen, meine Kinder zu bemuttern (allein dieses Wort!) und meinen Freunden zu sagen, wie lieb ich sie habe. Ich kann nur Mann sein, wenn mir egal ist, wie das womöglich auf andere wirkt.

Hast du Lust, mehr zum Thema zu lesen und dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Dann schau im Persönlichkeits-Forum" der BRIGITTE-Community vorbei!

Holt euch die BRIGITTE als Abo - mit vielen Vorteilen. Hier könnt ihr sie direkt bestellen.

BRIGITTE 23/2020

Mehr zum Thema