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Liebe rechnet nicht, heißt es. Schön wär's. Im Alltag sieht es ganz anders aus: Um kaum ein anderes Thema gibt es so viel Zoff in Beziehungen. Warum eigentlich? Und wie bringt man Gefühle und Finanzen ins Gleichgewicht ?

1 Wenn wir ausgehen - Kino oder Kneipe - zahle häufig ich. Zugegeben, das sind keine Riesenbeträge. Aber ich finde es nicht so richtig okay. Ist es kleinlich, das anzusprechen? Auf gar keinen Fall! Sobald jemand sich nicht wohl fühlt, ist es Zeit, darüber zu sprechen. Und zwar gerade dann, wenn's ums Finanzielle geht. Fast kein Thema wird in unserer Gesellschaft so sehr tabuisiert wie Geld. Blöd eigentlich. Denn mit Nachfragen könnte man den Motiven des Partners auf die Spur kommen. Vielleicht steckt hinter seinem vermeintlichen Geiz nur die Furcht, als Macho zu gelten. Womöglich ist er in Gelddingen einfach ein bisschen gedankenlos. Oder er hat das Gefühl, dass die Bilanz in der Beziehung in letzter Zeit nicht mehr gestimmt hat, und jetzt will er für Ausgleich sorgen.

2 Ich habe aber Angst, als knickerig und engstirnig zu gelten, wenn ich auf solchen Kleinigkeiten herumreite ... ... und damit sind Sie in die Lieblings-Frauen-Falle gestolpert. "Wir haben längst nicht so einen entspannten Umgang mit Geld wie Männer", erklärt die Berliner Diplom-Psychologin und Inhaberin des Paar-Beratungsinstituts Desafinado Berit Brockhausen. Frauen fürchten, als gierig zu gelten, nicht liebenswürdig zu sein, Ansprüche zu stellen. Also halten sie in Gelddingen lieber den Mund.

3 Na ja, weil es sonst wirkt, als wolle ich die Liebe aufrechnen ... Aber vor lauter Romantik zu leugnen, dass Geld eine Rolle spielt, bringt auch nichts. Selbst wenn man das Thema ignoriert: Im Hinterkopf rattert die Registrierkasse weiter. Das tut der Partnerschaft auf Dauer nicht gut. Offenheit in Finanzfragen ist für die Liebe überlebenswichtig. "Ein Vertrauensbruch in Geld-Dingen, zum Beispiel heimliche Schulden oder Spekulationsverluste, kann die Partnerschaft genauso zerrütten wie eine Affäre", sagt Brockhausen.

4 Das kann man nicht vergleichen! Doch, gerade! Weil Geld in einer Beziehung ein ebenso existenzielles Thema ist wie Treue. "Jedes Paar stellt miteinander ein Gleichgewicht her, denn auf Dauer angelegte Beziehungen leben vom Austausch. In dieser Balance kann Geld also Macht bedeuten", so Brockhausen. Hinter dem Streit um die Kohle stecken öfter andere Motive: Geld steht für Hoffnungen und Wünsche, für Sicherheit und Selbstwert. Es ist ein Symbol für Macht, Freiheit, Flucht, Vergnügen, Selbstdisziplin. Unser Verhältnis dazu drückt unsere Persönlichkeit aus, auch wenn wir das nicht glauben wollen. Bei Finanzdiskussionen ist es daher besser, sich strikt auf die Sachebene zu begeben. Gefühlsverkettungen wie "Wenn du mich liebst, leihst du mir Geld« sollten Paare aus ihrem Wortschatz streichen und eher sagen: "Ich liebe dich. Und wir sollten über Geld reden."

5 Wann sollten wir denn beginnen, ernsthaft darüber zu sprechen? Sicher nicht gleich beim ersten Date. Grundsätzlich ist es aber wichtig, möglichst bald die Mentalität des anderen kennen zu lernen und auch genau zu beobachten, wie er Geld- themen handhabt.

6 Gehen Frauen und Männer denn anders an das Thema heran? Sogar diametral anders. Für die meisten Männer ist Geld ein Sachthema. "Sie haben meist eine positive Einstellung dazu, ihnen macht es Spaß, damit umzugehen", so die Erfahrung von Helma Sick, Finanzfachfrau der BRIGITTE und Inhaberin der Firma "Frau und Geld" in München. "Männer fangen meist ziemlich jung schon damit an, bauzusparen oder ihr Geld in Aktien zu stecken. Für junge Frauen ist das leider immer noch kein Thema." Das liegt unter anderem daran, dass sie häufig einen emotionalen Bezug zum Thema Geld haben. Es ist ihnen insgeheim ein wenig unangenehm, wenn es um nackte Zahlen geht. Anstatt für sich selbst zu sorgen, leihen sie eher Freunden Geld oder geben es für ihre Kinder aus. Typisches Beispiel: Wenn ein Kind kommt, streicht sie erst mal ihre private Altersvorsorge. Und finanziert davon die Tagesmutter.

7 Aber Kinder sind nun mal teuer, da bleibt wenig Geld zum Sparen ... Sicher. Aber weil zum Eltern-Sein immer zwei gehören, sollten sich auch beide Gedanken darüber machen. Zumindest sollte das, was gespart wird, gerecht aufgeteilt sein. Oft nämlich läuft es so: "Frauen stecken ihr Geld in die Familie, Männer in ihren Vermögenszuwachs", sagt die Finanzexpertin Helma Sick. Falls es dann doch zur Scheidung kommt, steht er viel besser da: Frauen haben nach einer Trennung im Schnitt ein Drittel weniger Geld zum Leben. Der Ex aber verliert nur ein Zehntel. "Frauen sollten in jedem Fall ihre eigenen finanziellen Interessen im Auge behalten", rät Sick. "100 Euro für ihre Altersversorgung sind auch dann drin, wenn es finanziell eng wird."

8 Ans Geld und an eine mögliche Scheidung denken, wenn man gerade verliebt ist: Ist das nicht sehr unromantisch - und gefährlich für die Liebe? Mag sein, dass es nicht romantisch ist, aber es ist vernünftig und keine Bedrohung für eine stabile Beziehung. "Geld-Dinge sollte man dann regeln, wenn man sich gut versteht", rät Paarberaterin Brockhausen. Wenn eine gute Gesprächskultur es leichter macht, das heiße Eisen anzufassen. Denn wenn das Liebeskonto erst mal leer gefegt ist, dann gibt's garantiert auch Zoff ums Finanzielle.

9 Wie lernen wir eigentlich unseren Umgang mit Finanzen? Liegt das in unseren Genen? Eher an der Herkunftsfamilie. Die lebt uns nämlich einen großzügigen oder sparsamen Stil vor - und so lernen wir, ob wir mit dem Thema ent- oder verspannt umgehen. "Manche Menschen übernehmen von ihrer Familie eins zu eins das Verhalten", sagt Berit Brockhausen. Manchmal führen Erfahrungen aber auch dazu, dass wir alles ganz anders machen wollen als unsere Eltern: Deren Knauserigkeit hat uns dann so abgeschreckt, dass wir als Erwachsene eher dazu tendieren, mit Geld großzügig um uns zu werfen - oder uns gar nicht dafür zu interessieren.

10 Wann werden unterschiedliche Geld-Mentalitäten bei Paaren denn zum Problem? Oft dann, wenn es um grundsätzliche Fragen oder Lebenseinstellungen geht. Wenn sie ihre Euros zusammenhält, weil sie für ein Haus spart, er aber sein Gehalt sofort ausgibt, kann es auf Dauer schwer werden, gemeinsame Wünsche zu verwirklichen. Wie er wirklich über Geld denkt, lässt sich spielerisch und simpel zum Beispiel mit ein paar Fragen he-raus-fin-den: Was würdest du eigentlich mit einem Lottogewinn machen? Oder: Wie gehst du mit finanziellen Engpässen um? Worauf würdest du verzichten?

11 Haben Beziehungen zwischen zwei Menschen, die in Geld-dingen total unterschiedlich ticken, denn überhaupt eine Chance? Es birgt zumindest Zündstoff: Er empfindet ihre Sparsamkeit als lustfeindlich und lieblos, sie seinen Hang zum Geldausgeben als verantwortungslos. Und plötzlich sind beide in der Rechthaberspirale. Immerhin ein Drittel der geschiedenen Paare nennt als Trennungsgrund den Konflikt um Geld. Andererseits können gerade gegensätzliche Charaktere voneinander profitieren - wenn die Partner darüber sprechen. "Da treffen einfach zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander. Es ist wichtig, der anderen Lebenshaltung gegen-über Respekt zu bringen", so Expertin Brockhausen. Den vermeintlich Geizigen plagen vielleicht Zukunftsängste - während beim anderen die Kohle lockerer sitzt, weil er sich und seine Partnerin oder seinen Partner verwöhnen will. Beide können vom anderen lernen: Er denkt vielleicht erstmals an eine Lebensversicherung, sie gönnt sich dafür ohne schlechtes Gewissen ab und zu ein bisschen Luxus.

12 Couch oder Urlaub - wir werden uns oft einfach nicht einig, wofür wir unser Geld ausgeben wollen. Zwei Menschen haben eben unterschiedliche Bedürfnisse. Und jeder rechnet in seiner eigenen Währung. Einfach nur zu sagen: "Die Couch ist aber wichtiger, schließlich ist sie haltbarer", funktioniert nicht. Vielleicht lässt sich ja ein Paket schnüren, bei dem beide auf ihre Kosten kommen: Beide legen ein Budget fest und überlegen, wie sie daraus ihre Wünsche finanzieren können. Ein kurzer Urlaub in der Toscana statt in Thailand, beide treten einen Monat lang beim Essengehen und Kino kürzer - dann reicht's vielleicht nicht für die Designercouch, aber locker noch für ein schickes Lederteil.

13 Bei uns ist das Problem: Er verdient mehr als ich, kann sich mehr leisten. Ich kann da nicht immer mithalten ... Ein Paar-Klassiker: Er will im Urlaub auf die Malediven, bei ihr aber reicht's gerade eben so für Mallorca. Er sagt: Das macht doch nichts, dann übernehme eben ich den Großteil. Sie jedoch will sich nicht aushalten lassen. Ein denkbarer Kompromiss: Er zahlt mehr - sie übernimmt dafür die Organisation und bucht die Reise. "Finanzieller Ausgleich kann auf vielen Ebenen stattfinden", erklärt Berit Brockhausen. Man muss sich nur darüber verständigen.

14 Soll ja auch vorkommen: Sie ist reicher oder verdient mehr als er. Nagt das heute auch noch an seinem Selbstwertgefühl? In etwa jeder zehnten Ehe steht bei ihr mehr auf dem Gehaltszettel als bei ihm. Es ist also immer noch eher eine Ausnahme und kann tatsächlich zu einem großen Problem werden. Dann nämlich, "wenn er sich seine Bestätigung überwiegend übers Geldverdienen holt - das ist bei Männern immer noch oft der Fall", erklärt Brockhausen. Souveräne Typen mit gutem Selbstwertgefühl haben damit keine Not. Die Frage ist aber auch, wie die Frau sich dauerhaft in der Rolle der Hauptverdienerin fühlt. Wie schon erwähnt, geht Geld immer auch mit Macht und Freiheit einher. Und mit Verantwortung. Wenn Sie also immer diejenige ist, die sich mehr leisten beziehungsweise mehr zum Leben beisteuern kann, kann die Beziehung durchaus in eine Schieflage geraten. Selbst wenn wir es noch so gern hätten: Sich von den alten Rollenverteilungen zu lösen ist gerade beim Thema Geld nicht leicht.

15 Wie geht ein Paar gerecht mit Geld um, wenn einer weniger verdient? Eine sehr faire Lösung ist für Finanzexpertin Helma Sick, dass beide für ihre persönlichen Ausgaben ein eigenes Konto behalten. Und dass sie für gemeinsame Ausgaben - Miete, Telefon, Essen, aber auch langfristige Projekte wie Urlaub - ein gemeinsames Konto einrichten, in das jeder prozentual einzahlt.

16 Ich verdiene ja nur deshalb so wenig, weil ich wegen der Kinder Teilzeit arbeite. Eigentlich dürfte mir das Gefälle also nichts ausmachen. Aber die Sache nagt trotzdem an mir ... Durchaus verständlich. Aber vollkommen unnötig. Denn spätestens durch die Geburt eines Kindes entsteht aus zwei Individuen eine Wirtschaftsgemeinschaft. Und so sollten beide Partner es auch betrachten. "Wichtig ist, dass beide auf absolute Gleichberechtigung achten", rät Finanzexpertin Sick. Spätestens jetzt sollte es ein Familienkonto geben, auf das beide Zugriff haben. Und es ist ganz wichtig, dass beide Partner den vollen Einblick in die finanziellen Verhältnisse des anderen haben. Geldanlagen, Häuserkauf - solche Dinge sollten unbedingt gemeinsam entschieden werden. Selbstverständlich sollte auch sein, dass derjenige, der wegen der Kinder weniger verdient, Geld zum Ausgeben nur für sich hat. Das funktioniert, indem der andere Geld überweist und staatliche Zuwendungen wie das Kindergeld auf das Konto des weniger Verdienenden wandern.

17 Wenn es so wichtig ist, Geld von der Romantik zu trennen: Macht es dann Sinn, einen Ehevertrag zu schließen? Grundsätzlich kein schlechter Gedanke. Tatsache ist aber, dass nur jedes zehnte Paar einen Ehevertrag schließt, der Rest verlässt sich aufs Gesetz. Helma Sick rät: "Bevor Frauen einen Ehevertrag unterschreiben, sollten Sie sich auf jeden Fall juristisch beraten lassen." Das hat nichts mit Materialismus zu tun, sondern mit Gleichberechtigung. Meist drängt der finanziell Stärkere nämlich dem Schwächeren den Vertrag auf.

18 Was sieht denn eigentlich das Gesetz für Ehepaare vor? Der so genannte gesetzliche Güterstand ist die Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet im Klartext: Alles, was in der Ehe angeschafft wird, wird im Falle einer Trennung halbe-halbe geteilt. "In der Regel reicht das für normale Paare aus", so Helma Sick. Anders sieht es aus, wenn einer zum Beispiel eine Firma, sehr viel Geld oder Schulden mit in die Ehe einbringt. Dann lohnt sich ein Ehevertrag. Bei unverheirateten Paaren steht jeder für seine eigenen Finanzen gerade. Umso wichtiger, dass in Partnerschaften ohne Trauschein die Frauen selbst darauf achten, dass sie ordentlich abgesichert sind - vor allem dann, wenn Kinder da sind.

19 Ich habe nicht wirklich Lust, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Kann ich ihm das überlassen? Einen Finanzexperten in der Familie zu bestimmen ist grundsätzlich in Ordnung. Aber überhaupt nicht Bescheid zu wissen bringt Frauen in eine schwächere Position. Sie sollten sich also wenigstens darüber informieren, wie viel Geld er verdient, welche Geldanlagen da sind, wie weit das Haus abbezahlt ist. Am besten in regelmäßigen Abständen ganz in Ruhe gemeinsam die Unterlagen durchsehen und sich dabei Notizen machen. Denn "Abhängigkeit und Unwissenheit wird oft bestraft", warnt Helma Sick. Knallhart ausgedrückt: Ist der Mann weg, ist häufig auch das Geld weg.

20 Okay, Gleichberechtigung ist besser. Aber manchmal wünsche ich mir dennoch, er würde mich finanziell etwas mehr verwöhnen ... Ist ein Diamant, auf den er womöglich monatelang spart, wirklich der Ausdruck von tiefen Gefühlen? Die französische Soziologin Eva Illouz hat dazu eine spannende Theorie. Paare heute hätten von den Medien gelernt, Liebe nicht mehr zu leben, sondern zu konsumieren. Ein schicker Restaurantbesuch, ein größeres Geschenk, einen Traumurlaub zu zweit: Ständig müssen wir das Paarleben aufpeppen, damit wir uns nicht miteinander langweilen, damit die ganze Welt sieht, wie tief unsere Zuneigung ist. Damit kratzen wir aber lediglich an der Oberfläche, mit tiefen Gefühlen hat das oft gar nichts mehr zu tun. Interessanter Gedanke! Darüber ließe sich ja auch mal prima zu zweit diskutieren.

21 Also passen Geld und Gefühle doch nicht zusammen? Im Gegenteil, sogar bestens. Geld - egal wie viel oder wenig - ist etwas Wunderbares für die Zweisamkeit. Denn nicht zuletzt lässt sich damit eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Wenn die Partner miteinander darüber reden, wie sie Ihr Geld ausgeben wollen, welche Ziele und Träume ihnen im Leben wichtig sind - das kann zwei Menschen auf ganz exklusive Weise zusammenschweißen.

BRIGITTE BALANCE Heft 04/07 Text: Anne-Bärbel Köhle Foto: S. 100 Stills-Online und Miriam Yousif-Kabota
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