Muttertag feiern: "Ich liebe den Muttertag!"

Den Muttertag feiern? Absolut! Autorin Susanne Kaloff ist bekennender Muttertags-Fan und lässt sich gerne einmal im Jahr für die vielen geschleppten Einkaufstüten beklatschen.

Am Morgen erwache ich durch das Singen einer Blaumeise und die Familie ist sofort in der Bringschuld: Man bringt mir Maiglöckchen, Blütenreigen-Tee und während ich langsam ein Auge öffne, trägt man mir ein blumiges Gedicht vor. Mein einziger Sohn überreicht mir ein künstlerisch anspruchsvolles Aquarell, auf dem steht, dass ich die beste Mutter der Welt bin. Auch dann, wenn ich ihm vorgestern noch mit überschlagender Stimme verboten habe, vor dem Frühstück Gambeboy zu spielen, und er sich sicher ist, bei mir müsse mal dringend die Supernanny vorbeikommen.

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Muttertag feiern

Ach, ich liebe den Muttertag! Die meisten Mütter sagen ja, ach, der Muttertag ist mir nicht so wichtig, ist doch alles eine Erfindung von der Fleurop-Maffia und den Nazis. Aber nein! Es geht hier um den einzig offiziellen Tag im Jahr, an dem man endlich mal angemessen beklatscht wird für all die Einkaufstüten, die man das ganze Jahr mit krummem Mutterkreuz heimgeschleppt hat. Der einzige Sonntag im Jahr, an dem man weiß, wofür man diese zarte Furche zwischen den Augenbrauen hat. Und wenn man besonders emsig war, bekommt man auch, ehret die Mutter, ein Frühstücksei ans Bett serviert. Mein Sohn trübte meine Vorfreude allerdings etwas mit der Ankündigung, er werde rauskriegen, wann Kindertag sei, und dann: Payday. Auf solche Flausen im Kopf reagierte meine Mutter stets mit dem Standardsatz: "Kindertag ist 365 Tage im Jahr!"

Mit 39 Jahren geht die Kindheit jedoch langsam dem Ende zu und ich kaufte bereits vor zwei Wochen für meine liebe Mutter ein hübsch verziertes Lebkuchenherz in der Größe einer Kinderhand, auf dem in rosa Zuckerschreibschrift "Mama" steht. Sonst nichts. Nur Mama. Es gab auch eins, das mit den Worten "Ich hab Dich lieb!" vielleicht etwas aussagekräftiger war, aber das erschien mir zu plump. Nun liegt das Herz hier rum und ich weiß nicht, ob es wirklich das richtige Geschenk mit persönlicher Note ist.

Der Mensch, der mich unter Stöhnen zur Welt gebracht hat, hat vielleicht doch etwas mehr verdient als ein einfältiges Gebäck, auf dem wie ein Hilferuf "Maaama!" steht. Vielleicht ein Mega-Bügelperlen-Set für 9,99? Aber bügeln gehörte noch nie zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Vielleicht lieber ein Mini-Mandaladesigner-Set "Pferde" für kleine Künstler. Das habe ich unter der Rubrik „Die besten Bastel-Ideen zum Muttertag“ gefunden. Unter meinemama.de kann man auch ein personalisiertes Rezeptbuch bestellen mit dem etwas schlüpfrigen Titel "Mama's süße Geheimnisse". Nach diesem kreativen Input fürchtete ich mich vor den Abgründen der Rubrik "Trend-Ideen zum Muttertag" und lies diese sicherheitshalber fürs erste geschlossen.

Dafür wandte ich mich an Mydays - die Erlebnisprofis. Auf deren Homepage findet man von der Ballonfahrt bis zur Kanu-Tour alles, wovon die anspruchvolle Mutter angeblich Tag und Nacht träumt, wenn sie nicht gerade ihre süßen Geheimnisse Revue passieren lässt. Das brachte mich, mit dem mickrigen Herz in der Hand, etwas in Schwulitäten. Womöglich träumt meine arme, gebeutelte Mama schon seit über sechzig Jahren von einem professionellen Foto-Shooting und wartet Jahr für Jahr auf Erfüllung. Dabei könnte ich ihr diesen Herzenswunsch so einfach mit einem Gutschein im Wert von 144 Euro erfüllen. Oder ein Goldschmiedekurs? Ein Krimidinner? Gar ein Floristik Workshop? Aber meine Mutter hat sich noch nie viel aus großen Geschenken gemacht.

Vielleicht sollte ich ein Gedicht verfassen? Das letzte Mal, dass ich zum Muttertag mein Herz habe sprechen lassen, ist dreißig Jahre her. Es war ein literarisch anspruchvoller Vers, ein sehr emotionaler Zweizeiler: "Dem lieben Stu, ist er nicht gar pu? Ist er nicht gar pu-pu-putzig?" Ich weiß nicht, ob man diese Zeilen übersetzen kann, aber es fühlt sich in meinem Herzen noch heute irgendwie größer an, als ein professionelles Foto-Shooting in einem Heißluftballon mit integriertem Malkurs und anschließendem Unterwasser-Dinner.

Suchst du übrigens noch schöne Zeilen für den Muttertag? Dann lass dich inspirieren: Muttertagsgedichte und Muttertagssprüche.

Text: Susanne Kaloff Foto: fotolia.com
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