Der eigene Mann will nicht über Gefühle reden? Der Tipp vom Paartherapeuten

Nicht zu reden ist auch keine Lösung. Doch wie bringt man das dem anderen bei? Paartherapeut Oskar Holzberg hilft.

"Wir reden ja nur miteinander, wenn wir bei ihnen sind." Frau F. blickt vorwurfsvoll auf ihren Partner, dessen Gesichtszüge etwas härter werden. "Direkt nach der letzten Sitzung hatten wir keine Zeit mehr zu reden. Und danach habe ich erst mal gewartet. Aber von dir kam nichts. Du hast dich jeden Abend an deinen Computer verzogen." Frau F. schaut erwartungsvoll auf Herrn T. Aber der schweigt weite, und sie legt nach: "Ich bin so sauer, dass ich immer alles ansprechen muss. Und alles, was von dir dann kam, war, dass ich doch sehen könne, dass du keine Zeit hättest."

Herr T. ruckelt sich im Sessel zurecht und sagt dann, "Na so war es doch aber. Ich weiß auch, dass wir reden müssen. Aber ich habe ja auch ein Leben. Und es kann nicht immer alles so laufen wie du es dir gerade vorstellst. Wenn ich die Steuer nicht gemacht hätte, wäre das echt teuer geworden."

Sie sind jetzt beide ärgerlich. Und beginnen einander Vorwürfe zu machen. Ich unterbreche sie. "Und dabei blieb es dann?" frage ich. Sie nicken. Und ich schlage ihnen die "Wenn nicht jetzt, wann dann?"-Regel vor. Viele Paare beklagen, dass sie außer Alltagskram und Organisatorisches nicht miteinander sprechen. Häufig scheitern die Versuche, miteinander ins Gespräch zu kommen, schon allein daran, dass das Paar nie einen Zeitpunkt dafür findet, der für beide stimmig ist. Natürlich scheitern sie nicht am richtigen Zeitpunkt. Weil es so einen Zeitpunkt nicht gibt. Wir alle haben zu wenig Zeit, um all das zu tun, was uns lieb und wichtig ist. Die Partner müssten sich dafür entscheiden, dem Gespräch miteinander Vorrang zu geben, es ist so wichtig zu nehmen, wie es ist.

Stashing: Vorsicht vor diesem fiesen Dating-Trend!

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Dagegen steht die Sorge, dass das Gespräch doch wieder nur im Streit endet. Wer sich ungeliebt fühlt, möchte nicht noch mehr Kritik und Entwertung erleben. Und Partner, die sich ohnehin dominiert fühlen, wie Herr T., wollen nicht schon wieder nachgeben. So entsteht das schweigsame Nebeneinander und wird immer unerträglicher. Aber sobald einer Mut fasst und reden will, gerät das Paar wieder in den gleichen Teufelskreis von Anfrage und Ablehnung. Häufig wird dabei argumentiert, dass jeder frei über seine Zeit verfügen können und nicht immer Interesse an einem Gespräch haben muss. Stimmt! Aber der Partner hat auch das Recht auf ein Gespräch, um Gefühle und Anliegen zu klären.

Um nicht endlos in dieser Spirale gefangen zu sein, besagt die "Wenn nicht jetzt, wann dann?"-Regel, dass jeder das Recht hat, nicht sofort sprechen zu wollen. Dass er aber gleichzeitig einen alternativen Terminvorschlag macht. "Ich habe jetzt wirklich nicht den Kopf dafür frei, lass uns morgen Abend darüber sprechen." Und dass das Paar dann konkret Zeit und Ort dafür vereinbart.

Wenn Paare diese Regel ernst nehmen, fühlt sich der Aufgeforderte nicht so dominiert und der Fordernde nicht so ausgeliefert. Es ist noch nicht die Lösung ihres Konflikts. Aber es besteht eine Chance, wenn es kein "Jetzt nicht!" mehr ohne ein "wann dann?" gibt.

Ein Artikel aus Brigitte Heft 02/2015

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel