Die Liebe lässt sich nicht wie eine Firma managen, rät der Paartherapeut

Die Liebe kann man nicht steuern wie eine Firma. Denn es gibt keinen Masterplan, weiß Paartherapeut Oskar Holzberg.

"Weißt du was?", sagt sie schließlich, "ich bin verdammt noch mal deine Ehefrau und nicht deine Sprechstundenhilfe!" Herr H. guckt etwas verdutzt und stammelt, dass er das ja auch nie behauptet habe. Aber wenn er abends nach Hause komme, nachdem er 30 Patienten in drei Behandlungszimmern bespielt hat, und sich Mülltüten an der Haustür stapeln, das Wohnzimmer mit Legosteinen gepflastert ist und seine Hemden immer noch in der Wäscherei sind, dann sei er schon irritiert. Frau H., die mit einem netten Sinn für Zynismus ausgestattet ist, erwidert, dass sie abends natürlich nur so fertig sei, weil sie endlos Cappuccino-Tassen gestemmt habe.

Und nicht noch einen Haushalt organisiert, mit dem Klempner gestritten und die Hausaufgaben zweier unwilliger Schulkinder überwacht hat. Und ich denke dazu: Die Liebe ist kein Büro. Und eine Familie schon gar nicht. Je traditioneller die Rollen verteilt sind, je mehr Mama Haus und Kinder betreut und Papa die Kohle ranschafft, desto größer ist meist das Unverständnis füreinander. Aber auch dort, wo beide arbeiten und gemeinsam Haushalt und Kinder versorgen, gehen sich Partner auf die Nerven, weil sie einander Vorschläge machen, wie alles besser zu bewältigen und zu organisieren sei. Doch jeder hat seine Art, Wäsche aufzuhängen, das Bad zu putzen oder aufzuräumen, die wir einander lassen müssen. Und jeder findet unterschiedliche Dinge wichtig. Kinderzimmer aufräumen oder lieber Laterne gehen?

Ehepaar aus Japan wird durch ihre Partnerlooks zum Instagram-Hit

Auch die beste Beziehung ist und bleibt unberechenbarer Murks

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Den Getränkevorrat updaten oder abgefahren kochen? Und drittens - das ist das Entscheidende - können wir unsere Beziehungswelt nicht effizient gestalten. In der Berufswelt werden Ziele aufgestellt, notwendige Maßnahmen ergriffen, Abläufe koordiniert und Ergebnisse kontrolliert. Das allgegenwärtige Effizienzdenken ist uns mittlerweile so selbstverständlich, dass wir es auf alle Lebensbereiche übertragen. "Irgendwas stimmt doch mit deinem Familienmanagement nicht", formulierte es ein durchaus liebevoll gestimmter Mann gegenüber seiner völlig erschöpften Frau. Aber was nicht funktioniert, ist die Idee, dass Familien und Liebesbeziehungen zu managen seien. Auch die beste Beziehung ist und bleibt unberechenbarer Murks. Wann der Partner besondere Zuwendung braucht, die Tochter trotzig den ganzen Laden aufmischt oder der Sohn Fieber bekommt, ist nicht auszurechnen.

Und wenn das Ziel ist, dass alle glücklich sind, dann weiß selbst der allerbeste Coach nicht, wie das auch nur annähernd zu erreichen sei. Wir werden unsere Kinder eher abschaffen oder zumindest unsere Liebe für sie, als in qualitätsgemanagten Beziehungen mit TÜV-Zertifikat zu leben. Wer das bezweifelt und immer noch hofft, dass seine Partnerschaft irgendwann reibungslos funktioniert - und das sind vorrangig Männer wie Dr. H., die abends feststellen, was tagsüber während ihrer Abwesenheit alles nicht geklappt hat -, dem empfehle ich, mal Haushalt und Kinder für vier Wochen vollständig zu übernehmen. Dann wird schon klar, dass eine Familie und die Liebe, die darin lebt, keine Firma sind.

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel