Es bringt nichts, seine Beziehung zu vergleichen, rät der Paartherapeut

Die anderen haben mehr Sex und Harmonie. Vielleicht. Aber Ihrer Beziehung würde es gut tun, wenn Sie weniger vergleichen, weiß Paartherapeut Oskar Holzberg.

Anna möchte, dass Toby mehr im Haushalt übernimmt. Sie diskutieren. Bis Anna sagt: "Du kannst ja mal Britta fragen! Roland macht bei ihnen alle Einkäufe, und sie muss nie darum betteln, dass er mal beim Aufräumen hilft." Damit ist augenblicklich der sinnvolle Teil ihrer Diskussion beendet. Und Toby geht mit „Roland, jaaaa Roland, der kriegt ja auch noch jeden Monat einen Scheck von Mama!“ schreiend in die Luft. Herr L. ist gekränkt.

Er fühlt sich von seiner Frau zu hart kritisiert. Sie ist nicht seiner Meinung, hört ihm aber aufmerksam zu, bis er sagt: "Du bist aber einfach schnell sehr aggressiv. Das finden die Kinder übrigens auch! Das haben sie mir schon gesagt." Und zumindest dieses Mal hat er recht, denn Frau L. geht sofort durch die Decke.

Frau C. möchte die Ferien nicht jedes Jahr am Meer verbringen. Ihr Gespräch darüber dauert genau zehn Sekunden. In denen sagt Frau C.: "Jedes Jahr fahren wir ans Meer. Das ist doch wirklich nicht normal, dass ein Mensch immer nur ans Meer fahren kann." Und schon ist Herr C. abwehrend und versteinert.

Und das Gespräch zwischen Evi und Arnold darüber, ob sie genügend Zeit miteinander verbringen, ist auch blitzschnell zu Ende, als Arnold sagt: "Ach Evi, jetzt hör doch mal auf! Andere Frauen wären froh, wenn ihre Typen nur ansatzweise so oft zu Haus wären wie ich."

All diese Gespräche scheitern aus dem gleichen Grund: Das Paar ist nicht mehr allein. Ein Partner hat andere ins Spiel gebracht. Manchmal wichtige andere, wie die Kinder oder gute Freunde, manchmal anonyme andere, die sich unsichtbar hinter "normal" verbergen.

Sätze vor dem Seitensprung

Wir haben Angst, nicht gehört zu werden

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Der so Angesprochene hat plötzlich seine Familie oder gleich die gesamte Normalbevölkerung gegen sich. Er weiß nicht, ob es diese Mehrheit wirklich gibt, soll sich ihr aber beugen. Er ist hilflos gezwungen, darauf zu reagieren. Und diesem unangenehmen Gefühl entgeht er meist durch Wut. Aus der Auseinandersetzung wird ein Machtkampf. In dem niemand mehr Verständnis für die Sicht des anderen aufbringt.

In Paargesprächen werden häufig anderen ins Spiel gebracht. Es ist der unglückliche Versuch, der eigenen Position mehr Nachdruck zu verleihen, um den Partner auf diese Weise zu erreichen. Und es verrät, dass wir Angst haben, nicht gehört zu werden, oder frustriert sind, weil wir uns in der Beziehung nicht verstanden fühlen.

Wir sind selten so gut, dass wir in Gesprächen selbst zum "anderen" werden und uns von außen betrachten: "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir uns überhaupt erreichen. Können wir gemeinsam schauen, wie es uns gerade miteinander geht?" Nein, das schaffen wir selten. Aber der Drang, "andere" anführen zu wollen, ist das Signal, dass genau so eine Klärung nötig wäre. Und es wenig Sinn macht, uns weiter über unser Thema zu verstreiten. Die imaginären "anderen" sind ein Hilferuf, den wir selbst hören sollten. Wir fühlen uns allein mit dem Partner. Das Thema, das unsere Aufmerksamkeit braucht, ist diese Einsamkeit. Für den Weg, auf dem ein Paar zueinanderfindet, bleiben die anderen aber immer nur: die anderen.

Oscar Holzberg

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