Frisch verliebt? Die Erinnerung daran kann später die Beziehung retten

Wenn wir frisch verliebt sind, sind wir in Höchstform. In dieser Erinnerung sollten wir baden. Sonst setzen wir die Beziehung aufs Spiel.

Die Verliebtheit ist in Verruf geraten

"Aber damals waren wir ja auch gerade frisch verliebt", lachen Paare, als hätte es keinerlei Bedeutung mehr, was dort in grauer Paar-Vorzeit geschah. "Mein Gott, fand ich ihn aufmerksam!", sagt die Frau und schüttelt dabei so den Kopf, als wolle sie die Erinnerung lieber abschütteln.

Unsere Verliebtheit ist ganz schön in Verruf geraten. Wir betrachten sie mittlerweile als eine Phase, in der wir nicht zurechnungsfähig sind, sondern uns im Drogendelirium befinden. Starke Hormone lösen eine Art geistiger Umnachtung aus, und plötzlich besitzen wir nur noch die Urteilsfähigkeit eines hungrigen Kleinkindes in einer Süßwarenabteilung. Die Biologie will nun mal, dass wir uns paaren, deshalb photoshopt sie uns ein menschliches Durchschnittsexemplar zum Traumprinzen. Alles Illusion, rosarote Seifenblase, eben Wolke Nummer sieben. Wir schweben. Und dann stürzen wir zurück in die Wirklichkeit.

Hier findet ihr all die klugen Sätze und Gedanken, die Paartherapeut Oskar Holzberg über die Liebe sagt.

Wer die Vergangenheit entwertet, schadet der Beziehung

Doch wenn wir unsere Vergangenheit so entwerten, dann schaden wir unseren Beziehungen. Statt unsere erste Zeit zur Kraftquelle werden zu lassen, werfen wir sie auf den Müllhaufen unserer Paargeschichte. Die amerikanischen Familientherapeuten Barry Dym und Michael Glenn betonen, dass nicht alles Illusion und romantische Verklärung ist: Die erste Zeit eines Paares sei wie ein Initiationsritus, "ein Meilenstein der Veränderung im Leben der meisten heute lebenden Menschen". Wir sind verändert. Wir kommen unserem idealen Selbst, also dem, wie wir sein möchten, so nah, wie vermutlich sonst nie wieder. Das ist keine Illusion. Wir sind in Höchstform.

Später, wenn wir enttäuscht voneinander sind und uns missverstehen, sehen wir die Schwächen und das Unvermögen unseres Partners dagegen überdeutlich. Es fällt uns schwer, uns ihm gegenüber zu öffnen und auf ihn zuzugehen.

Zufriedene Paare sind stolz auf ihre gemeinsame Geschichte

Oskar Holzberg, 62, ist seit 30 Jahren verheiratet. Seit 20 Jahren berät der Psychologe Paare. Dabei stellte er fest, dass einige Sätze für alle Beziehungen gelten. In jeder BRIGITTE stellt er einen davon vor.

Genau dann kann es hilfreich sein, die Gefühle von damals wieder zu wecken und uns zu erinnern: An ihre selbstbewusste Art, uns zu fragen. An seinen Humor, der uns aufhob, ohne uns lächerlich zu machen. Der Psychologe John Gottman hat herausgefunden, dass die Art, wie ein Paar seine gemeinsame Geschichte erzählt, die sicherste Voraussage für den Fortbestand einer Beziehung erlaubt. Wenn ein Paar sowohl seinen Gründungsmythos - also durch welche besonderen Umstände die beiden einander gefunden haben - wie auch die gemeinsam verbrachten Jahre als eine negative, banale, zufällige und wenig erbauliche Geschichte präsentiert, kündigt es das Ende der Beziehung an.

Zufriedene Paare sind stolz auf ihre gemeinsame Geschichte. Auch darauf, Hindernisse und schwere Zeiten gemeinsam gemeistert zu haben. Es liegt an uns, welche Erzählung wir schaffen.

Unsere Erinnerungen sind keine Videotapes. Sie verändern sich durch jedes Erinnern. Unsere Geschichte als Paar ist kein historisches Dokument. Sondern eine Erzählung, mit der wir uns wärmen können, wenn es zu frostig zwischen uns wird. An der Quelle ist ein Fluss am reinsten. Dorthin sollten wir immer mal gemeinsam gehen und in der Erinnerung baden: an uns in Höchstform.

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