Sex-Flaute in der Beziehung? Abwarten bringt nichts ...

Wenn wir darauf warten, dass die große Leidenschaft wiederkommt - dann warten wir vergeblich. Aber wie finden wir dann wieder zum Sex?

Sex wird immer seltener, je länger eine Beziehung dauert

Die große Frage ist: Wo das doch so gut ist, wieso machen wir es dann nicht öfter?

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Das Ehepaar C. grient um die Wette. Ihre Mundwinkel wollen himmelwärts, aber sie unterdrücken ihren Stolz und ihre Verlegenheit. Was auch zu verstehen ist. Denn wie blöd ist es, dem eigenen Paartherapeuten zu berichten, dass mitten in der sexuellen Wüste endlich eine Oase gefunden wurde: "Wir hatten Sex!"

Nach zwei Jahren das erotische Niemandsland zu verlassen - das fühlt sich natürlich ein wenig so an, als würde man Papa stolz verkünden, dass man sich gerade zum ersten Mal allein die Schuhe zugebunden hat. Triumphierend, weil man es endlich geschafft hat. Und peinlich, weil alle anderen es schon lange können. Vorsichtig beschreiben die beiden ihre Gefühle. Und dann sagt Frau C. schließlich diesen wunderbaren Satz: "Na ja, ich habe dann auch zu Gerd gesagt, wo das doch so gut ist, wieso machen wir es dann nicht öfter?"

Mit diesem Satz ist das Ehepaar nicht allein. Ich höre ihn immer wieder. Und, um ehrlich zu sein: Ich habe ihn auch mich schon sagen hören. Denn die Sexualität einer langjährigen Beziehung verändert sich. Wenn man die Ergebnisse der Schlafzimmer-Forschung zusammenfasst, dann findet Sex immer seltener statt, je länger eine Beziehung dauert. Obwohl langjährig vertraute Partner ihre erotischen Wünsche eigentlich besser miteinander teilen können.

Unsere sexuellen Impulse werden vom Leben überwuchert

Das Wichtigste daran klingt trivial: Sex muss uns wichtig sein

Wenn wir uns kennenlernen, fühlt sich unsere Sexualität noch sehr "triebhaft" an. Wir leben keine Sexualität, die Sexualität lebt uns. Aber unsere sexuellen Impulse werden zunehmend vom Leben überwuchert. Die bisher vollautomatisch ablaufende Leidenschaft endet. Sex wird seltener und seltener. Die Paare kämpfen mit dieser Veränderung. Doch im Grunde kämpfen sie gar nicht. Stattdessen warten sie. Sie warten, dass irgendwann die gigantische erotische Welle wiederkommt und sie direkt in den leidenschaftlichsten Beischlaf schleudert. Wie wir wissen, warten wir vergeblich.

Wir müssen Sex absichtsvoll und bewusst herbeiführen

Oskar Holzberg, 61, ist seit 30 Jahren verheiratet. Seit 20 Jahren berät der Psychologe Paare. Dabei stellte er fest, dass einige Sätze für alle Beziehungen gelten. In jeder BRIGITTE stellt er einen davon vor.

In langjährigen Partnerschaften ist Sex kein Selbstzünder mehr. Stattdessen müssen wir lernen, aktiv zur sexuellen Begegnung zu finden. Das Wichtigste daran klingt trivial: Sex muss uns wichtig sein. Was bedeutet, dass wir uns eben nicht so lange "Games of Thrones" reinziehen, bis wir komatös sind, sondern noch wach genug in die Laken hüpfen, um möglicherweise Sex zu haben.

Dazu gehört auch, dass wir darüber sprechen und uns versichern, dass wir beide unseren Sex vermissen. Das gibt uns die Sicherheit, weiter begehrt zu sein. Und das macht uns mutiger, Sex zu initiieren, uns zu berühren, um sexuell miteinander zu sein. Denn letztlich müssen wir Sex absichtsvoll und bewusst herbeiführen. Viele Paare spüren das und haben deshalb in schweigendem Einverständnis kleine Rituale entwickelt. Wenn sie ins Bett schlüpft und ihre sonst unvermeidlichen Bettsocken auf dem Nachtkasten liegen lässt - dann ist Sex jetzt moöglicherweise eine gute Idee.

Wir müssen unser erotisches Leben nicht in die Fantasie verschieben oder resigniert Matthew McConaughey anschmachten. Unsere Sexualität kann lebendig bleiben, wenn wir anerkennen, dass Sex nicht von allein geschieht.

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