Warum man nicht mit Trennung drohen sollte - der Rat vom Paartherapeuten

Setzen Sie Ihren Partner nicht unter Druck, indem Sie mit Trennung drohen. Es könnte mehr kaputt machen, als Ihnen lieb ist, weiß Paartherapeut Oskar Holzberg.

Jan hasst diesen Moment. Er hat ihn schon zu oft erlebt. Mitten im Streit wird Laura plötzlich ganz kühl und sagt: "Vielleicht sollten wir es einfach vergessen. Es ist doch jahrelang immer wieder der gleiche Mist. Ich kann deine Vorwürfe nicht mehr hören und du meine auch nicht. Lass es uns doch endlich einsehen und uns trennen." Und dann steht sie auf oder dreht sich um und geht. Früher hat ihn das in Panik versetzt. Entweder bettelte er dann, dass sie es doch bitte weiter versuchen sollten, ließ nicht locker, machte immer wieder Gesprächsangebote. Oder er wurde so wütend, dass er nur noch "Ja, genau, dann hast du endlich, was du willst! Du blöde Idiotin, sieh doch zu, wie du allein klarkommst!" hinter ihr herbellte.

Heute, nach vier Jahren Beziehung, ist es ihm irgendwie gleichgültiger geworden. Und trotzdem wünscht er sich jedes Mal, dass sie endlich damit aufhören möge, sich von ihm zu trennen, sobald es schwierig zwischen ihnen wird. Jans Wunsch ist verständlich. Wir kennen sein Gefühl aus unserer Kinderzeit. Wir spielten mit unseren Freunden, waren gerade dabei, neue Regeln auszuhandeln, dann gab es Streit, und jemand sagte: "Jetzt spiele ich nicht mehr mit!", verließ prompt das Spielfeld, schmiss die Karten hin oder fegte die Figuren vom Brett. Und wir krümmten uns in hilflosem Zorn und wollten mit diesem Spielverderber nie wieder zusammen spielen.

Promi-Beziehungen für die Ewigkeit: Foto von Sarah Jessica Parker und Matthew Broderick

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

In jedem Spiel fühlen wir uns mal unfair behandelt oder foulen selbst. Wir können es regeln, solange niemand das Spiel aufkündigt. Genauso sind wir in Beziehungen den Vorwürfen, Drohungen und der Verzweiflung unseres Partners ausgesetzt. Und können und müssen uns damit auseinandersetzen. Doch eine Trennungsdrohung hat eine andere Qualität. Sie stellt die Beziehung selbst infrage und damit die Basis, auf der Konflikte ausgetragen werden können. Es ist immer wieder notwendig, eine Beziehung zu klären und sich dabei auch mal heftig zu streiten, damit wieder Nähe gelebt werden kann. Doch um so viel von uns zeigen zu können, brauchen wir die Sicherheit, dass der andere uns nicht fallen lässt, weil wir jetzt schwierig für ihn werden.

Wer leichtfertig, oder weil er sich damit durchsetzen möchte, mit Trennung droht, zerstört genau diese Sicherheit. Denn der Partner wird auf die angedrohte Trennung reagieren. Klammernd oder wütend oder indem er selbst beginnt, über Trennung nachzudenken. Und je unsicherer sich die Beziehung anfühlt, umso dringlicher sind Klärungen, aber umso schwerer fallen sie auch. Wer sich ständig trennt, wird auch nicht ernst genommen, falls er irgendwann ernsthaft an der Partnerschaft zweifelt. Deshalb ist es wichtig, dass Trennungsdrohungen nicht einfach übergangen werden, sondern geklärt und zurückgenommen werden. Die Trennung schwebt über einer Partnerschaft wie der Tod über dem Leben. Sie ist zu jeder Zeit möglich. Und ein Paar ist immer nur ein Paar, solange sich beide als Partner definieren. Deshalb sollten wir mit Trennung weder drohen noch sie voreilig aussprechen. Wir sollten das Spielfeld der Liebe nie leichtfertig verlassen.

Text:Oskar Holzberg, Aus: Brigitte 25/2014

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel