Wenn Partner unterschiedlich mit Angst umgehen, hilft nur eines ...

Sie will alles durchplanen, damit nichts schief geht, er will alles auf sich zukommen lassen: Warum sich Paare bewusst machen sollten, wie der andere mit Angst umgeht.

Unsere Angststrategien sind ständig im Einsatz

"Wir hatten so ein saublödes Wochenende", sagt Micha und schüttelt den Kopf. "Wir haben uns über unseren bevorstehenden Zypern-Urlaub gefetzt. Wir kommen dort spät an, Petra hat Angst, dass dann die Schalter schon alle geschlossen sind und wir unser Mietauto nicht mehr bekommen..." - "...und wir dann auch nicht mehr rechtzeitig ins Hotel kommen", fällt Petra ihm ins Wort. Micha redet weiter: "Also wollte sie, dass ich alles google. Ich fand das überflüssig, aber da hat sie mich gleich angemacht, dass ich nie mal auf ihre Bedürfnisse eingehe..." - "Was?!", ruft Petra empört. "Du warst doch sofort aggressiv! Hast rumgebrüllt, dass du dein Leben nicht mit so einem Scheiß verbringen willst."

Petra und Micha sind ratlos. Was hat sie so aufgebracht? Die Antwort ist Angst. Oder genauer: wie sie beide mit ihren Ängsten umgehen. Ein Filmtitel und oft benutztes Zitat lautet "Angst essen Seele auf". Und unsere nahen Beziehungen, vor allem unsere Partnerschaft, schützen uns davor. Wir wissen, dass der andere für uns da ist, wenn wir ihn brauchen. Wenn wir eine OP vor uns haben, kann der Partner bei uns sein. Wenn uns die Zukunft ängstigt, können wir unsere Sorge mit ihm teilen. Auf einer gefährlichen Wanderung kann er uns beschützen.

Wenn sich die Angststrategien unterscheiden, wird es schwierig

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Aber es wird schwierig für Paare, wenn die eigene Art, sich zu beruhigen für den Partner eher beunruhigend ist: Wenn die Angststrategie eines Partners darin besteht, sich abzulenken, die des anderen aber, ausführlich über die Sorgen sprechen zu wollen. Wenn einer den pessimistischen Weg geht und sich das Schlimmste vorstellt, um dagegen gewappnet zu sein. Während der andere sich damit beruhigt, dass schon alles gut gehen wird, und sich nicht damit beschäftigen mag, was alles schief gehen könnte. Wenn einer auf die Angst zugehen, der andere ihr aber ausweichen will, dann hindern sich Partner gegenseitig daran, innere Ruhe zu finden. Sie werden aufgeregt und versuchen auf aggressive Weise, sich gegenseitig zu stoppen.

Petra sucht Sicherheit, indem sie alles genau durchdenken, planen und Wissen will. Sie hat das beruhigende Gefühl, alles getan zu haben, was möglich ist. Micha dagegen macht das eher unruhig. Er glaubt, dass man nie weiß, was noch alles dazwischenkommen kann, und setzt darauf, dass er im Notfall schon eine Lösung finden wird. Wenn Petra ihn bittet, mit ihr zu planen, verweigert er sich und bekämpft ihren Weg, mit Angst umzugehen.

Unsere Angststrategien sind uns meistens nicht bewusst, aber sie sind ständig im Einsatz: wenn wir unsicher sind, die richtige Entscheidung zu treffen; wenn wir befürchten, nicht gemocht zu werden und selbst, wenn wir nur Sorge haben zu spät zu kommen. Es ist für Paare hilfreich, sich gemeinsam bewusst zu machen, wie jeder mit Angst umgeht. Wir können uns gegenseitig dabei helfen, es zu erkennen. Und wenn wir unvermittelt in heftige Auseinandersetzungen geraten - dann lohnt es sich erst recht, zu überprüfen, ob dich nicht gerade beunruhigt, was mich beruhigt.

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