Wer sich versöhnen will, muss Mitgefühl zeigen, rät der Paartherapeut

"Es tut mir leid, ABER..." Das ist der falsche Satz, wenn Sie sich versöhnen wollen. Das erlebt der Paartherapeut Oskar Holzberg täglich in seiner Praxis.

"Ja, es war doof von mir, Jan zu erzählen, dass du Antidepressiva nimmst. Ich hatte dir ja versprochen, mit niemandem darüber zu sprechen", sagt Ole. "Es tut mir leid, aber ich habe echt gedacht, es ist nicht so schlimm. Und vor Jan habe ich einfach null Geheimnisse." Einen Augenblick lang hatte Kristin ihren Ehemann Ole versöhnlich angeschaut, aber jetzt faucht sie: "Du bist so ein Arsch!" Und während ihr die Tränen kommen, feuert Ole schon zurück: "Das war wohl mal wieder nicht richtig, was? Soll ich mich vor Reue vor dir im Schlamm wälzen?" Ich beuge mich vor. "Können wir mal versuchen, gemeinsam zu verstehen, was hier gerade geschieht? Was Sie beide so wütend macht? Und woran Ihr Versuch, sich zu versöhnen, gerade gescheitert ist?"

In der Liebe werden wir einander immer wieder verletzen. Das können wir nicht verhindern. Dazu sind wir zu empfindsam, ist unser Gefühlsleben zu komplex. So perfekt, dass wir einander nie enttäuschen, können wir nicht sein. Nie so achtsam, dass wir den anderen nie aus dem Blick verlieren. Also müssen wir lernen, wie wir uns versöhnen können.

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Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Sich zu versöhnen ist eine emotionale Begegnung. Ich erkenne an, dass ich dir weh getan habe. Ich fühle mit dir und stelle mich deinem Schmerz. Es tut mir leid, dich verletzt zu haben. Wenn wir uns versöhnen, dann geht es darum, dass wir uns wieder füreinander öffnen. Und das werden wir nur tun, wenn wir uns wieder sicher miteinander fühlen. Wenn wir wissen, dass uns der andere verstanden hat. Und wie stets ist Verstehen kein Gehirnjogging. Verständnis ohne Empathie, ohne Einfühlung, ist tot, theoretisch und absolut wirkungslos.

Sich im Schlamm zu wälzen würde Ole nicht weiterhelfen. Denn Kristin hatte einen Augenblick das Gefühl, dass Ole sie versteht. Sie war fast versöhnt und bereit, sich ihm gegenüber wieder zu öffnen. Doch dann kam es. Das Wort, das alles zerstört hat: ABER. Kristin verschloss sich wieder. Sie hörte nur noch, das Ole sich rechtfertigte. Dass er auch Verständnis gezeigt hatte, hatte in ihrem Erleben keine Bedeutung mehr. Wenn wir in einer Beziehung einen Konflikt klären wollen, wenn wir wieder zueinanderfinden und uns versöhnen wollen, dann brauchen wir die ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung des Partners. Alle Paar-Kommunikationshilfen, alle strukturierten Dialoge folgen diesem Muster. Bei dem Konflikt von Kristin und Ole würde es bedeuten, dass Ole Kristin erst wirklich sein Mitgefühl zeigen würde. Und dann, wenn es Kristin erreicht hat, wäre sie bereit und in der Lage, auch Ole zu verstehen.

Kristin ist verletzt, weil Ole ihre Wünsche missachtet hat, er sie vergessen, nur an sich gedacht hat. Also hat sie sich von ihm zurückgezogen und schützt sich. Und wenn er gleich mit seinen Rechtfertigungen kommt, dann fühlt sie sich wieder nicht wirklich gesehen, hat das Gefühl, er sei nicht bei ihr und es ginge nur um seine Bedürfnisse. Und bleibt ihm gegenüber verschlossen.

Wenn wir uns entschuldigen wollen, weil wir uns gern versöhnen möchten, dann geht es nur nachrangig darum, dass wir deutlich machen, warum wir so gehandelt haben. Es geht darum, dem gekränkten, verletzten Partner mit Mitgefühl zu begegnen. Deshalb kein Aber, wenn wir um Verzeihung bitten.

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