Zusammen entscheiden geht nur mit klaren Ansagen, weiß der Paartherapeut

Ein "Jaja" bedeutet nicht "So machen wir das". Wer zusammen entscheiden will, muss sich auf klare Ansagen einigen, weiß Paartherapeut Oskar Holzberg.

Sie strahlt: "Guck, es ist wirklich schön!" Herr J. reißt die Augen auf. Die Küche sieht aus wie der Showroom eines Porzellanladens. Auf dem Tisch stapelt sich ein komplettes Designer-Service. Menüteller, Suppenteller, Vorlegeplatten, Schüsseln, Sauciere, Suppenterrine. "Das ist doch nicht dein Ernst! Was soll das denn? Wir haben doch wirklich genug Geschirr! Und wieso sprichst du so was eigentlich nicht mit mir ab? Ich fasse es nicht!" Herr J. wird mit jedem Satz wütender. "Aber ... ", versucht sie besänftigend einzuwerfen, während ihr vor Enttäuschung schon die Tränen kommen, "... aber darüber haben wir doch geredet. Das haben wir doch abgesprochen!"

Wir brauchen eine ganze Paarsitzung, um zu klären, wie sie einander missverstanden haben. Ja, er fand es auf der Abbildung auch schön. Und ja, mal ein neues Geschirr anzuschaffen ist keine schlechte Idee. Aber nein, sagt er, er habe doch niemals zugestimmt, dass sie es auch kaufen wollten!

"Jaja" ist keine Zustimmung

Im Grunde sollte es ja einfach sein zu wissen, ob man eine gemeinsame Entscheidung getroffen hat. Aber in Paarbeziehungen geht das erstaunlich oft schief. Denn erstens geht Kommunikation ohnehin erstaunlich oft schief. Überall. Und zweitens geht sie besonders leicht bei Paaren schief. Weil Partner stets auf eine typische Weise miteinander verstrickt sind. Meistens gibt es einen Partner, der eher fordert, und einen, der sich von den Forderungen zurückzieht. So ist es auch beim Ehepaar J. Sie, die oft wütend um mehr Zuwendung, Nähe und Gemeinsamkeit kämpft, nahm sein gebrummeltes "Jaja, ist doch gut" als Zustimmung.

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Einmal, weil sie das Service wollte. Aber vor allem, weil sie gern glauben wollte, dass sie ihn für ihr Anliegen erreicht hatte. Er dagegen war froh, dass sie nach seiner uneindeutigen Reaktion Ruhe gab. Und er keine Auseinandersetzung mehr befürchten musste.

Sie glaubten beide, erreicht zu haben, was sie wollten. Und übersahen dabei, dass sie einander nicht erreicht hatten. Im Gefühl, einander gut zu kennen und vertraut zu sein, bestehen Liebespartner nicht auf ein Sitzungsprotokoll. Doch um Beziehungschaos vorzubeugen, ist es notwendig, ganz klar auszuprechen, was gemeinsam beschlossen wurde. Sonst fliegt Paaren die ganze Wucht ihrer Paarpositionen um die Ohren. Und es kommt zu bitterer Enttäuschung.

Sie ist dann enttäuscht, weil trotz Absprache immer noch die Zeichnungen seiner Ex-Frau in Flur hängen. Und er versteht ihre Gereiztheit nicht. Denn er hatte verstanden, dass sie die Zeichnungen erst abhängen, wenn sie bessere gefunden haben. Er bucht dann begeistert das kleine Hotel am mecklenburgischen See, und sie ist voll genervt, weil sie noch dabei war, ihn von ein paar Tagen an der Nordsee zu überzeugen.

Wir müssen miteinander sprechen, um einander zu verstehen. Wir brauchen Raum, um unsere Fantasien und Sehnsüchte zu teilen und Ideen gemeinsam zu entwickeln. Sobald wir aber glauben, zu einer gemeinsamen Entscheidung gekommen zu sein, dann sollten wir das so eindeutig und konkret wie möglich mit unserem Liebsten klären: "Was haben wir jetzt entschieden?" Denn gesagt ist nicht beschlossen. Und besprochen ist nicht entschieden.

Text: Oskar Holzberg Foto: ArtFamily/Shutterstock

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