Beziehungsratgeber: Die sieben absurdesten Tipps

Wie finde ich den perfekten Mann? Wie kriege ich fantastischen Sex? Was macht eine gute Partnerschaft aus? Beziehungsratgeber versuchen immer wieder, eine Antwort darauf zu finden. Die bizarrsten Beziehungstipps der vergangenen hundert Jahre.

1. Werden Sie Friseuse, dann finden Sie am schnellsten einen Mann

Welche Frauen bei Männern am begehrtesten sind, richtet sich offenbar nach ihrem Beruf. Lehrerinnen sollten dabei möglichst schnell den Hafen der Ehe ansteuern, rät das Buch "Ehepartner sind auch Menschen" von 1963: "Wenn zum Beispiel eine Lehrerin nicht schon in jungen Jahren heiratet, kommt sie nicht mehr dazu, da dann zuviel Erzieherisches an ihr haftet und das lieben die Männer nun mal nicht." Die Juristin trifft ein ähnlich tragisches Los. "Sie ist den Männern offensichtlich zu nüchtern und zu logisch." Da wären Juristin und Lehrerin mal lieber Friseuse geworden – die "ist meist hübsch, immer gepflegt, hat ihr berufliches Auskommen. Spätestens mit 22 Jahren sind die meisten Friseusinnen verheiratet."

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2. Suchen Sie sich als Traumpartner keinen Syphiliskranken aus

Die meisten Frauen suchen nicht irgendeinen Partner, sondern einen, der zu ihnen passt. Das macht die Suche kompliziert. Wer zum Teufel ist der Richtige? Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erfuhren wir immerhin, wer nicht zu uns passt – nämlich Tuberkulose- und Syphiliskranke sowie Blutsverwandte (Goldenes Buch für Eheleute, 1910/12). Später ergänzt der Ratgeber "Die gute Ehe" (1959) diese Liste noch durch Glücksspieler, Trinker, Homosexuelle und Heiratsschwindler und rät von einer Verbindung zwischen Vegetariern und Fleischessern ab: Die Konfliktgefahr sei besonders groß, wenn der Vegetarier "den Schnitzelesser zum Gemüsesaft bekehren will". Dafür schenkt derselbe Ratgeber uns aber einen klaren Maßstab für die Partnerwahl. Ausschlaggebend sei, "wie ein Mensch sich Kindern oder Tieren oder alten Leuten gegenüber verhält, wie er in Notzeiten oder in gefahrvollen Situationen reagiert".

3. Sex ist am schönsten, wenn beide Partner freiwillig mitmachen

Schon der Ratgeber "Die vollkommene Ehe" (1926) wusste: Sex ist am schönsten zu zweit – und wenn es beide wollen. Im Originalton: Demnach sollte "nicht der Mann die Frau begatten, sondern die Eheleute sollen sich vergatten". 1959 geht das Buch "Die gute Ehe" noch einen Schritt weiter und erklärt unbedarften Männern, dass Sex nicht nur schöner, sondern auch viel einfacher ist, wenn die Frau sich mitvergattet: "Schon die Lage der Scheide zwischen den geschlossenen Oberschenkeln weist darauf hin, daß der Zugang zum Leib der Frau nur durch freiwilliges Spreizen der Beine ... freigegeben wird."

4. Passen Sie Ihre Lieblingsstellung den körperlichen Gebrechen des Partners an

In der Missionarsstellung etwa macht die Haltung des Mannes "bei stark beleibten oder älteren Männern Schwierigkeiten, da der Bauch störend ist und die Bewegungen leicht zur Ermüdung führen" ("Helga und Bernd", 1969). Die Löffelchenstellung ist in manchen Varianten nicht "für kurzbeinige Frauen geeignet", behauptet derselbe Ratgeber. Sitzt der Mann im Schneidersitz, kriegt er Probleme, wenn er "an Hämorrhoiden und Prolapsus ani (Aftervorfall) leidet" ("Sexuelle Technik in Wort und Bild", 1966). Männer mit hohem Blutdruck schließlich sollten sich beim Sex unbedingt schonen. Wenn ihre Partnerin auf der Bettkante sitzt und sie vor ihr knien, ermöglicht ihnen dies "Stoßbewegungen ohne jede Anstrengung" ("Helga und Bernd", 1969).

5. Achten Sie beim Sex auf adäquate Lautäußerungen

Hat man erst einmal die passabelste Sex-Praktik für sich und seinen Partner gefunden, muss man noch etwas ganz anderes beachten: Denn beim Beinespreizen sollte die Frau nicht vor sich hin plappern. "Frauen kommentieren den Sex am besten, indem sie Laute von sich geben, und nicht, indem sie sich in ganzen Sätzen dazu äußern", steht im Buch "Mars, Venus & Eros" aus dem Jahr 1996.

6. Geht Ihr Partner fremd, dann fragen Sie den Papst um Rat

Im Jahr 1955 wies das Handbuch "Das sexuelle Verhalten des Mannes" auf einen bedauerlichen Umstand hin: nämlich dass die Hälfte aller Männer sich "zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Ehe in Geschlechtsverkehr mit anderen Frauen einlässt." Die Ursache dafür erklärte Papst Pius XII. in einem seiner Bücher: "Romane erzählen so viel von Untreue, von Schuld, von unerlaubten und hemmungslosen Leidenschaften ... Wer gewohnheitsmäßig Romane liest ... dessen Gefühl, Herz und Phantasie gleiten oft in die Atmosphäre eines vorgetäuschten, wirklichkeitsfremden Lebens hinein." Also, freuen Sie sich von Herzen über jede Minute, die Ihr Mann Auto-Bild oder einem Computer-Magazin widmet.

7. Geben Sie beim Streit immer Ihrem Mann die Schuld

In den meisten Fällen tun Sie ihm damit nämlich nicht einmal Unrecht. "Amerikanische Statistiken besagen ... , daß an allen Ehekrächen zu genau 62 Prozent die Männer schuld seien" ("Ehepartner sind auch Menschen", 1963). Sollte Ihre Ehe oder Partnerschaft dabei doch irgendwann einmal den Bach runtergehen, gibt es Trost: nämlich wahnsinnig viele neue Scheidungsratgeber, die Sie sich kaufen können.

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